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Fußball-Länderspiele in Frankfurt : Regen, Nebel und Donner

  • -Aktualisiert am

Pfützenspiel: Deutschland gegen Polen 1974 Bild: picture-alliance/ dpa

Unvergessen bleibt die Wasserschlacht während der WM 1974. Deutschland gegen Wales ist die Fortsetzung einer langen Fußball-Länderspielgeschichte in Frankfurt.

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          In den letzten zehn Minuten klebte der Regen wie ein triefender grauer Vorhang über dem Spielfeld. Die Luft war voller Wasser. Es wurde beinahe Nacht am Nachmittag im Waldstadion. Der Wind peitschte den Regen unter die Tribüne. Es blitzte. Der Donner war durch das Gebrüll der Zuschauer wie ein fernes, dumpfes Grollen zu vernehmen. Vor diesem phantastischen, niederdrückenden Szenenbild vollzog sich ein Fußballschauspiel, das als die „Wasserschlacht von Frankfurt“ in die Fußballgeschichte einging. Deutschland gegen Polen, jenes 1:0 am 3. Juli 1974 im Halbfinale der WM, ist nicht nur eine Frankfurter, sondern eine deutsche Länderspiel-Legende geworden.

          Eine halbe Stunde vor Beginn war ein Wolkenbruch herniedergegangen, als wollte der Himmel die Stadt im Main untergehen lassen. Innerhalb von zwanzig Minuten fielen 15 Liter Regen pro Quadratmeter. Trockenwalzen sollten die Wasserlachen abschöpfen. Die Feuerwehr rückte mit zwei Löschzügen an, um mit elektrischen Pumpen gegen die Wassermassen anzukämpfen. 62.000 durchnässte Zuschauer rechneten bereits mit einer Verschiebung. Aber um 16.30 Uhr, mit halbstündiger Verspätung, pfiff der österreichische Schiedsrichter Linemayr die Partie zweier großer Mannschaften an, die sich bis zu den Knöcheln im Wasser stehend duellierten.

          Flachschuss des „Bombers“

          Die Polen mussten gewinnen, den Deutschen reichte ein Unentschieden fürs Endspiel. Die Helden hießen Maier und Müller. Der Sepp im Tor, weil der Bayer mit phantastischen Paraden die Polen zur Verzweiflung brachte. Der Gerd, weil der „Bomber“ in der 75. Minute nach einem flachen Zuspiel Rainer Bonhofs seinen Bewacher Zmuda mit einem Trick täuschte, dadurch frei allein vor Torwart Tomaszewski stand und ihn mit einem flachen Schuss bezwang. Einen Foulelfmeter von Uli Hoeneß, von Zmuda an Bernd Hölzenbein verschuldet, hatte der Riese aus Lodz zuvor abgewehrt.

          Erstmals hatte Helmut Schön – in seinem 100. Länderspiel als Bundestrainer – die „Frankfurter Flügelzange“ Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein eingesetzt. Das Eintracht-Paar trieb mit einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit unter der Regie Wolfgang Overaths das Pfützenspiel voran. Hölzenbein holte nicht nur – wie auch im Finale gegen die Niederlande (2:1) – den Elfmeter heraus, sondern leitete auch den torbringenden Angriff an.

          „Man erschrickt, wie lange das schon her ist“, sagte der 63 Jahre alte „Grabi“ nachdenklich, als er kürzlich aus Anlass des 21. Länderspiels in Frankfurt an diesem Mittwoch gegen Wales auf die Wasserschlacht angesprochen wurde. Dem zwei Jahre jüngeren „Holz“ fiel sofort ein: „Das war mein erstes Länderspiel von Anfang bis Ende.“ Die gewohnte Umgebung hatte für sie etwas Beruhigendes. Sogar in der Eintracht-Kabine hatten sich die beiden Frankfurter aus Biebrich und Dehrn das weiße Nationaltrikot mit der 9 (Grabowski) und der 17 (Hölzenbein) angezogen. Ein Heimspiel. Hölzenbein erinnert sich: „Das hat mir geholfen gegen die Nervosität, denn ich war ja kein Spieler mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein.“

          Großdeutschlands Scheitern

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