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Ronaldinho : Mit 33 hat man noch Träume

  • -Aktualisiert am

Sieger der Copa Libertadores mit Atletico Mineiro: Ronaldinho Bild: dapd

Im gehobenen Fußball-Alter hofft Ronaldinho noch auf eine weitere WM-Teilnahme. Bei der Klub-WM will er sich mit Atletico Mineiro in den Vordergrund spielen - wenn es normal läuft im Finale gegen die Bayern.

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          Im zarten Fußballalter von 33 Jahren wird sich Ronaldo de Assis Moreira noch einmal um einen Karrierehöhepunkt bewerben. Mit allem, was er zu bieten hat. Ronaldinho Gaúcho, wie sie ihn in Brasilien rufen, hat seinen großen Traum von der WM im eigenen Land noch nicht aufgegeben. Knapp sechs Monate bleiben dem Weltfußballer von 2004 und 2005 noch, um Trainer Luiz Felipe Scolari zu überzeugen, dass die Seleção mit ihm noch ein bisschen stärker ist.

          Bei der Klub-Weltmeisterschaft in Marokko geht es deswegen für Ronaldinho nicht nur darum, den Titel zu gewinnen. Er will den Kampf gegen das Alter, die Zweifler und die deutlich jüngere Konkurrenz bestehen und noch einmal auf die ganz große Bühne zurückkehren. Mit Scolari gewann Ronaldinho 2002 den WM-Titel in Japan und Südkorea, damals ging sein Stern auf. Die beiden haben immer noch ein gutes Verhältnis, dennoch vermeidet es der brasilianische Nationaltrainer, sich öffentlich festzulegen: „Die Tür zur Nationalmannschaft ist für alle guten Spieler immer offen.“

          Ronaldinho gab zuletzt in der Seleção ein eher glückloses Comeback, doch Scolari schätzt die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Ballzauberers. Aber er hat auch deutlich jüngere, hungrigere und schnellere Alternativen.

          Ronaldinho trägt mittlerweile das Trikot von Atlético Mineiro. Mit dem Klub aus Belo Horizonte gewann der Spielmacher vor ein paar Monaten erstmals in der Vereinsgeschichte die Copa Libertadores, die südamerikanische Variante der Champions League. Das brasilianische Fernsehen konnte sich damals gar nicht satt sehen am Triumph des Klubs aus der Bergarbeiterregion. Mehr als eine Stunde bombardierte der übertragende Sender seine Zuschauer mit der erschreckend unmusikalischen Klub-Hymne - ohne Unterbrechung und immer wieder von vorn. Ein gewaltiges Feuerwerk in der Stadt begleitete die Jubelfeiern.

          Seine größte Zeit: im Trikot des FC Barcelona
          Seine größte Zeit: im Trikot des FC Barcelona : Bild: REUTERS

          Ronaldinho wusste in diesem Moment, was die Fotografen von ihm verlangten: Er posierte alleine mit der Trophäe. Wenig später sagte er den Journalisten: „Ihr habt gesehen, warum ich hierhin gekommen bin. Um Titel zu gewinnen und um hart zu arbeiten.“ Es war seine Botschaft gegen das Vergessen werden: Seht her, ich bin noch da und auch noch zu etwas zu gebrauchen.

          Rollen als Joker und Stimmungskanone

          Die Menschen in der Heimatregion von Atlético Mineiro, dem Bundesstaat Minas Gerais, gelten als pünktlich, diszipliniert und zuverlässig. Keine schlechte Adresse also für den Lebemann Ronaldinho, der zuletzt vor allem wegen seiner Partys abseits des grünen Rasens für Furore sorgte. Im letzten Spiel der brasilianischen Meisterschaft vor der Abreise nach Marokko meldete sich Ronaldinho am Wochenende noch einmal standesgemäß zurück. Nach einer wochenlangen Verletzungspause gelangen ihm zwei Treffer. Einer davon per sehenswertem Freistoß.

          Genau das könnte die Rolle sein, die Scolari für ihn während der WM bereithalten könnte. Ronaldinho als Joker, als einer, der mit einem genialen Freistoß ein Spiel noch einmal drehen, eine Betonabwehr knacken kann. Aber keiner mehr, der 90 Minuten Hochgeschwindigkeitsfußball durchsteht: das Tempo, das die deutlich jüngeren Neymar, Lucas, Bernado oder Oscar vorgeben. Scolari schätzt auch die Eigenschaften Ronaldinhos als Stimmungskanone. Der Dauerlächler ist trotz seiner Weltkarriere im direkten Umgang unkompliziert, sympathisch und stets für einen Spaß zu haben.

          Ein oft und gern karikierter Fußballstar: Ronaldinho (l.), neben Ze Roberto und Ronaldo
          Ein oft und gern karikierter Fußballstar: Ronaldinho (l.), neben Ze Roberto und Ronaldo : Bild: AP

          Ronaldinho stammt aus einer Zeit, in der die Jungprofis ihre Karriere nicht wie Businesspläne umsetzten, sondern auch die Freuden des Lebens in vollen Zügen genossen. Brasiliens Sporttageszeitung „Lance“ widmet dem Mann mit dem markanten Gesicht fast wöchentlich eine Karikatur, kaum ein Spieler lässt sich so gerne mit dem Bleistift durch den Kakao ziehen und kann auch noch selbst darüber lachen. Die Fans lieben ihn und seine Mannschaft: 5000 Menschen waren am Tag der Abreise nach Marokko zum Flughafen gekommen.

          Nun wirkt er fokussiert. Es soll seine Woche werden in Marokko. Es ist seine letzte Chance, noch einmal internationale Aufmerksamkeit zu generieren, denn im ersten Halbjahr des kommenden Jahres steht in Brasilien „nur“ die Regionalmeisterschaft auf dem Programm. Erst muss er im Halbfinale an diesem Mittwoch (20.30 Uhr) Raja Casablanca ausschalten, dann soll das große Finale am Samstag (20.30 Uhr / ARD) gegen Bayern München folgen. Dann wird nicht nur ganz Brasilien, sondern auch ein Großteil der ganzen Welt zuschauen.

          Für Ronaldinho ist es eine Reise zurück in seine besten Jahre, als er und nicht Ronaldo, Messi oder Ribéry die Fußballwelt beherrschten. Der Mann aus Porto Alegre sitzt in einer gnadenlosen Zeitmaschine, die ihn jederzeit zum Aussteigen zwingen kann, weil Jüngere seinen Platz beanspruchen. Aber in Marokko will Ronaldinho die Zeit zurückdrehen. Zumindest für diese Woche und für die sieben Monate, wenn in Marokko der beste Klub der Welt und im Juni/Juli 2014 in Brasilien die beste Fußball-Nation der Welt gesucht wird. Es soll noch nicht vorbei sein.

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