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Salzburg in CL-Qualifikation : Elfmal probiert, elfmal ist immer was Neues passiert

Salzburgs Hannes Wolf (links) und Amadou Haidara während der zweiten Hälfte im Qualifikationsspiel gegen Belgrad. Bild: EPA

Trotz einer 2:0-Führung reichte es für die roten Bullen aus Salzburg am Ende doch nicht: Das Team von Marco Rose kommt im Spiel gegen Belgrad nicht über ein Unentschieden hinaus – und verfehlt damit die Königsklasse.

          Marco Rose ist ein Mensch, der mit Rückschlägen umgehen kann. Das hat er nicht zuletzt in seiner Spielerkarriere bei Mainz 05 erlebt, vor allem im Jahr 2003, als er in Braunschweig beim 4:1 am letzten Spieltag auf dem Rasen stand. Der Sieg reichte nur deshalb nicht zum Aufstieg, weil im Fernduell zweier tordifferenzgleicher Teams am Ende Eintracht Frankfurt wegen zwei Treffern in der Nachspielzeit um ein Tor besser war. Das Mainzer Spiel war schon abgepfiffen, wie einst die Schalker Meister der Herzen mussten sich die Mainzer als Aufsteiger der Herzen um ihren im Halse stecken gebliebenen Jubel gebracht sehen. Das Schlimmste, was der Fußball einem Sportler antun kann, hat Rose also schon erlebt.

          Und diese Erfahrung gab ihm womöglich am Donnerstagabend nach dem 2:2 gegen Roter Stern Belgrad die Kraft, halbwegs erhobenen Hauptes vom Platz zu schreiten, statt sich der Verzweiflung hinzugeben. Elfmal hat Red Bull Salzburg es nun probiert, die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Am Donnerstag reichte nun ein 2:0-Vorsprung nicht, um an das ersehnte Ziel zu gelangen. „Es ist eine besondere Geschichte", meinte Rose. „Ich habe das Gefühl, dass da irgendetwas auf uns wartet, etwas Großes." Der 41 Jahre alte Trainer dürfte in diesen Sekunden an jene Worte gedacht haben, die sein ehemaliger Mainzer Trainer Jürgen Klopp 2003 nach dem Nicht-Aufstieg sprach. Klopp sprach damals von den Fußballgöttern, die sehen wollten, dass Mainz immer wieder aufstehe, um den Klub am Ende umso mehr zu belohnen.

          Das selbe erhofft sich Rose nun für seinen Klub. Elfmal ist auf dem Weg in die Champions League zwar immer wieder was Neues passiert, aber eben nicht der Einzug in die echte Königsklasse. Manches Mal gab es peinliche Niederlagen wie gegen den damaligen luxemburgischen Meister Düdelingen, andere Male wie im Vorjahr kamen strittige Schiedsrichterentscheidungen dazwischen, als Red Bull an Rijeka scheiterte.

          „Running gag“ geht weiter

          Die Misserfolgsserie ist ein „running gag“ im europäischen Vereinsfußball, die eigentlich am Mittwoch zu Ende erzählt schien. Salzburg bot eine famose Partie, agierte nach einem 0:0 im Hinspiel vor einer Geisterkulisse in Belgrad nicht etwa zögerlich und ängstlich, sondern nahm das Herz in die Hand und spielte und rannte den Gegner nieder. Kurz nach der Pause stand es nach einem Elfmeter des israelischen Doppeltorschützen Munas Dabbur vollauf verdient 2:0 und die Stadt der Mozartkugeln schien endlich in der Spielklasse mit der auf einer Haydn-Melodie basierenden Hymne angekommen.

          Doch dann endete der Traum auf eine Wiese, die selbst Salzburg bei seinen vorherigen zehn erfolglosen Versuchen noch nicht erlebt hatte. Binnen 60 Sekunden traf der Kameruner El Fardou Ben Nabouhane (65./66.) zweimal und es stand 2:2. Roter Stern war wegen des Auswärtstorregelung weiter. Für die Serben waren auch schon sechs vergebliche Versuche, die Königsklasse zu erreichen, vorangegangen.

          „Wir werden sicher wieder aufstehen. Aber man muss uns vielleicht ein, zwei Tage geben nach so einem Brett. Die Mannschaft hätte es verdient, in die Champions-League-Gruppenphase zu kommen“, sagte Rose, der keine Zweifel an der Fortsetzung seiner Arbeit aufkommen ließ, wenngleich er immer wieder in den Fokus von Bundesligaklubs geraten war, seit Red Bull im Vorjahr bis ins Halbfinale der Europa League vorgestoßen war. Dort werden Rose und sein Team auch jetzt wieder Trost suchen müssen. „Ich habe die Verantwortung für diesen coolen Haufen hier", sagte der 41-Jährige. „Ich fühle mich sofort in der Pflicht als Trainer dieser Mannschaft, die Leute wieder mitzunehmen und neue Ziele anzugehen." Diese heißen nun eben nicht Barcelona, Madrid oder München, sondern eher Krasnodar, Zagreb, Frankfurt oder auch Leipzig. Das Dosenduell im Europapokal würde immerhin mit einer ganz neuen Geschichte für Ablenkung sorgen. Leipzig muss sich allerdings im Playoff-Rückspiel gegen Sorja Lugansk an diesem Donnerstag (18:30 Uhr) noch qualifizieren, das Hinspiel endete torlos.

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