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Rücktritt von Grindel : Miese Tour beim DFB

  • -Aktualisiert am

Der DFB zwingt seinen Präsidenten Reinhard Grindel zum Rücktritt. Bild: EPA

Die Heckenschützen im eigenen Lager haben DFB-Präsident Grindel hinterrücks abgeschossen mit der Lancierung kompromittierender Details. Es ist schwer zu glauben, dass das die Basis sein kann für ein ehrenhaftes Comeback des DFB.

          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zwingt seinen Präsidenten Reinhard Grindel zum Rücktritt. Dieser Akt soll als gute Nachricht taugen und als Beweis für die Selbstreinigungskraft des Sports. Grindel wird neben seiner Meinungsflexibilität, etwa in der Affäre um den früheren Nationalspieler Özil, mittlerweise eine Fülle verwerflicher, aber kaum justiziabler Handlungen vorgeworfen: hier eine angeblich verdeckte zusätzliche Zahlung des DFB für die Arbeit als ehrenamtlicher Spitzenfunktionär; oder dort eine 6000 Euro teure Uhr als Geschenk eines Oligarchen-Freundes im internationalen Fußball. Das soll also zu viel gewesen sein in einer Branche, die im Profibetrieb tagtäglich ungeniert mit Millionen-Beträgen in zweistelliger Höhe für junge Erwachsene jongliert – und davon blendend lebt.

          Die Herren in der deutschen Fußball-Führung als Moralisten? Das wäre etwas Neues. Vermutlich haben sie nur früher als der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Fernsehjournalist erkannt, was selbst die simpelste Uhr vor Jahren geschlagen hat. Schon der Anschein einer Raff-Mentalität reicht aus, um die Glaubwürdigkeit zu verlieren, also die Basis für das große Geschäft. Der DFB arbeitet seit dem WM-Sieg 2014 mit erstaunlicher Kontinuität an seiner Demontage.

          Grindel hatte sich nach seiner Wahl 2016 als der Aufräumer, der Erneuerer, als der ehrenamtliche Chef eines offenen, transparenten Verbandes gebärdet. Dass der DFB zuletzt nicht mehr auf Fragen von Journalisten zur vermuteten Haltungsschwäche Grindels antwortete, bestätigt eine Beobachtung: Dem feierlich vorgetragenen Programm fehlte die überzeugende Verwirklichung zumindest an der Spitze, dort, wo es auffällt, wo die Menschen das Amt nicht nur dem Namen nach mit Ehre verknüpfen.

          Allein mit der Trennung von Grindel gewinnt der größte Fußball-Verband der Welt nicht automatisch neues Vertrauen. Dazu müsste auch den Heckenschützen die Tür gewiesen werden. Sie haben den 57 Jahre alten Juristen im eigenen Lager hinterrücks abgeschossen mit der gezielten Lancierung kompromittierender Details. Es ist schwer zu glauben, dass diese miese Tour die Basis sein kann für ein ehrenhaftes Comeback des DFB.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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