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WM-Vergaben Qatar/Russland : Fifa muss den ganzen Bericht veröffentlichen

Die Diskussion um mögliche Korruption bei der WM-Vergabe ist noch nicht beendet. Bild: dpa

Die Fifa spricht sich frei, doch die Diskussion um die WM-Vergaben nach Russland und Qatar sind damit nicht beendet. Im Gegenteil. Der Fußball-Weltverband muss nun den ganzen Bericht offenlegen. Satz für Satz.

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          Der dunkle WM-Schatten über dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) sowie den Ausrichterländern Russland und Qatar wird mit dem „Freispruch“ vom Donnerstag nicht verschwinden. Im Gegenteil: Die Diskussion um eine mögliche Korruption und schuldige Funktionäre spitzt sich trotz des vermeintlichen Schlussstrichs weiter zu, nachdem die beiden Vorsitzenden der ermittelnden Fifa-Ethikkommission offenbar die Ergebnisse der Untersuchung unterschiedlich interpretieren.

          Nach Ansicht des Spruchkammerchefs der Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, der am Donnerstag mit seinem abschließenden Bericht herausgekommen ist, gibt es auf Grundlage der Untersuchung des Ethik-Kollegen und Fifa-Chefermittlers Michael Garcia keine handfesten Beweise für eine direkte Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe an die beiden damaligen Bewerber Russland und Qatar.

          Dennoch weist Eckert, im Hauptberuf Vorsitzender Richter am Strafgericht in München, in seinen Ausführungen auf ein problematisches Fehlverhalten einiger Funktionäre hin. Und hierbei geht es nicht nur um die Lobbyisten von den Ländern, welche die beiden nächsten WM-Turniere ausrichten werden, sondern um das Geschäftsgebaren fast aller damaligen Kandidaten für die beiden folgenden Großveranstaltungen: um Fußballdelegierte von Australien, England, Japan, Südkorea und den Vereinigten Staaten.

          Eckert nennt einige fragwürdige Praktiken: unmoralische Angebote, Geschenke, Absprachen, zweifelhafte Kontakte zu Vorstandsleuten der Fifa. In Russland wurden, wie es heißt, die Festplatten einiger Computer zerstört, was die Arbeit der Fifa-Ermittler erschwerte. Nur: Die große WM-Bestechung, der Fußball-Komplott konnte nicht nachgewiesen werden – aus Sicht Eckerts.

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          Sieht das Garcia komplett anders? Gibt es doch eindeutige Beweise für Korruption? Grundlagen für Verfahren? Der ehemalige amerikanische Staatsanwalt spricht von „fehlerhaften Darstellungen“ in der zusammenfassenden Betrachtung Eckerts. Sind das Nuancen bei der rechtlichen Auslegung oder ist das etwa eine diametral unterschiedliche Einschätzung der beiden angesehenen Juristen?

          Es ist schwierig, Korruption zu entdecken und die Fälle vor Gericht zu bringen. Die Absprachen zur gegenseitigen Vorteilsnahme, das Verschleiern der Tat finden im Verborgenen statt. Entsprechend hoch ist die Dunkelziffer der Fälle. Die Fifa kann sich dem nächsten Glaubwürdigkeitsverlust nur entziehen, wenn sie den Untersuchungsbericht Garcias zu den umstrittenen WM-Vergaben offenlegt, Satz für Satz, so wie es der ehemalige Fifa-Reformbeauftragte Pieth fordert. Dann könnte sich die Öffentlichkeit ein Bild von den Verstrickungen machen und ihre eigene Meinung in diesem Fall bilden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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