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Russlands WM-Bewerbung : Die Sportgroßmacht spielt auf Sieg

  • -Aktualisiert am

Russland gilt als Favorit für die Ausrichtung der WM 2018 Bild: dapd

Die Fifa trifft trotz aller Korruptionsskandale an diesem Donnerstag in Zürich die Wahl, wer Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 wird. Die Sportgroßmacht Russland hat gute Argumente und hofft auf ein neu entfachtes Nationalgefühl.

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          Behalten die Londoner Buchmacher recht, stiehlt die Fifa in diesem Jahr Väterchen Frost in Russland womöglich die Show. Jedenfalls wird die Freude von Sankt Petersburg bis Wladiwostok sicherlich groß sein, sollte am Donnerstag in Zürich entschieden werden, dass Russland 2018 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten darf. Zur Politik des Weltfußballverbandes gehört es allemal, das größte Sportereignis auch in Gebieten stattfinden zu lassen, die bislang das Nachsehen hatten, aber über ein großes Potential verfügen. Auf Russland trifft beides zu, und im mächtigen russischen Ministerpräsidenten Putin hat die Fifa einen Verbündeten. Der Ministerpräsident sorgte dafür, dass die Russen im Mai ein dreibändiges Bewerbungsopus ablieferten, um die WM nach Russland zu holen. Aus dessen Bewertung durch die Fifa konnte geschlossen werden, dass die Aussichten der Russen nicht übel sind, zum ersten Mal als Gastgeber für das Hohe Fest des Weltfußballs zugelassen zu werden.

          Russland will vieles mit der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft erreichen. Nach dem Ende der Sowjetunion waren die Strukturen für den Breitensport zusammengebrochen. Das galt auch für den Fußball. Nach und nach wird jedoch wieder aufgebaut. So soll für die Entwicklung des Fußballs eine Milliarde Dollar ausgegeben werden. Dazu fügt sich, dass die Regierung öffentlich zugesagt hat, dass Stadien, die für die Weltmeisterschaft errichtet werden sollen, auch dann gebaut werden, wenn Russland nicht den Zuschlag erhalten sollte.

          Beflügelnde Wirkung

          Was den Elitefußball im Land angeht, so brachte es die postsowjetische neue Ära mit sich, dass zum einen der Profifußball gang und gäbe wurde und dass zum anderen in der russischen ersten Liga immer mehr Ausländer spielen, während Russen bei ausländischen Klubs anheuern. Diese Art der Integration hat dem russischen Fußball als Ganzem gut getan. Die Aussicht auf eine Weltmeisterschaft im eigenen Land, so glauben die Verantwortlichen in Moskau, werde dem russischen Fußball zusätzlich Auftrieb geben und natürlich auch die Nationalmannschaft beflügeln. Darüber hinaus ist das Vorhaben, die WM in acht Jahren auszurichten, auch Ausdruck der Moskauer Bestrebungen, Russland solle, wie es seinerzeit die Sowjetunion war, eine Sportgroßmacht werden.

          Wladimir Putin (l.) unterstützt die WM-Bewerbung, wird bei der Vergabe in Zürich aber nicht anwesend sein

          Ein WM-Heimspiel, bei dem Russland zudem noch gut abschnitte, würde dabei helfen. Aber nicht nur um Fußball geht es. Putin hat sich dafür eingesetzt und erreicht, dass die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi abgehalten werden, und demnächst sollen sich dort auch die Piloten der Formel 1 messen. Das Eishockey-Land Russland will 2016 endlich wieder eine Weltmeisterschaft in dieser Sportart ausrichten. Zuvor soll 2013 in Kasan im Landesteil Tatarstan an der mittleren Wolga eine Universiade über die Bühne gehen. Alle diese Großveranstaltungen können und sollen aus Moskauer Sicht das Prestige des Landes als Sportnation und Organisator großer Sportveranstaltungen anheben. Sie dienen aber auch dazu, Logistik, Infrastruktur und Organisationspotential zu testen und zu vervollkommnen, bevor 2018 der Ball in Sotschi, Königsberg (Kaliningrad) oder Jekaterinburg im Ural an der Grenze zu Asien rollt.

          Mangelhafte Infrastruktur

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