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Rückschlag für Paris : Neymar macht Tuchel das Leben schwer

  • -Aktualisiert am

Thomas Tuchel mag manchmal gar nicht mehr hinsehen. Bild: Imago

Paris ist schon seit einiger Zeit nicht mehr das Fußball-Paradies für den deutschen Trainer. Seine Reputation in der Öffentlichkeit und die Autorität innerhalb des Klubs sind beeinträchtigt. Und dann ist da ja noch Neymar.

          Paris ist schon seit Februar nicht mehr das Fußball-Paradies für Thomas Tuchel. Seit dem grotesk unglücklichen Scheitern seiner Mannschaft im Achtelfinale der Champions League gegen Manchester United hat der deutsche Fußballtrainer mit denselben Problemen zu kämpfen, die früher oder später auch seine Vorgänger Carlo Ancelotti, Laurent Blanc und Unai Emery ereilten und die zu deren Entlassung führten. Im Kern handelt es sich um eine Vertrauensfrage. Halten die qatarischen Investoren von Paris St-Germain und die mit ihrem Geld verpflichteten Fußball-Megastars den Trainer für fähig, das Beste aus ihrer Mannschaft herauszuholen?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Bis zu jener unglückseligen 1:3-Heimniederlage gegen Manchester, die dem Spielverlauf Hohn sprach, aber nichtsdestotrotz die Königsklassen-Ambitionen von PSG beendete, hatte Tuchel die Klubführung, die Spieler und die Fans von sich überzeugt. Durch seine taktische Kompetenz, seine Teamführung, seine Außendarstellung und durch die Ergebnisse. Das Desaster gegen Manchester, bei dem in Paris der 2:0-Auswärtssieg aus dem Hinspiel in Manchester vergeben wurde, hat Tuchels Reputation in der Öffentlichkeit und Autorität innerhalb von PSG beeinträchtigt.

          Die Mannschaft wurde zwar überlegen Meister, aber die Saison trudelte mit einigen Niederlagen aus, darunter die im Pokalfinale gegen Stade Rennes. Die Qatari verlängerten im Mai Tuchels Vertrag um ein Jahr bis Mitte 2021, aber sie verpflichteten auch zusätzlich einen Sportdirektor, den ehemaligen brasilianischen Nationalspieler Leonardo. Was einige als Misstrauensbeweis gegenüber dem Trainer deuteten.

          Dass seine Mannschaft am Sonntagabend im zweiten Ligaspiel gegen Stade Rennes schon wieder verlor und die erste Saisonniederlage hinnehmen musste, macht Tuchels Situation nicht angenehmer. Sein Arbeitsplatz ist zwar noch lange nicht in Gefahr. Aber die Leistung des Pariser Millionen-Ensembles in der Bretagne offenbarte die Schwierigkeiten des deutschen Trainers, seine Profis auf das Wesentliche zu fokussieren. „Wir haben das Umschalten vermissen lassen, das Timing fehlte. Im Abschluss waren wir nicht entschlossen genug“, monierte Tuchel moderat und sachlich. Ihm sei klar gewesen, dass es gegen die Kämpfer aus Rennes wie in den Duellen zuvor sehr schwer werden würde.

          Dabei hatte Stade den Parisern sein Tor freiwillig geöffnet. Ein sinnfreier Querpass von Da Silva durch den eigenen Strafraum ermöglichte Cavani in der 36. Minute das 1:0. Zuvor hatte der Uruguayer mit einem Kopfball schon den Pfosten getroffen. Doch die Führung gab PSG keine Sicherheit, Niang und Del Castillo drehten die Partie mit ihren Treffern kurz vor und nach der Pause. Rennes kam bei einem Pfostenschuss dem dritten Tor näher als Paris dem Ausgleich. PSG fiel durch Fouls auf, nicht durch spielerische Klasse. Star-Stürmer Mbappé hatte nur in der ersten Halbzeit eine starke Szene, als er nach einem Solo das Außennetz traf.

          Neymar stand wie schon beim 3:0 im Auftaktspiel gegen Nîmes nicht im Kader. Der Brasilianer habe nach seiner Knöchelverletzung noch einen Trainingsrückstand, erklärte Tuchel. Der für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona verpflichtete Brasilianer macht Tuchels Berufsleben zwischen fordernden qatarischen Fußball-Bossen und in der französischen Meisterschaft gelangweilten hochbezahlten Profis noch schwieriger, als es derzeit ohnehin schon ist. Mit seinen Skandalen, Affären, Mätzchen und Capricen schafft Neymar eine Unruhe im Klub, die die Konzentration der Spieler auf das Sportliche zusätzlich beeinträchtigt sowie für Eifersüchteleien untereinander und Stargehabe sorgt.

          Ständig wird Tuchel danach gefragt, ob Neymar PSG treu bleibe und wie er zu ihm stehe. Der 45 Jahre alte Fußball-Lehrer äußert sich diplomatisch. „Ich kann verstehen, dass nicht jeder mag, was er tut. Aber er gehört aktuell zu meiner Mannschaft, und ich werde immer meine Spieler beschützen.“ Neymar habe noch einen drei Jahre gültigen Vertrag, der Verein habe nicht vor, ihn abzugeben. PSG sei mit Neymar stärker als ohne: „Aber er muss einen guten Spirit mitbringen, aggressiv sein, Laufbereitschaft zeigen. Wir vermissen ihn auf dem Platz, weil er Lösungen findet, die nur er finden kann.“ Im Moment verstärkt Neymar eher die Probleme von Tuchel und PSG.

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