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Ronaldo, Messi oder Neuer? : Der Tanz um den Gold-Ball

Neuer kann nicht nur mit dem WM-Titel wuchern Bild: dpa

Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Manuel Neuer – wer wird Weltfußballer des Jahres? Der Torwart trug maßgeblich zum deutschen WM-Titel bei. Doch bei der Wahl geht es nicht nur um Leistungen.

          Was erwartet die Welt von einem Weltfußballer? Nicht Tore oder Paraden allein, auch Emotionen. Am besten so öffentlich wie möglich. Natürlich ist es paradox, was der Fan heute von seinem Star verlangt. Ein Fußballer muss vor allem eins: gut spielen. Nur nicht seine Gefühle. Die sollen bitte schön echt sein, nicht gut gespielt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Bei Cristiano Ronaldo, dem aktuellen Weltfußballer, der auch am Montag in Zürich wieder als Favorit gilt, stimmt die Show. Auch wenn er, anders als Manuel Neuer und Lionel Messi, die beiden anderen in der Endausscheidung, oft an der Grenze zum Übertreiben steht. Niemand wird jedoch behaupten können, dass Ronaldo nur gespielt hätte, als er vor einem Jahr die Auszeichnung erhielt. Da stockte ihm die Stimme, er brachte nur ein paar tränenerstickte Dankesworte hervor. Wäre das gespielt gewesen, Ronaldo hätte sich gleich eine weitere Gala-Einladung zwei Monate später verdient - zur Oscar-Verleihung in Los Angeles.

          Wie der „Oscar“ ist auch der „Ballon d’Or“ nicht nur Trophäe, sondern auch Vermarktungsvehikel. Es geht bei ihm nicht nur um Leistungen, sondern auch um Marktchancen. „Der Ballon d’Or hat fünfzig Jahre lang Resultate berücksichtigt“, sagte Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union, vor einem Jahr zur Wahl der Juroren aus 209 Ländern, die sich nicht für seinen französischen Landsmann Franck Ribéry, sondern für Ronaldo entschieden hatten. „Seit der Ballon d’Or zur Fifa gewechselt ist, hat sich etwas verändert. Heute zählt der weltweite Wert eines Spielers.“

          Ronaldo zeigt ihm nun die kalte Schulter. Nachdem Platini vor kurzem sagte, der weltbeste Fußballer solle aus der weltbesten Mannschaft kommen, woraus leicht zu schließen war, dass er den Weltmeistertorwart Neuer bevorzugt, ignorierte ihn Ronaldo bei der Siegerehrung der Klub-WM in Marokko.

          Welche ist die beste Mannschaft 2014?

          Sollte man in einem Mannschaftssport überhaupt individuelle Auszeichnungen vergeben? Und wenn: Wählt man den besten Individualisten von allen oder den besten Spieler der besten Mannschaft? Und was ist die beste Mannschaft: das beste Klubteam oder Nationalteam? Also 2014: Champions-League-Sieger Real Madrid oder Weltmeister Deutschland?

          Auf diese Fragen gibt es keine alleingültige Antwort. Besonders in Frankreich, der Heimat des „Ballon d’Or“, der seit 1956 den Jahresbesten Europas ehrte, ehe er von der Fifa 2010 mit deren Weltfußballer-Wahl verschmolzen wurde, zeigte sich deshalb zuletzt wachsende Ablehnung gegen solche Wahlen.

          Arsène Wenger, der französische Trainer des FC Arsenal, beklagt seit langem, dass Spieler aus der englischen Premier League und der Bundesliga kaum eine Chance hätten, Weltfußballer zu werden. Bei bisher 23 Wahlen seit 1991 gab es 14 Sieger aus der spanischen Primera Division und acht aus der italienischen Serie A. Die einzige Ausnahme, Ronaldo 2009, spielte da noch für Manchester United, war aber schon auf dem Sprung nach Madrid.

          Der Ballon d’Or ist das Objekt der Begierde für Ronaldo, Neuer und Messi Bilderstrecke

          „Ich würde den Ballon d’Or überhaupt nicht vergeben“, sagte Wenger Ende 2013. Individuelle Auszeichnungen seien „eine lächerliche Obsession der Spieler. Eine reine Selbstvermarktung, die gegen die Prinzipien unseres Sports geht.“ Durch sie werde „ein Spieler unterbewusst dahin gebracht, sein eigenes Spiel über das der Mannschaft zu stellen“. Auch das Sportblatt „L’Équipe“ beklagte nach Ronaldos Erfolg vor einem Jahr: „Der moderne Fußball treibt einen Personenkult mit dominanten Spielern, der an die amerikanischen Basketballstars erinnert.“

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