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Fußball in Spanien : Real Madrids große Hoffnung ist erst 18

  • -Aktualisiert am

Darf ich vorstellen: Vinicius Júnior, für 61 Millionen Euro zu Real Madrid gewechselt. Bild: AP

Was ist nur mit dem Dauersieger der Champions League los? Real Madrid steckt seit dem Abgang von Cristiano Ronaldo in der Krise. Nun soll es ausgerechnet der Jungspund im Team richten.

          Wenn es im Fußball gar nicht mehr läuft, dann versprechen Manager und Präsidenten gerne eine goldene Zukunft. So sieht es derzeit bei Real Madrid aus. Einen dermaßen enttäuschenden Verlauf der Meisterschaft haben die Fans seit zwei Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Da kam dem Team von Trainer Santiago Solari am vergangenen Mittwoch ein leichter 3:0-Sieg über den abstiegsbedrohten Madrider Vorortklub CD Leganés im Pokal gerade recht. Solari ließ die besten Spieler auf der Bank. Viel Hoffnung setzen die Anhänger mittlerweile auf den außerordentlich agilen und erst 18 Jahre alten Jungstar Vinícius Júnior. Die Gegenwart haben die Fans wohl schon abgeschrieben.

          Es ist eine ausgesprochen schlechte Saison: Nach 18 Spieltagen ist der Verein zwar noch in der Champions League und im Pokal dabei, liegt in der Liga aber auf dem fünften Platz, zehn Punkte hinter Spitzenreiter FC Barcelona. Als besonders schmerzhaft müssen die Verantwortlichen vor allem die Torausbeute wahrnehmen. Nur 26 Treffer hat das Team in dieser Saison erzielt, weniger waren es zuletzt 1990. Die Mannschaft hat den Wechsel von Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin im Sommer nicht verkraftet, weil die Spieler, die im Kollektiv diesen spektakulären Abgang kompensieren sollten, seit Saisonbeginn müde und ausgelaugt wirken.

          Seit Jahren gehörten Ramos, Marcelo, Casemiro, Modric und Kroos zu den Garanten des Erfolgs, haben drei Mal nacheinander die Champions League gewonnen, wurden spanischer Meister, schnappten sich den Supercup, triumphierten bei der Klub-WM und waren auch mit ihren Nationalteams erfolgreich. Doch die vielen Wettbewerbe bedeuten auch zunehmend weniger Zeit zur Regeneration. Im WM-Jahr 2018 ist diese so wichtige Phase so gut wie ganz ausgeblieben.

          Die Folge sind zahlreiche Verletzungen. „El País“ zufolge sind seit August schon 13 Spieler wegen Muskelproblemen ausgefallen. Die Außenverteidiger Carvajal und Marcelo fehlen immer mal wieder, insbesondere Marcelo hat seit September noch keine vier Spiele nacheinander bestreiten können. Ist er fit, kann der offensive Brasilianer mit der besten Ballbehandlung im ganzen Kader zum Matchwinner werden. Doch in dieser Saison verliert er bei seinen Offensivläufen oft den Ball. Damit gerät im Mittelfeld Toni Kroos auf derselben Seite unter Druck, und Gegentore und Pfiffe sind die Folge. Gar nicht zu ersetzen ist der Defensivspezialist Casemiro an Kroos’ Seite.

          Über die mangelnde Balance im Team hat sich der deutsche Weltmeister zuletzt öffentlich beschwert. Er sei kein Casemiro, warnte er schon im Oktober. Schon seit seinem Transfer von den Bayern im Sommer 2014 spielt er in Madrid deutlich defensiver als bis dahin gewohnt. Dass er in dieser Rolle weniger Akzente nach vorne setzen kann, ist verständlich. Dennoch stand er zuletzt in der Kritik, weil von ihm zu wenig Impulse kämen. Aber auch Luka Modric wirkt auf der rechten Seite ungewohnt blass. „Viele von uns sind nicht in der besten Verfassung“, sagte der „Weltfußballer“ des Jahres 2018 nach der 0:2-Heimniederlage gegen San Sebastián am vergangenen Wochenende.

          Wie recht der Kroate damit hatte, bestätigte sich wenige Stunden später. Der Verein gab den Ausfall von Toni Kroos wegen eines Muskelfaserrisses bekannt, am Mittwoch den von Torwart Courtois. „Fußball ist global“, kommentierte Trainer Solari den Saisonverlauf. „Kondition, Technik und mentale Stärke gehören zusammen. Wenn eine Komponente nicht funktioniert, gerät alles aus dem Gleichgewicht.“ Mit der Krise gerät aber auch Klubpräsident Florentino Pérez in die Kritik, ist er es doch, der für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich ist. Mit Ronaldo hatte Real einen wichtigen Spieler verloren, aber keine neuen hinzugewonnen. Angesichts der horrenden Summen auf dem Transfermarkt hoffte Pérez, junge Spieler wie Asensio könnten in ihre neue Rolle hineinfinden oder Bale und Benzema die Rolle Ronaldos einnehmen. Doch der 22 Jahre alten Asensio wirkt mit den Erwartungen völlig überfordert und hat sich inzwischen auch verletzt. Ebenso fällt Bale zum zweiten Mal in dieser Saison wegen einer Muskelverletzung aus.

          So bleiben Solari nur noch Nachwuchsspieler. Bei 22 Jahren lag das Durchschnittsalter seiner Mannschaft im Pokalspiel gegen Leganés. Die großen Hoffnungen in diese neue Generation verkörpert der Brasilianer Vinícius Júnior. 61 Millionen Euro überwies Real Madrid für den jungen Brasilianer an seinen brasilianischen Heimatverein Flamengo im Sommer. Bislang vor allem im B-Team eingesetzt, gehörte er gegen Leganés zu den Auffälligsten auf dem Feld und belohnte sich dank seiner guten Leistung mit einer feinen Volleyabnahme zum 3:0. Von einem „golazo“, einem herausragenden Tor, sprach die Madrider Sportpresse und vergleicht Vinícius gar mit dem alten Idol Raúl. Ob er mehr als nur ein Versprechen für eine goldene Zukunft ist, muss er aber noch unter Beweis stellen. An diesem Sonntag (20.45 Uhr bei DAZN) hat Vinícius beim Tabellensechsten Betis Sevilla dazu die nächste Gelegenheit.

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