https://www.faz.net/-gtl-8yt5h

Ausraster von Trainer Daum : „Alles verrückte Lügen. Nichts ist bewiesen!“

  • Aktualisiert am

„Sie verdrehen es ins Gegenteil und schaffen Lügen“: Christoph Daum. Bild: dpa

Christoph Daum gewann als Rumänien-Trainer nur zwei von acht Partien. Dann wird er in einer Pressekonferenz gefragt, ob er von sich aus gehe. Danach ist Daum kaum mehr zu halten – und greift einen Journalisten an.

          Rumäniens Fußballverband will in Kürze über die Zukunft von Nationaltrainer Christoph Daum entscheiden. Verbandschef Razvan Burleanu schließt eine vorzeitige Entlassung des Deutschen nicht aus, wie rumänische Medien am Mittwoch berichteten. Die Rumänen haben nach der jüngsten 1:3-Niederlage in Polen nur noch geringe Chancen auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. „Der Vertrag mit Daum hatte dieses Ziel, nämlich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft“, sagte Burleanu.

          Er bedaure es nicht, Daum im vorigen Jahr engagiert zu haben, „zugleich aber steht und fällt ein Trainer mit den Resultaten, und die Resultate sind nicht zu unserem Vorteil“. Nun werde die Technische Kommission des Verbands über Daums Leistung beraten und eine Entscheidung fällen. Daums Vertrag läuft offiziell bis 2018. In acht Partien gelang bisher nur zwei Siege. „Ich habe dem Präsidenten ganz klar gesagt, dass er auf mich zukommen soll, wenn er das Gefühl hat, dass ich zur Belastung werde“, sagte Daum der Zeitung „Die Welt“ am Mittwoch.

          Der frühere Bundesliga-Trainer selbst hatte zuvor äußerst irritiert auf Fragen nach einem Rücktritt reagiert und dabei einem rumänischen Journalisten sogar mangelnde Vaterlandsliebe vorgeworfen. Bei einer Pressekonferenz vor dem 3:2-Testspielsieg über Chile am Dienstag in Cluj schimpfte der 63-Jährige über „Lügen“ der rumänischen Medien, die seine Leistung „zerstören“ würden. Rund zwei Minuten schimpft Daum auf dem Podium wild gestikulierend mit aufgerissenen Augen in Richtung der Journalisten. Einer von ihnen, Emanuel Rosu, teilte ein Video bei Twitter und schrieb dazu:  „Christoph Daum dreht nach der 2237138213. Frage bezüglich seiner möglichen Aufgabe des Postens als Nationaltrainer durch.“

          Zunächst wurde der Deutsche gefragt, ob er an die „einvernehmliche Auflösung“ seines Vertrages denke. Daum schaute einige Sekunden ausdruckslos und wusste nicht so recht, was er sagen soll. Dann lachte er und schüttelt den Kopf. „Das steht nicht zur Debatte. Ich weiß nicht, was Sie da konstruieren wollen. Es ist immer dasselbe. Ich höre nun seit Monaten, dass ich zurücktreten soll“, sagte Daum mit lauter Stimme auf Englisch und ihm war wohl immer noch nicht so recht klar, wie er auf die Frage antworten soll.

          Doch dann hatte er sich gefangen, und es ging emotional weiter: „Sagen Sie mir einen Grund nach dem, was wir erreicht haben, und was wir vorhaben in der Zukunft, warum ich jetzt aufhören soll. Nur wegen der Resultate?“ Dann wandte sich der Trainer direkt an den Fragesteller: „Wenn ich von Ihnen als Journalist überzeugt bin, werde ich Sie niemals entlassen. Aber ich muss überzeugt sein. Das ist das Wichtigste.“

          Daraufhin fragte der Journalist: „Was haben Sie denn erreicht?“ Und Daum wurde immer wilder: „Wenn Sie Zeit hätten, wenn Sie wirklich offen wären, würde ich mich mit Ihnen hinsetzen und ein, zwei, drei Stunden über Fußball reden. Aber wenn ich mit Ihnen rede, nehmen Sie nicht ein Prozent davon. Sie verdrehen es ins Gegenteil und schaffen Lügen. Selbst wenn ich Ihnen die Fakten erkläre, sind Sie nicht interessiert.“ Zudem lobte er Verbandschef Burleanu. „Davon schreiben Sie nichts.“

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Und weiter: „Sie fragen mich immer wieder nur nach meinem Rücktritt. Dann kommt die Frage, ob ich in meinem Vertrag die Möglichkeit habe, mich im Voraus zu bezahlen, wenn ich gefeuert werde.“ Nun schrie Daum: „Alles verrückte Lügen! Nichts ist bewiesen!“ Und Daum wurde auch noch persönlich: „Sie zeigen Ihr wahres Gesicht. Für mich sind sie manchmal kein Rumäne. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin rumänischer als sie. Das ist meine Meinung. Ich identifiziere mich mehr mit diesem Land und den Menschen als Sie. Sie helfen nicht, Sie sind nur auf dem zerstörerischen Weg.“ Nach rund zwei Minuten Wut-Rede lehnt er sich zurück – und hatte mächtig Dampf abgelassen. Ob er eine Zukunft als rumänischer Trainer hat, ist aber ungewisser denn je. „Ich hatte das Gefühl, das musste mal raus“, sagte er nun der „Welt“. „Geschichten in Zeitungen, die klar tendenziös und auch diffamierend sind. Das geht so nicht. Das ist respektlos“, fügte er hinzu.

          Im Anschluss an das Spiel habe Daum seinen Ausraster in privater Runde bedauert, will die Tageszeitung „Gazeta Sporturilor“ erfahren haben. Der frühere Nationalspieler Cornel Dinu indes kritisierte Daum scharf. „Niemand hat jemals in diesem Maße den Atem und den patriotischen Geist der rumänischen Nation beleidigt. Daum muss dafür eine gerechte Strafe bekommen, damit die Spur der Ohrfeige verblasst, die er der rumänischen Wange versetzt hat“, sagte Dinu.

          Weitere Themen

          Harmonie in der Kampfzone

          DFB und DFL : Harmonie in der Kampfzone

          Der designierte DFB-Präsident Fritz Keller erfährt überwältigende Zustimmung von den Profis und den Amateuren. Aber die Kleinen im Profifußball setzen den Großen zu.

          Topmeldungen

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Gegen die Ruppigkeit, mit der Lawrow auf Vorhaltungen reagiert, setzt Maas eine bestimmte Hartnäckigkeit.

          Maas in Moskau : Sparringspartner auf Augenhöhe

          Bei seinem Russland-Besuch trifft ein selbstbewussterer Außenminister Heiko Maas auf Sergej Lawrow. Der Ton zwischen beiden ist ernsthafter geworden – nicht nur beim Geplänkel über die Meinungs- und Pressefreiheit.
          Erfolgreichste Ära in der Nazi-Zeit: Schalke wird 1934, 1935, 1937, 1939 (das Bild zeigt das damalige Team), 1940 und 1942 deutscher Meister.

          Schalkes Nachkriegspräsident : Ein Fremder im eigenen Verein

          Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde der Jude Fritz Levisohn ausgeschlossen, verfolgt, verhaftet, misshandelt – und nach der Heimkehr erster Präsident von Schalke 04 nach dem Krieg. Ihm folgte ein Nazi der ersten Stunde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.