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Premier League : Schweinsteiger stört das Aschenputtel-Märchen

Erstes Tor für Manchester United in der Premier League: Bastian Schweinsteiger. Bild: Reuters

Leicester City mischt mit vielen Schnäppchen und einem Verlierertyp auf der Trainerbank die Premier League auf. Nun gelingt Jamie Vardy gar ein Rekord. Doch ein Deutscher verhindert den großen Coup.

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          Gary Lineker hatte vor einer Woche „einen lächerlichen Traum“. Der frühere Stürmer ließ die Welt per Twitter daran teilhaben. „Träumte, dass Leicester an der Spitze der Premier League steht. Und es fühlte sich so echt an.“ Weil es echt war. Derselbe Klub, der vor genau einem Jahr Letzter war, ging an diesem Wochenende als Erster in den Spieltag: Leicester City.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Die Äußerungen des größten Fußballsohnes von Leicester spiegeln alle Etappen der wachsenden Verblüffung, die der kleine Klub in der reichsten Liga der Welt ausgelöst hat. „Die Leute, die im Fußball entscheiden, hören nie auf, uns mit ihrer Dummheit zu verblüffen“, schimpfte Lineker noch im Juli nach der Entlassung von Trainer Nigel Pearson – der 2014 den Klub in die Premier League geführt und 2015, mit sieben Siegen in den letzten neun Spielen, die laut Lineker „wundersamste Rettung der Liga-Geschichte“ geschafft hatte.

          Als sein Nachfolger präsentiert wurde, war der Ärger noch größer: „Claudio Ranieri?“, fragte Lineker sarkastisch. „Ernsthaft?“ Der 64-jährige Italiener war 2004 bei Chelsea von José Mourinho abgelöst und als Verlierertyp verspottet worden – ein Image, das Ranieri seitdem in Valencia, Turin oder Monaco nicht ablegen konnte und schon gar nicht in Griechenland, wo man ihn nach einem 0:1 gegen Färöer als Nationaltrainer entließ. Doch plötzlich stand er auf Platz eins – und Mourinho auf fünfzehn.

          Mit dem alten Römer, beliebt wegen seines augenzwinkernden Humors, kam eine Leichtigkeit nach Leicester, die unter dem aggressiven Vorgänger gefehlt hatte. Pearson würgte Gegenspieler, beleidigte Journalisten, beschimpfte Fans und stürzte dann über ein Skandal-Video. Es zeigt drei Jungprofis, darunter Pearsons 22-jährigen Sohn James, während eines Trainingslagers beim Sex mit einer thailändischen Prostituierten, die sie mit rassistischen Äußerungen demütigen. Die Trennung war unausweichlich – nicht zuletzt weil der Eigentümer des Klubs, der Milliardär Vichai Srivaddhanaprabha, Thailänder ist.

          Mit einem Kopfball gelang dem Weltmeister der Ausgleich in Leicester.
          Mit einem Kopfball gelang dem Weltmeister der Ausgleich in Leicester. : Bild: Reuters

          Leicester stellt derzeit einige Gewissheiten des modernen Fußballs auf den Kopf. Dieser etwas andere Tabellenführer hat im Durchschnitt nur 45 Prozent Ballbesitz, nur zwei Abstiegskandidaten haben noch weniger. Die Erfolgsquote bei Pässen ist sogar die schlechteste der Liga: 71,5 Prozent. Und im Angriff lebt man von einem Mann, der mit 23 Jahren noch in der achten Liga spielte, mit 25 noch in der fünften – der nun, mit 28, aber Rekordmann der Premier League ist.

          Jamie Vardy hat in elf Spielen nacheinander getroffen, seit 2003 hielt Ruud van Nistelrooy den Rekord mit zehn Partien. Die Freude wurde aber etwas getrübt, weil Bastian Schweinsteiger am Samstagabend nach Vardys Führung noch für Manchester United zum 1:1-Endstand ausglich. Damit verlor Leicester die Tabellenführung an Manchester City. Aber auch Schweinsteiger war nicht rundum zufrieden. „Wir sind enttäuscht, weil wir nicht gewonnen haben. Wir wollten die drei Punkte“, sagte der 31-Jährige.

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