https://www.faz.net/-gtl-yu7d

Real Madrid : Uefa ermittelt gegen Mourinho

  • Aktualisiert am

Doppelter Ärger: José Mourinho drohen Sperre und Klage Bild: dpa

Für José Mourinho hat die 0:2-Niederlage im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona wohl Folgen: Die Uefa hat ein Ermittlungsverfahren eingeleeitet und wird ihn nach dem Platzverweis wohl fürs Rückspiel sperren. Und Barcelona prüft rechtliche Schritte wegen kryptischer Mourinho-Vorwürfe.

          José Mourinho, Trainer von Real Madrid, droht nach seinem Tribünenverweis im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Barcelona (0:2/ siehe: Champions League: Barcelona bestraft Madrider Anti-Fußball und Torvideo: Messi knackt den Madrider Anti-Fußball-Riegel) eine längere Sperre durch die Uefa. Die Europäische Fußball-Union hat ein Disziplinarverfahren eröffnet. Gegen Real werde nach dem 0:2 wegen diverser Vergehen ermittelt, darunter der Tribünenverweis für Trainer José Mourinho durch Schiedsrichter Wolfgang Stark. Zudem werden die Äußerungen des portugiesischen Coaches nach der Partie untersucht. Mourinho hatte unterstellt, dass Barça von der Uefa wegen des Sponsors Unicef begünstigt werde. Gegen Barcelona wird wegen der Roten Karte für José Pinto ermittelt.

          Der Regelfall ist laut einem Uefa-Sprecher, dass ein vom Spielfeld verbannter Trainer automatisch für die kommende Partie gesperrt werde. Damit dürfte Mourinho im Rückspiel beim Erzrivalen am kommenden Dienstag (20.45 Uhr/ FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) nicht auf der Real-Bank sitzen. Diese Strafe kann sich jedoch nach Uefa-Angaben bei schweren Vergehen oder im Wiederholungsfall erhöhen.

          Als Coach des FC Chelsea musste Mourinho nach kontroversen Aussagen zu einer Schiedsrichterleistung bereits im Jahr 2005 bei den zwei Viertelfinal-Begegnungen gegen den FC Bayern München von außen zuschauen (siehe: Chelsea-Trainer Mourinho gegen Bayern gesperrt). In der hitzigen Partie gegen Barcelona war der Portugiese am Mittwochabend von Referee Stark nach 62 Minuten wegen einer Unbeherrschtheit auf die Tribüne geschickt worden. Nach Schlusspfiff beklagte sich Mourinho wegen der Roten Karte gegen Real-Profi Pepe über eine vermeintliche Benachteiligung.

          Barcelona prüft Aussagen

          Der FC Barcelona will unterdessen die Aussagen von Trainer José Mourinho nach dem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid am Mittwochabend prüfen. Dies kündigte Barça in der Nacht zum Donnerstag auf seiner Homepage an. Die Rechtsabteilung des spanischen Fußballclubs werde die Erklärungen des Madrider Trainers nach dem Halbfinalhinspiel untersuchen und daraufhin entscheiden, ob die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (Uefa) eingeschaltet werden müsse, hieß es auf der Internetseite.

          Nach der Begegnung untersagten Uefa-Delegierte den Trainern beider Teams zunächst, Interviews zu geben. Zu aufgeheizt war die Stimmung zwischen den ewigen Rivalen gewesen. Mourinho hatte in einer ersten Reaktion nach der Partie gesagt: „Wenn ich (zum Schiedsrichter) und zu der Uefa sagen würde, was ich denke und fühle, würde meine Karriere heute enden.“

          Die Eskapaden des Provokateurs

          Februar 2004: Mourinho wird vorgeworfen, im Punktspiel des FC Porto bei Sporting Lissabon auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben.
          Februar 2005:
          Mourinho wirft dem schwedischen Referee Anders Frisk vor, in der Halbzeit des Champions-League-Spiel von Chelsea beim FC Barcelona Trainer-Kollege Frank Rijkard in die Kabine gelassen zu haben. Aus Trotz bleibt er der Pressekonferenz fern. Frisk bestreitet die Vorwürfe, erhält Morddrohungen, beendet seine Karriere. Mourinho wird für zwei Spiele gesperrt. Er habe den Fußball „in Verruf gebracht“, schreibt die Uefa-Disziplinarkommission.
          Mai 2005: In der Champions League gegen den FC Liverpool sagt Mourinho nach dem umstrittenen Siegtor von Liverpools Luis Garcia: „Der Linienrichter schoss das Tor.“ Es hagelt Kritik an ihm.
          März 2007: Nach einem Pokalspiel Chelseas gegen Tottenham soll Mourinho den Schiedsrichter als „Hurensohn“ bezeichnet haben. „Das war nicht beleidigend gemeint, auch wenn man sie als Beleidigung verstehen kann“, sagt er.
          April 2007: Mourinho reklamiert im Champions-League-Spiel Chelseas gegen Liverpool heftig einen Handelfmeter, obwohl sich die fragliche Szene außerhalb des Strafraums abgespielt hatte. Schiedsrichter Markus Merk wird zum Prügelknaben des Portugiesen.
          November 2008: Während eines Live-Fernsehinterviews sorgt Mourinho für einen Eklat. Weil der Moderator des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RAI ihn nach dem 1:0-Sieg gegen Inter mit seinem Vorgänger Roberto Mancini vergleicht, bricht Mourinho das Interview ab.
          Dezember 2009: Nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo greift Mourinho einen Reporter an und zerrt ihn am Arm aus einem Interviewraum.
          Februar 2010: Beim 0:0 gegen Sampdoria Genua legt er sich mit dem Schiedsrichter an. Nach zwei Roten Karten für Inter zeigt der Portugiese mit überkreuzten Handgelenken an, dass der Referee in Handschellen aus dem Stadion geführt werden müsse. Das bringt ihm ein Sperre von drei Spielen und 40.000 Euro Strafe ein.
          Februar 2010: Mourinho sagt nach dem Derby gegen den AC Mailand: „Heute wurde alles getan, damit wir nicht siegen“. Konsequenz: eine Geldstrafe von 18.000 Euro.
          November 2010: José Mourinho wird in Spanien wegen einer rüden Schimpfattacke gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt worde. „Geh zur Scheiße!“, hatte er dem Referee in einem Pokalspiel hinterhergerufen - obwohl Real 5:1 gewinnt.
          Dezember 2010: Nach einem 1:0 der Madrilenen über den FC Sevilla legt Mourinho eine Liste mit „13 gravierenden Fehlentscheidungen“ vor. Clubpräsident Florentino Pérez meint: „Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern.“
          Februar 2011: Mourinho attackiert nach Reals Champions-League-Partie bei Olympique Lyon den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Wieder geht es um einen vermeintlichen Elfmeter. „Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt, aber der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen.“
          März 2011: Mourinho beschimpft einen Reporter als „Heuchler“, der den Portugiesen nach dessen jüngsten Klagen über die Schiedsrichter und die Terminpläne befragt hatte. „Was ich sage, sind keine Klagen, sondern Wahrheiten“, behauptete der Portugiese.

          Weitere Themen

          Spott für Griezmann – Warten auf Neymar

          FC Barcelona : Spott für Griezmann – Warten auf Neymar

          Messi? Nicht dabei. Suarez? Fällt länger aus. Griezmann? Spielt seltsam. In Barcelona schrillen schon nach dem ersten Spieltag die Alarmglocken. Nun hoffen alle auf Neymar. Doch der Brasilianer ist auch eine Bedrohung.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.