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El Clásico : Wie Real Madrid die Liebe verlorenging

Filmstar: Cristiano Ronaldo bei der Premiere des Films „Ronaldo“ am 9. November in London. Bild: Reuters

Eine Woche nachdem Real-Legende Raúl seine Karriere beendet hat, treffen die Königlichen im Clásico auf den FC Barcelona (18.15 Uhr). Seit Raúl von Cristiano Ronaldo beerbt wurde, hat sich die Vorherrschaft der Katalanen im spanischen Klubfußball zementiert. Das ist kein Zufall.

          Vor wenigen Tagen hat Raúl González Blanco, besser bekannt unter seinem Vornamen Raúl, die letzte Partie seiner Karriere bestritten. Eine Legende trat ab, und sie tat es im passenden Stil. Raúl trug Weiß und die Nummer sieben wie in seiner größten Zeit als Stürmer für Real Madrid, den Verein seines Herzens, für den er von seinem siebzehnten bis dreiunddreißigsten Jahr tätig war. Doch diesmal spielte er für Cosmos New York, auf dem Kunstrasen der Hofstra University in Long Island, einer eher ungloriosen Stätte, und der Ausgang war für die Fußballfans der Welt nur von mäßigem Interesse.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Am Ende hieß es im Ligafinale der American Soccer League 3:2 für Cosmos gegen Ottawa Fury. Es war der definitiv letzte errungene Titel für den inzwischen Achtunddreißigjährigen, der im Spätherbst seiner Karriere bei Schalke 04, Al Sadd Sports Club und Cosmos New York auf eine fünf Jahre dauernde Abschiedstour gegangen war: ein Profi im kontrollierten Abbau. Ein Mann, der vom Fußball einfach nicht lassen konnte, ein vorbildlicher Sportler und unvergessener Kapitän, listig, kampfstark und fair. Als „Señor“ haben auch die Schalker Fans den größten Feldspieler des spanischen Fußballs lieben gelernt.

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          Eine sonderbare Gleichzeitigkeit ermuntert vor dem an diesem Samstag (18.15 Uhr) anstehenden Clásico, dem Aufeinandertreffen von Real Madrid und dem FC Barcelona, zum Vergleich zwischen Raúl, dem amtlich bestätigten Fußballpensionär, und Cristiano Ronaldo, dem auffälligsten Athleten, den dieser Sport bisher hervorgebracht hat. In gut sechs Jahren bei Real Madrid hat der Portugiese, der von seinem Vorgänger das Trikot mit der Nummer sieben erbte, nicht nur einen Torrekord Raúls nach dem anderen geknackt, sondern alle historischen Stars des spanischen Rekordmeisters blass aussehen lassen. In nicht einmal sieben Spielzeiten erzielte Ronaldo mehr Treffer (326) als Raúl in sechzehn (323) und der legendäre Alfredo di Stéfano in elf (307), auch wenn dabei zu bedenken ist, dass die Saison früherer Jahrzehnte den Spielern deutlich weniger Matches pro Spielzeit abverlangte.

          Ronaldos Gier nach Toren aber bleibt ein eigenes Phänomen: Niemand hat vor ihm viermal den „Goldenen Schuh“ für den besten europäischen Torjäger gewonnen, niemand hat so viele Tore insgesamt in der Champions League (82) oder auch noch in einer einzigen Saison in der europäischen Königsklasse erzielt (17), niemand kann einen besseren Trefferdurchschnitt in Pflichtspielen vorweisen, nämlich mehr als ein Tor pro Begegnung. Dazu kommen die ungezählten Einzelehrungen, deren wichtigste der dreifache Gewinn des „Ballon d’Or“ ist, eine Trophäe für den „Weltfußballer des Jahres“, die nur der Ausnahmekönner Leo Messi öfter als Ronaldo geholt hat, nämlich viermal.

          Vorherrschaft des FC Barcelona in Ronaldo-Jahren zementiert

          Das wäre die eine Rechnung: strahlende Statistiken eines Weltstars und global erfolgreichen Markenprodukts. Wie es sich gehört, spielt ein solcher Sportler beim offiziell bedeutendsten Klub des zwanzigsten Jahrhunderts, damit sich die branchenbeherrschende Klasse des einen und des anderen auf ideale Weise ergänzen können. Doch die Wirklichkeit lässt sich auch in einem anderen Licht betrachten: Fußball ist ein Mannschaftssport, keine Solonummer. Und in gesammelten Teamtiteln bringt es Cristiano Ronaldo in vierzehn Jahren Erstligafußball auf weniger große Erfolge als der zähe, solide Raúl.

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