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Real Madrid in der Krise : Galaktischer Absturz

  • -Aktualisiert am

Schwere Zeiten: Real Madrid ist in Spanien abgeschlagen Vierter Bild: AFP

Hinten anfällig, vorne erfolglos: Die Krise von Real Madrid verschärft sich. Und schon bald könnten für Trainer Zinedine Zidane die Stunden der Wahrheit anbrechen.

          An Marcelo Vieira da Silva Júnior scheiden sich die Geister. Manche halten ihn für einen der besten Außenverteidiger der Welt. Mit seiner Ballsicherheit und seinen schnellen Vorstößen hat der fröhliche Brasilianer auf der Außenbahn von Real Madrid schon viele Tore vorbereitet. Doch im Bernabéu-Stadion hat Marcelo auch viele Kritiker. Seine Vorstöße sind schließlich auch immer riskant. Verliert er den Ball, geraten seine Mitspieler in der Hintermannschaft schnell in Unterzahl. Celta de Vigo kam beim 2:2 am Wochenende auf diese Weise zu zwei Treffern, nachdem Marcelo seine Position als Außenverteidiger mal wieder aufgegeben und „Roulette“ gespielt hatte. Bei dem Trick, den Real-Trainer Zinédine Zidane als Spieler einst meisterlich beherrschte, dreht sich der Spieler um die eigene Achse, stoppt dabei gleichzeitig den Ball und gibt ihm mit der Fußsohle eine neue Richtung. Der gegnerische Abwehrspieler läuft dabei oft ins Leere – allerdings nur, wenn ihn das Kunststück überrascht.

          Gegen Celta führte Real acht Minuten vor Spielende, als ein Gegenspieler Marcelo den Ball mitten im „Roulette“ vom Fuß grätschte. Celta konterte prompt schnell über die vom Brasilianer verlassene Außenbahn und traf zum Ausgleich. Schon der erste Treffer der Galicier war über Marcelos Seite gefallen und hatte Reals Probleme in der Defensive offengelegt. Schon 16 Gegentreffer in 17 Spielen hat der Titelverteidiger in dieser Saison hinnehmen müssen, und satte 16 Punkte beträgt der Rückstand auf den FC Barcelona (sieben Gegentore) an der Spitze. Mit nur noch drei Punkten Vorsprung belegt Real derzeit den vierten Tabellenplatz, der noch zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, was nicht mehr als das Minimalziel ist. Doch dahinter lauert schon der FC Sevilla auf weitere Ausrutscher des Rekordmeisters, der am Mittwoch durch ein 2:2 gegen Zweitligaverein Numancia im eigenen Stadion nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel ins Viertelfinale der Copa del Rey einzog.

          Es gab warnende Stimmen schon vor Saisonbeginn, obwohl 2017 letztlich doch das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte werden sollte. Neben der Meisterschaft und der Champions League gewann der Verein nach dem Sommer zunächst auch den europäischen und den spanischen Supercup sowie im Dezember auch die Klub-Weltmeisterschaft. Doch die Supercups werden mitten in der Saisonvorbereitung ausgetragen, da ist nicht jeder Gegner in Topform. Und die Klub-WM gewann Real  mühsam gegen Al-Jazira Club aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und gegen Porto Alegre aus Brasilien – vielleicht die letzten Zeichen eine sich zu Ende neigenden Ära.

          Es hat sich schließlich längst bestätigt, was sich auch schon in der erfolgreichen vergangenen Spielzeit beobachten ließ: Real verteidigt überaus nachlässig. Auch in der Vorsaison hatte das Team schon nach der Hinrunde 16 Gegentreffer hinnehmen müssen, was nicht weiter störte. Damals glich die Offensive das spielend aus. Derzeit stehen 32 Tore zu Buche, vor einem Jahr waren es 14 Treffer mehr. Und das, obwohl die Madrilenen in dieser Saison schon 320 Mal auf das gegnerische Tor geschossen haben, was sogar zwei Versuche mehr als vor einem Jahr bedeuten. In Ronaldo, Morata und Benzema hatte der Trainer Zidane noch regelrechte Tormaschinen zur Auswahl.

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