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River Plate gegen Boca Juniors : Jetzt wird das Final-Chaos zum Politikum

  • -Aktualisiert am

Um Fußball geht es bei River Plate gegen Boca Juniors nur noch am Rande. Bild: Reuters

Wann das abgesagte Final-Rückspiel der Copa Libertadores stattfinden soll, steht nun fest. Doch es gibt weiter viele offene Fragen. Um Fußball alleine geht es dabei schon lange nicht mehr.

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          Argentiniens Präsident Mauricio Macri will, dass wie ursprünglich vorgesehen im Estadio Monumental gespielt wird, die Boca Juniors beanspruchen den Pokal ganz ohne Rückspiel für sich, und River Plate will nicht ins Ausland: Das Gefeilsche um den Austragungsort des zweiten Endspiels um die Copa Libertadores wird in Südamerika zu einem unwürdigen Gefeilsche. Der südamerikanische Fußballverband, der Veranstalter des Finales ist, hatte am Tag zuvor verkündet: Das Final-Rückspiel der Copa Libertadores wird am 8. oder 9. Dezember außerhalb Argentiniens nachgeholt. Am Donnerstagabend berichtete die argentinische Zeitung „La Nacion“ unter Berufung auf Conmebol-Kreise das Spiel solle am 9. Dezember nachgeholt werden. Über den Spielort werde noch entschieden, hieß es weiter. Dem Bericht des argentinischen Blattes zufolge sei die Wahl auf das Estadio Santiago Bernabeu, der Heimstätte Real Madrids, gefallen.

          Seitdem blühen die Spekulationen. Auf südamerikanischen Handys poppte per Eilmeldung zwischenzeitlich „Asunción“ als ausgewählter Finalort auf, danach brachten sich auch die italienische Hafenstadt Genua und Belo Horizonte in Brasilien, wo Deutschland das WM-Halbfinale 2014 gegen den Gastgeber 7:1 gewann, als mögliche Austragungsorte ins Spiel. Miami und Medellín, Doha – fast stündlich kommen neue mögliche Städte ins Spiel. Nicht alle sind begeistert bei dem Gedanken, ein solches Hochrisikospiel auszurichten, zumal sie auch nur ein paar Tage Zeit hätten, um sich darauf vorzubereiten.

          Das Rückspiel zwischen River Plate und Boca Juniors (Hinspiel: 2:2) hätte eigentlich am vergangenen Samstag stattfinden sollen. Auf dem Weg ins Stadion wurde der Mannschaftsbus der Boca-Spieler aber angegriffen und mit Steinen attackiert, die Polizei setzte Pfefferspray ein. Mehrere Boca-Spieler wurden verletzt, Mittelfeldspieler Pablo Pérez erlitt eine Augenverletzung. Das für Sonntag geplante Nachholspiel wurde ebenfalls abgesagt.

          Nun türmt sich ein Berg von Fragen auf: Was passiert mit den verkauften rund 60.000 Eintrittskarten, werden die Kosten erstattet, oder behalten sie ihre Gültigkeit auch für einen weiteren Versuch im Ausland? Ist ein Finale mit einem Hin- und Rückspiel noch Endspiel mit gleichen Bedingungen, wenn eine Mannschaft (Boca) zu Hause spielen konnte, die zweite aber auf ihr Heimrecht verzichten muss? Findet das Rückspiel mit oder ohne Zuschauer statt, wer übernimmt die Kosten für die Austragung und den damit verbundenen Sicherheitsapparat?

          Vor allem aber wird die ganze Ratlosigkeit des südamerikanischen Fußballverbandes deutlich, der von einer Hilflosigkeit in die nächste stolpert und stets mehr Fragen produziert, als Probleme löst. Das Finale von Buenos Aires könnte auch für Alejandro Dominguez, den starken Mann aus Paraguay an der Spitze von Conmebol, noch unangenehme Spätfolgen haben. Die Boca Juniors haben bereits den Antrag gestellt, zum Sieger erklärt zu werden. Sie wollen nach der Busattacke zum Rückspiel nicht mehr antreten.

          Inzwischen wird der Skandal auch zu einer Privatfehde der beiden verfeindeten Klubpräsidenten, die die ganze Misere des argentinischen Klubfußballs offenbart. Deren Dirigenten sind vor allem den eigenen Ultras verpflichtet und dürfen keine Schwäche zeigen. Boca-Präsident Daniel Angelici schlüpft in die Rolle des Ermittlers und Anklägers und spricht von einer feigen und orchestrierten Attacke auf seinen Klub. Klüger wäre es gewesen, diese Rolle der Staatsanwaltschaft zu überlassen.

          River-Boss Rodolfo D’Onofrio präsentiert sich derweil als Stammesführer und wirft seinem Amtskollegen Angelici Wortbruch vor. Boca solle kommen und spielen. Einige in der ohnehin schon aufgeheizten Atmosphäre eskalierende Vorwürfe. „Meine Spieler wollen spielen. Wenn sie verlieren, wird es Traurigkeit und Schmerz in der Anhängerschaft geben. Aber das ist nicht das Ende der Welt. Es ist das Finale der Copa Libertadores, das zwei wichtige Klubs spielen. Es gibt wichtigere Dinge, wie die 30 Prozent Argentinier, die in Armut leben“, sagte D’Onofrio nach dem Treffen in Paraguay. Und schob die Partie damit auf eine politische Ebene.

          Denn die Armutsbekämpfung in Argentinien war das selbsterklärte Ziel von Staatspräsident Mauricio Macri, der im kommenden Jahr wiedergewählt werden will. Der ehemalige Klubchef der Boca Juniors hatte wiederum zuvor die River-Plate-Fans für deren Bus-Attacke kritisiert und sich damit auf das gefährliche Terrain der Parteilichkeit begeben. Wer will, kann aus der Aussage Rodolfo D’Onofrios eine Warnung an Macri herauslesen. Die mächtige Anhängerschaft Rivers kann bei den Präsidentschaftswahlen 2019 den Ausschlag geben. Um Fußball geht es bei dieser Auseinandersetzung schon lange nicht mehr.

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