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Probleme bei den Königlichen : Real wartet schon sehnsüchtig auf Odegaard

  • -Aktualisiert am

Musste in der 63. Minute angeschlagen ausgewechselt werden: Martin Odegaard im Trikot von Real Sociedad aus San Sebastian. Bild: EPA

Seit fünf Jahren steht Martin Odegaard in Madrid unter Vertrag. Doch er wurde immer nur ausgeliehen. Nun sorgte der Norweger für das Ausscheiden der Königlichen, weshalb bei Real eine Frage immer häufiger gestellt wird.

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          Es wurde nun doch kein Galaauftritt von Martin Odegaard bei Real Madrid. Doch es reichte für die Anerkennung der Fans seines Gegners. Als der Norweger im Trikot der Real Sociedad aus San Sebastian in der 63. Minute angeschlagen ausgewechselt wurde, gab es auch von den Madrider Fans anerkennenden Applaus. Sie wissen: Irgendwann wird der 21-Jährige nicht mehr gegen Real Madrid spielen, sondern selbst im weißen Trikot des Klubs auflaufen. Doch diesmal hatte er noch seinen Teil zum Pokal-Aus des spanischen Tabellenführers gegen den baskischen Klub beigesteuert. Sein 1:0 war nicht unbedingt ein Kunstschuss. Der ehemalige Dortmunder Isak hatte in der 21. Minute abgezogen, Reals Ersatztorhüter Aréola tauchte ab, ließ den Ball aber nach vorne abprallen, direkt vor die Füße von Odegaard.

          Der überlegte nicht lange und hielt an der Strafraumgrenze die Innenseite hin. Der Ball kam flach und nicht besonders scharf, genau in die Mitte auf den Keeper zu, doch der war so überrascht, dass er den Ball durch die Beine ins Tor rollen ließ. Das war der Dosenöffner in der Partie, in der San Sebastian am Ende Real Madrid mit dem 4:3 aus dem Königspokal warf.

          Verliert nie die Übersicht

          Seit fast fünf Jahren steht der Norweger in Madrid unter Vertrag. Doch er wurde bislang immer nur ausgeliehen, derzeit an San Sebastian, das an diesem Sonntag (14.00 Uhr gegen Athletic Bilbao) wieder in der Liga gefordert ist, zuvor spielte er bei den niederländischen Erstligaklubs Arnheim und Heerenveen als Leihgabe. Zwar hatte sich Odegaard schon 2015 dafür entschieden, nach Real Madrid zu gehen, statt nach Manchester, zu Arsenal oder zu den Bayern, wo ihm auch Angebote gemacht worden waren. Im Alter von nur 16 Jahren kam er für Real am 23. Mai 2015 als jüngster, bei den Profis eingesetzter Spieler zu seinem Einstand, wurde für Cristiano Ronaldo eingewechselt. Er spielte gefällig mit, zeigte sich ballsicher, am Ende stand es 7:3 für die Madrilenen. Die Presse bezeichnete ihn schon als das neue Wunderkind des Fußballs.

          Dennoch entschlossen sich die Verantwortlichen bei Real, den Gefeierten zu verleihen. Es war sicher die beste Entscheidung für alle – die beteiligten Vereine wie für den Norweger, der in Madrids Starensemble wohl nur wenig Spielpraxis bekommen hätte.

          Nun ist der Blondschopf zurück in der spanischen Liga – und die Spanier schwärmen. Die Liga kürte ihn zum Spieler des Monats September, er habe einen großen Anteil am guten Start seines Vereins in die Saison, hieß es. Eine Supermarktkette spendierte ihm zur Belohnung einen Fisch – immerhin wird in San Sebastian nicht nur der gepflegte Pass geschätzt, sondern auch die gute Küche. Odegaard wirkt ausgesprochen ballsicher, liebt das Kurzpassspiel und hat gleichzeitig einen guten Blick für Mitspieler und freie Räume.

          Nie scheint er die Übersicht zu verlieren. Schon im zweiten Saisonspiel gegen Mallorca erzielte er sein erstes Tor. Inzwischen hat der offensive Mittelfeldspieler auf sechs Tore gebracht und acht vorbereitet. Eine weitere Torvorlage gegen Real wurde hingegen nach Videobeweis annulliert: Odegaard lupfte den Ball in den freien Raum, wohin Isak sprintete. Doch der Pass kam ein wenig zu spät. Die Zeitung „El País“ fand dennoch: Odegaard spielt, als hätte er Augen in den Schuhen.

          Der Norweger hätte sich kaum einen besseren Verein als Real Sociedad für seine Rückkehr nach Spanien aussuchen können. Niemand erwartet einen Titelgewinn, doch der Klub will sich zumindest wieder für die Europa League qualifizieren. Dafür kamen die Stürmer Belgier Januzaj und Portu, und vor allem der Schwede Isak und eben Odegaard an den baskischen Badeort. Gegenwärtig hat der Klub noch zwei Punkte Rückstand auf den angestrebten sechsten Tabellenplatz.

          „San Sebastián ist eine ruhige Stadt, nicht so anstrengend wie Madrid. Perfekt für mich“, sagte er Ende vergangenen Jahres in einem Interview. Er werde nicht ständig auf der Straße angehalten, nur die Kinder würden ihn um Autogramme bitten. Die Verantwortlichen im Verein zeigen sich unterdessen überrascht vom Trainingsfleiß des jungen Norwegers. Oft bleibe er für zusätzliche Einheiten im Kraftraum. Dort soll er nicht nur Gewichte stemmen, sondern sich auf mit Xavi Alonso austauschen, heißt es. Der ehemalige Münchner ist dort Trainer der B-Elf und hat seine erfolgreichsten Jahre bei Real Madrid verbracht. Und dorthin will Martin Odegaard früher oder später auf jeden Fall. Der Leihvertrag seines Arbeitgebers endet zwar schon diesen Sommer, doch die Vereine hatten sich mündlich darauf verständig, dass der Norweger bis 2021 noch bei den Basken spielt. Dann wäre er 23 Jahre alt, hätte noch zwei Jahre Vertrag – und Real Madrid bräuchte dringend einen neuen Lenker im Mittelfeld.

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