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Khedira-Kritik an Löw : „Das ist das absolut falsche Signal“

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Das waren noch Zeiten: Sami Khedira (links) mit Joachim Löw und Oliver Bierhoff (rechts, Bild vom März 2018) Bild: Picture-Alliance

Nach seinem früheren Mitspieler Bastian Schweinsteiger macht sich auch Sami Khedira Sorgen um die DFB-Elf. Der Weltmeister von 2014 kritisiert Bundestrainer Joachim Löw – und spricht über einen Wechsel.

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          Der frühere Fußball-Nationalspieler Sami Khedira hält die Ausbootung seiner Weltmeister-Kollegen Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels durch Bundestrainer Joachim Löw für einen Fehler und legt ihm nahe, das Trio zurückzuholen. Das wäre aus Sicht des 33-Jährigen der vernünftige Weg, um bei der EM 2021 und vor allem der WM 2022 um den Titel mitreden zu können. Gerade für die angestrebte Entwicklung jüngerer Spieler sei Löws umstrittene Entscheidung der Ausbootung kontraproduktiv, sagte Khedira in der „Bild am Sonntag“.

          Es sei „das absolut falsche Signal“ an die nachwachsende Generation, begründete Khedira seinen Standpunkt, „wenn ich jungen Spielern gleich die Straße freimache, weil man dann als junger Spieler automatisch in einer Komfortzone ist, und in einer Komfortzone hat sich noch kein Mensch der Welt verbessert. Wenn man ältere Spieler von vornherein aussortiert, werden wir nicht das maximale Level erreichen.“ Ohne Konkurrenzkampf mit etablierten Spielern würden „die sensationell guten jungen Spieler in ihrer eigenen Blase limitiert bleiben“.

          Eine Entscheidung für eine Rückholaktion würde Löw nach Ansicht von Khedira viel Kraft kosten. „Wäre er dann der Schwache? Nein! Er wäre der Starke! Weil er viel Energie bräuchte“, sagte Khedira. Löw erklärte zuletzt, er sehe im Moment keinen Anlass für eine Rückholaktion. Der 60-Jährige will vor der EM-Endrunde aber alles noch einmal auf den Prüfstand stellen.

          Wie zuvor schon sein ehemaliger Mitspieler Bastian Schweinsteiger macht sich Khedira zudem grundsätzliche Sorgen um die Nationalelf. „Die Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren ein wenig die Identität verloren“, sagte der frühere Stuttgarter: „Die Gemeinschaft hat nachgelassen. Durch viele Umstellungen, durch viele Neueinladungen. Man fragt sich aktuell: Wofür steht die Nationalmannschaft?“

          Khedira, der schon nach Deutschlands WM-Vorrundendesaster 2018 von Löw aussortiert worden war, sieht einen wichtigen Unterschied zwischen Bundesliga-Topklubs wie Bayern München, RB Leipzig oder Borussia Mönchengladbach und deren Trainern auf der einen Seite und der Nationalelf auf der anderen: Bei den Vereinen „lieben es die Spieler, mit diesen Trainern zu arbeiten. Da weiß man genau: Jeder Verein steht für etwas. Die Nationalelf dagegen sucht aktuell, wofür sie steht“, meinte der 33-Jährige.

          Löws Zukunft als Bundestrainer über die EM-Endrunde 2021 hinaus hängt nach Khediras Ansicht besonders von der Kommunikation des Coaches mit der umgebauten Nationalelf ab: „Für mich ist die Frage: Bekommt er nach den vielen Jahren die Spieler noch emotionalisiert? Wollen die Spieler es verstehen und aufnehmen?“

          Seine persönliche Zukunft sieht der frühere Star von Real Madrid angesichts seiner Dauerreservistenrolle in Turin schon zeitnah bei einem anderen Klub. „Ich beschäftige mich mit Dezember und Januar. Ein Wechsel ist realistisch“, sagte Khedira. Sein Vertrag bei „Juve“ läuft allerdings noch bis zum Saisonende. Bei einem möglichen Abschied von Juventus im Winter würde Khedira zwar ein Wechsel in die Premier League reizen. Es könne aber auch ein Verein außerhalb von England werden, der nicht international spiele.

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