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Finale der Klub-WM : Das sagenhafte Comeback von River Plate

  • -Aktualisiert am

Welch ein Comeback: River Plate ist wieder da – und wie! Bild: dpa

Vor vier Jahren stieg der berühmte argentinische Klub River Plate in die zweite Liga ab. Es folgte eine atemberaubende Rückkehr. Nun wird der Traditionsverein mit einem besonderen Spiel belohnt.

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          Am Tag danach versuchte Buenos Aires, das Unfassbare schlicht und einfach zu ignorieren. Kein böser Graffito-Spruch an den Häuserwänden, keine überbordende Häme beim Lokalrivalen Boca Juniors. Geschockt beobachteten die Bewohner der argentinischen Hauptstadt, wie eine der beiden Ikonen der Stadt in Schutt und Asche versank und damit auch das Heiligste, was der argentinische Fußball zu bieten hat: der „Superclásico“ zwischen River Plate und Boca Juniors.

          Gut vier Jahre liegt dieses schicksalhafte Datum nun zurück. „Niemand, wirklich niemand, wird in der Lage sein, diesen Tag zu vergessen“, schrieb die Zeitung „Clarin“ im Juni 2011 über den Abstieg von River Plate in die zweite argentinische Liga. Ein Absturz, aus dem der Verein aber auch Motivation für einen atemraubenden Wiederaufstieg in den folgenden vier Jahren zog.

          Jetzt steht der Klub im Finale der Klub-Weltmeisterschaft. „Das Traumfinale ist perfekt“, jubeln die argentinischen Medien vor dem Duell gegen den FC Barcelona mit dem zuletzt erkrankten argentinischen Star Lionel Messi an diesem Sonntag in Japan. River Plate will den großen Favoriten stürzen. Das wäre die Krönung eines sagenhaften Comebacks. Den Wiederaufstieg aus den Niederrungen des argentinischen Fußballs leitete zunächst Trainer Matias Almeyda mit dem direkten Abschied aus Liga zwei ein.

          Zwei Jahre später gelang es Ramón Diaz, der heute das Nationalteam Paraguays betreut, erstmals nach zehn Jahren wieder den „Superclásico“ im Stadion der Boca Juniors zu gewinnen. Nach dem Gewinn des Meistertitels 2014 trat Diaz überraschend mit der Begründung zurück, er habe nun alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Ein Irrtum, denn Rivers Aufstieg hatte gerade erst begonnen.

          Trainer Marcelo Gallardo ist ein Erfolgsgarant beim argentinischen Verein.
          Trainer Marcelo Gallardo ist ein Erfolgsgarant beim argentinischen Verein. : Bild: Reuters

          Da war Daniel Passarella, der Kapitän des argentinischen Weltmeisterteams von 1978, als Präsident von River schon Geschichte. Ihn hatten neben vielen internen Querelen der Abstieg und eine bemerkenswerte Kreditkartenabrechnung in fast sechsstelliger Höhe von einer Auslandsreise nach Europa das Vertrauen der Fans gekostet. Passarellas Abschied war der Beginn einer neuen Ära. Denn richtig durch startete River Plate erst mit Präsident Rodolfo D’Onofrio, Manager Enzo Francescoli und Trainer Marcelo Gallardo. Das Trio steht nun für die erfolgreichste Zeit bei River seit Jahrzehnten.

          Francescoli steht für ein erfolgreiches River: Der Spielmacher aus Uruguay hatte in den 1980er Jahren alle möglichen Titel mit River errungen. Der jugendliche Trainer Gallardo verpasste dem Team einen neuen, offensiven Stil. River schaffte es, sich zurück in die Herzen der schwer enttäuschten Fans zu spielen. Und Gallardo machte River wieder zu einer Marke, die auf internationalem Parkett zu glänzen wusste.

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          In zwei spannenden Endspielen gewann River Plate 2014 gegen Atletico Nacional aus dem kolumbianischen Medellin die Copa Sudamericana, das Gegenstück zur Europa League. Nur ein Jahr später gelang Gallardo dann in der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League, der ganz große Wurf. Gegen den mexikanischen Spitzenklub UNAL Tigres setzte sich River nach einem 0:0 in Monterrey 3:0 im Rückspiel durch.

          Fast noch wichtiger für die River-Fans: Im Achtelfinale hatte das Gallardo-Team Boca Juniors aus dem Turnier geworfen. Mit dem ersten Titel in der südamerikanischen Königsklasse seit 19 Jahren war die Qualifikation für die Klub-WM geschafft. Einen ersten Rückschlag gab es im November, als der fast schon unheimliche Siegeszug von River Plate im Halbfinale der Copa Sudamericana 2015 vom nationalen Rivalen Atlético Huracán gestoppt werden konnte.

          Die Fans freuen sich auf das Finale der Klub-WM in Tokio gegen Barcelona.
          Die Fans freuen sich auf das Finale der Klub-WM in Tokio gegen Barcelona. : Bild: Reuters

          Für River Plate ist der Einzug ins Finale der Klub-WM auch deshalb von so großer Bedeutung, weil Stadtrivale Boca Juniors vor wenigen Wochen nicht nur die argentinische Meisterschaft gewann, sondern auch noch in Carlos Tévez den nach Lionel Messi populärsten argentinischen Nationalspieler zurückholte. Die ewige Rivalität der beiden Großstadtklubs erlebt in diesen Wochen eine neue Auflage. Die Boca-Meisterschaft, so hofft der River-Anhang, würde allerdings vor einem neuen Klub-Weltmeister River Plate verblassen.

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