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Robert Huth und Co. : Rasant aufgestiegen - und schnell ausgemustert

  • -Aktualisiert am

Bei Robert Huth spielte der Körper nicht mit Bild: picture-alliance/ dpa

Was macht eigentlich Robert Huth? Oder Patrick Owomoyela? Oder Moritz Volz? Für manche Aufsteiger aus der Ära Klinsmann währte das Fußballglück als Nationalspieler unter Nachfolger Löw nur kurz.

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          In der Innenverteidigung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben einmal Frank Fahrenhorst und Robert Huth gestanden. Zu Beginn der Generation Klinsmann vor gut drei Jahren mussten sich der schon 27 Jahre alte Spätberufene von Werder Bremen und der erst 20 Jahre alte Reservist des FC Chelsea beim Länderspiel gegen Brasilien in Berlin gegen die Stars Ronaldo und Adriano wehren.

          Junger Held des Achtungserfolges von 1:1 war Huth - ein Fußballprofi mit der Statur eines Schwergewichtsboxers von 1,91 Metern und 88 Kilogramm. Der Hüne zeigte keinen Respekt vor den brasilianischen Größen. "Das war eine Demonstration von Selbstbewusstsein, einfach klasse", sagte Jürgen Klinsmann schwärmerisch. Zwölf meist junge Neulinge hatte der Jugendreformer in den zwei Jahren seiner Amtszeit ins Nationalteam geholt.

          Auf der Strecke geblieben

          Bei Joachim Löw wurden sogar 14 Bundesligaprofis innerhalb von 13 Monaten Länderspieldebütanten. Als der Bundestrainer und Manager Oliver Bierhoff Anfang Oktober 36 Kandidaten zur Einstimmung auf die EM 2008 nach Berlin einluden, fehlten sieben Debütanten der Ära Klinsmann und zwei der Amtszeit Löws. Wo sind sie geblieben, Fahrenhorst, Huth, Owomoyela, Engelhardt, Schulz, Sinkiewicz, Görlitz sowie Fathi und Madlung? "Einige, deren Weg vor drei Jahren begann, bleiben tatsächlich auf der Strecke", räumt Löw ein.

          Bei Robert Huth spielte der Körper nicht mit Bilderstrecke

          Für Fahrenhorst hatte sich das Thema Nationalmannschaft nach zwei Berufungen schnell erledigt, schließlich zählte er nicht zu den Jungspunden. Beim Spiel Werder gegen Bayern (1:2) hatte ihm Michael Ballack nach sieben Minuten mit dem Ellenbogen das Nasenbein gebrochen. Fahrenhorst musste die anstehende Iran-Reise absagen. Debütant Per Mertesacker vertrat ihn in Teheran und hat sich seitdem zum Stammspieler entwickelt. Das war's für Fahrenhorst.

          „Huuuuuuth“

          Huth aber behauptete sich im Kader, trotz der Rückkehr Christoph Metzelders und trotz des Bankdrückens bei José Mourinho. "Huuuuuuth", hallte es durch die deutschen Stadien während des Confederation Cup 2005, wann immer der Spieler mit dem kantigen Gesicht und dem breiten Kreuz den Ball berührte. Der langgezogene Publikums-Chor war zum Synonym für die moralische Unterstützung für Klinsmanns junge Garde geworden.

          Huth schaffte es bis zur Weltmeisterschaft 2006 - und sollte deren Opfer werden. Beim WM-Vorbereitungsspiel in Genf gegen Luxemburg (7:0) erlitt er durch einen Fehltritt eine "leichte Schädigung der Kapsel des rechten Sprunggelenks", so die ärztliche Diagnose. Gegen Ekuador im letzten Gruppenspiel (3:0) kam Huth zum ersten WM- und letzten Länderspieleinsatz. Beim Aufwärmen für das Spiel um den dritten Platz gegen Portugal (3:1) brach die Verletzung wieder auf - somit gab es kein 18. Länderspiel für ihn.

          In der Reserve

          Um in der Premier League endlich regelmäßig zu spielen, wechselte Huth für eine Ablösesumme von rund neun Millionen Euro zum FC Middelsbrough. Durch die einseitige Belastung des rechten erlitt der linke Fuß einen Ermüdungsbruch. Auf zwölf Spiele brachte er es bisher bei seinem neuen Klub. Auf die Frage, was macht eigentlich Huth, antwortete Löw in einem Gespräch mit dieser Zeitung vor fünf Wochen: "Er spielt im Moment nicht. Er ist verletzt. Aber ich habe seit mehreren Monaten keinen Kontakt zu ihm."

          Auf die gleiche Frage antwortete Huths Kölner Berater Manfred Schulte: "Robert würde wahnsinnig gern wieder in der Nationalmannschaft spielen und ärgert sich, dass er immer noch unter den Nachwirkungen der Verletzung von der Weltmeisterschaft zu leiden hat. Er hofft, wenn er mal wieder zehn, fünfzehn Spiele für Middlesbrough gemacht hat, wieder ins Blickfeld des Bundestrainers zu rücken."

          Im Spiel der Reserve gegen Manchester United kehrte Huth, inzwischen 23 Jahre alt, für sechzig Minuten in der vergangenen Woche zurück und saß dann beim Spiel am vergangenen Samstag in Bolton gegen die Wanderers (0:0) erstmals wieder auf der Bank. "Robert ist jetzt guter Dinge, dass er seine Pechsträhne endlich überwunden hat", sagt Schulte.

          „Es liegt also nur an mir“

          Kreuzbandrisse haben die internationale Laufbahn etwa von Marco Engelhardt (drei Länderspiele), Andreas Görlitz (zwei) und Lukas Sinkiewicz (drei) beendet, kaum dass sie begonnen hatte. Patrick Owomoyela (elf Spiele) ist seit seinem Wechsel 2005 von Bielefeld nach Bremen dauerverletzt. Alle haben seitdem Probleme mit dem Stammplatz in ihrem Klub. Für Engelhardt ist die Nationalmannschaft daher "zweitrangig, wenn man wie ich kurz vor der Weltmeisterschaft eine so schwere Verletzung erleidet und sich nach neun Monaten erst in einer neuen Umgebung herankämpfen muss".

          Als verletzter Spieler war er 2006 vom 1. FC Kaiserslautern zum 1. FC Nürnberg gewechselt. Görlitz hatte zweieinhalb Jahre lang kaum gespielt, bis ihn der FC Bayern an den Karlsruher SC auslieh. Er sieht das Thema Nationalmannschaft "ziemlich entspannt. Ich bin 25 und habe noch ein paar Jahre vor mir. Wenn ich regelmäßig gut spiele, kann es wieder ein Thema werden. Es liegt also nur an mir."

          Die WM als Fan unter Fans

          Einen seltenen Kurzauftritt bei Klinsmann hatte der damals 21 Jahre alte Moritz Volz vom FC Fulham. Es blieb bei einem Platz auf dem Podium der Pressekonferenz vor und einem Platz auf der Bank beim Spiel gegen Kamerun im November 2004. Die WM erlebte Volz als Fan unter Fans, trug einmal sogar das Oranje-Trikot der Niederländer und berichtete auf seiner Homepage: "Ich habe eine kleine Reise durchs Vaterland gemacht, um den World Cup zu erleben. Ich hatte viel Spaß mit den Fans aus aller Welt, und als ich zurückkam, hatte ich Shirts, Schals, Fahnen und alles Mögliche von den verschiedensten Ländern." Ein Typ wie Volz, scheint es, braucht fürs Fußballglück kein deutsches Nationaltrikot.

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