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Borussia Dortmund : Wie Weidenfeller mit der Degradierung umgeht

  • -Aktualisiert am

Zweiter Sieger: Roman Weidenfeller hat seinen Stammplatz bei Borussia Dortmund verloren. Bild: Picture-Alliance

Nach langem Casting entscheidet sich der neue Dortmund-Trainer Thomas Tuchel für Roman Bürki als neuen ersten Torwart. Roman Weidenfeller bekommt Trost – nicht nur in Form von Einsätzen in der Europa League.

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          Er wolle „die Zeit im Profifußball so lange wie möglich genießen“, hat Roman Weidenfeller einmal gesagt. Im Alter von 35 Jahren arbeitet er noch immer für einen der ambitioniertesten Fußballklubs in Deutschland. Doch der Genuss dürfte weniger werden. Weidenfeller ist bei Borussia Dortmund nur noch die Nummer zwei zwischen den Pfosten. Der neue Cheftrainer Thomas Tuchel hat sich nach einem langen Casting für Roman Bürki als Stammtorwart entschieden, für den mehr als zehn Jahre jüngeren, fußballtechnisch versierteren Torhüter, der vom SC Freiburg abgeworben wurde.

          Damit war zu rechnen, man konnte das auch noch einmal der Lobeshymne entnehmen, die Tuchel anstimmte, als er bei der Verkündung seines Urteils Weidenfellers Haltung in der Vorbereitung lobte. „Er hat hier sechs außergewöhnliche Wochen hingelegt, die ich so nicht erwartet habe.“ Der langjährige Platzhirsch habe sich „nicht ausgeruht auf seinen Lorbeeren, auf der Erfahrung, die er in vielen, vielen Jahren hier gesammelt hat, auf einem Weltmeistertitel oder seinem Status“.

          Dennoch waren viele gespannt, wie Weidenfeller darauf reagieren würde, in seiner vierzehnten Saison als Profi des BVB nicht mehr die erste Kraft zwischen den Pfosten zu sein; ob er frustriert, verdrossen oder gar verärgert sein und das auch zum Ausdruck bringen würde.

          Der neu verpflichtete Roman Bürki (rechts) ist die neue Nummer 1 beim BVB.

          Nichts davon ist zu erkennen. Wie in einem politischen Communiqué sprechen beide Seiten davon, die Lage in „einem offenen Gespräch“ in guter Atmosphäre erörtert zu haben. Weidenfeller kündigte an, er werde das Urteil „so annehmen“ und sich „weiter unterstützend in die Mannschaft einbringen“.

          Im Gegenzug hat Tuchel ihm in Aussicht gestellt, außerhalb der Bundesliga zum Zuge zu kommen, so etwa in den Play-offs zur Europa League gegen Odds BK. Weidenfeller wird nicht nur an diesem Donnerstag (20.30 Uhr / Live in der ARD und im Europa-League-Ticker bei FAZ.NET) in Norwegen im Tor stehen, sondern auch eine Woche später im Rückspiel.

          Trainer Thomas Tuchel attestiert Weidenfeller einen „außergewöhnlichen Sportsgeist“.

          Mit diesem und möglicherweise weiteren Einsätzen will Tuchel „den außergewöhnlichen Sportsgeist“ würdigen, den Weidenfeller im Zweikampf mit Bürki gezeigt habe. Wie genau die Rolle des ehemaligen Stammtorhüters zu interpretieren ist, lässt der Trainer allerdings offen. Lange war eine verbindliche Aufgabenteilung zwischen zwei Torhütern diskutiert worden, wie es sie zuletzt beim FC Barcelona gab. Eine solche Lösung scheint Tuchel nicht vorzuschweben. Es sei nicht seine Art, „eine schlechte Nachricht sofort mit einem Versprechen zu garnieren“, sagt er.

          Wichtiger als irgendwelche Versprechen oder Einsatzgarantien könnte für Weidenfeller etwas anderes sein: Tuchel hat es vermieden, sein Urteil mit Tiefgang zu begründen, wie es sonst bei jeder Kleinigkeit seine Art ist. Es handele sich um „eine Entscheidung, die sich fachlich nicht bis ins letzte Detail erklären lässt“, sagt er, „vielleicht ist es auch ein bisschen Gefühlssache“. Das von einem Fußball-Lehrer zu hören, der alles regeln und belegen will, mag Weidenfeller, neben seinem üppigen Gehalt, der größte Trost sein.

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