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DFB-Pokalsieg der Bayern : Lewandowski und seine ganz besondere Show

  • Aktualisiert am

Nach dem 3:0 flog bei Robert Lewandowski das Trikot weg. Bild: Reuters

Er trifft nicht in entscheidenden Spielen? In den Finals um den DFB-Pokal beweist Robert Lewandowski das Gegenteil. Beim 3:0-Sieg über Leipzig ragt der Stürmer heraus – und stellt mit einem Weltklasse-Tor einen Rekord auf.

          Nachdem er die deutschen Stürmer-Legenden Gerd Müller und Uwe Seeler mit seinem zweiten „Weltklasse“-Tor endgültig zu Statisten degradiert hatte, gab sich Robert Lewandowski der Ekstase hin. Der polnische Angreifer von Double-Sieger Bayern München riss sich das Trikot über den Kopf und entblößte seinen gestählten Oberkörper – und es fehlte nicht viel, da hätte er sich auch noch seiner Hose entledigt. Das Bild des halbnackten Matchwinners mit der Hand am heruntergezogenen Hosenbund ging nach dem Münchner Triumph im Pokalfinale gegen RB Leipzig (3:0) viral.

          DFB-Pokal
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          „Unser Freund Robert hat zwei Tore geschossen, die waren top“, würdigte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Lewandowskis historischen Doppelpack bei der nächtlichen Bankettrede mit dem „Prädikat weltklasse“. Bei seiner fünften Endspielteilnahme waren es für den 30-Jährigen die Finaltreffer Nummer fünf und sechs – eine Bestmarke, mit der er „Bomber“ Müller (vier in vier) und „Uns Uwe“ (vier in drei) übertraf.

          Dass es nach seinem Dreierpack für Borussia Dortmund gegen die Bayern (5:2) beim legendären Finale 2012 und dem Treffer im vergangenen Jahr bei der Pleite gegen Eintracht Frankfurt (1:3) diesmal zwei Tore waren, schrieb Lewandowski seiner Familie zu. „Das geht an meine Frau und meine Tochter“, sagte er sichtlich glücklich über Anna (30) und die kleine Klara (2). Bei der Doublefeier am Sonntagnachmittag zeigte sich „Lewa“ mit dicker Sonnenbrille („Die Sonne ist sehr stark“) etwas verkatert, aber überglücklich „Das war ein sehr geiles Spiel. Was wir die letzten zwei Wochen gemacht haben, ist Wahnsinn“, sagte er.

          Der Bundesliga-Torschützenkönig sammelte vor allem mit der Art und Weise, wie er traf, Argumente gegen die Kritiker, die ihm in Topspielen herausragende Leistungen absprechen. Das 1:0 per Kopf in Rücklage (29.) war eine Augenweide, das 3:0 per Lupfer nach bärenstarker Zweikampfführung gegen Dayot Upamecano (85.) kaum weniger schön. Und es machte Lewandowski zum vierten Mal zum Pokal-Schützenkönig (2012, 2017-19) – das hat vor ihm nur die 2016 verstorbene Kölner Legende Hannes Löhr geschafft (1968, 1970, 1972, 1973).

          „Wir dürfen nicht vergessen: Lewandowski ist einer der besten – und mit Verlaub: teuersten – Spieler in Europa“, sagte RB-Trainer Ralf Rangnick konsterniert. Sein Topstürmer Timo Werner, der als möglicher Lewandowski-Backup bei Bayern gehandelt wird, zeigte sich deutlich weniger durchsetzungsstark. In der „ewigen“ Torschützenliste des Pokals schob sich Lewandowski mit jetzt 33 Treffern als bester noch aktiver Profi auf Rang vier vor. Löhr (34) und Dieter Müller (35) auf den Plätzen drei und zwei dürfte er in der kommenden Saison kassieren. Einer bleibt zumindest in dieser Statistik aber wohl selbst für „Lewangoalski“ unerreicht: Der ewige Bayern-“Bomber“ Müller hat bei 62 Einsätzen unfassbare 78 Tore erzielt.

          9,96 Millionen Fußballfans verfolgten am Samstagabend die Live-Übertragung der Gala des Polen aus Berlin in der ARD. Der Marktanteil betrug 35,1 Prozent. Damit bewegte sich das 2019er-Finale in ähnlichen Dimensionen wie das Endspiel 2018 zwischen Eintracht Frankfurt und den Bayern, das 10,0 Millionen (MA: 36,0 Prozent) im Ersten gesehen hatten. Beim Sportschau-Studio ab 19.04 Uhr schauten 5,03 Millionen (MA: 21,5) zu. Den Sportschau-Club ab 22.53 Uhr verfolgten immerhin noch 1,51 Millionen (MA: 15,1). Die 3. Konferenz am Finaltag der Amateure ab 16.16 Uhr erlebten 1,64 Millionen (MA: 13,7) mit.

          Nach dem DFB-Pokalsieg der Bayern wird die neue Bundesliga-Saison im Supercup mit dem Klassiker zwischen dem Bundesliga-Zweiten Borussia Dortmund, Lewandowskis alter Mannschaft, und dem Double-Gewinner eröffnet. Der erste Titel wird am 3. oder 4. August in Dortmund ausgespielt. Es ist das siebte Duell zwischen den beiden besten deutschen Mannschaften der vergangenen Jahre in dem 1987 erstmals ausgetragenen Wettbewerb. Bislang entschieden beide Mannschaften die Begegnung je dreimal für sich. Dortmund holte den Supercup insgesamt fünfmal, die Bayern sind mit sieben Titeln Rekordsieger.

          BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bekommt damit sein Traumspiel. „Ich will mich gar nicht drum rumdrücken. Ich gönne es den Bayern. Das hat einfach einen ganz praktischen Grund: Dann spielen wir gegen die Bayern im Supercup und da hätte ich wieder Bock drauf“, hatte er vor dem Pokalfinale gesagt. Nach dem Supercup geht es mit der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal weiter (9. bis 12. August). Der Bundesliga-Auftakt steigt am 16. August mit einem Heimspiel von Meister FC Bayern.

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