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Real Madrid : Schuster hat das Zeug zum Helden

  • Aktualisiert am

Erfolgreich mit Getafe: Bernd Schuster Bild: dpa

Bernd Schuster nennt Real Madrid seinen Traumklub, doch die Vereinsführung ist ein Albtraum für jeden Trainer. Der frühere Nationalspieler wäre bereits der achte Cheftrainer in den letzten 48 Monaten.

          Fast alles spricht dafür, dass der frühere deutsche Nationalspieler Bernd Schuster in der kommenden Saison Trainer des frisch gekürten spanischen Meisters Real Madrid wird. Natürlich lassen sich spanische Medien ungern im Heraustrompeten von Neuigkeiten übertreffen, also brachte das Sportblatt „as“ die Meldung als Tatsache. Kaum weniger überzeugt klang die konservative Zeitung „ABC“. Auch die zwischen Andeutung und Gewissheit schwankenden Sätze Schusters lassen auf eine hohe Wahrscheinlichkeit eines Engagements beim dreißigfachen spanischen Titelträger und neunmaligen Champions-League-Sieger schließen.

          Inzwischen ist die Verpflichtung des Dortmunder Verteidigers Christoph Metzelder amtlich, der ablösefrei zu Real Madrid wechselt und pro Saison drei Millionen Euro netto erhalten soll. Der Nationalspieler wird nach Bernd Schuster, Ulli Stielike, Paul Breitner, Günter Netzer und Bodo Illgner der sechste Deutsche, der das weiße Real-Trikot trägt. „ABC“ meldete außerdem, Schuster haben den Transfer des Leverkuseners Bernd Schneider vorgeschlagen. „Ein Typ wie er fehlt Real Madrid zur Zeit“, zitiert das Blatt den Deutschen, „jemand mit hohen technischen Qualitäten, der den tödlichen Pass zu spielen und eine Partie zu lesen vermag.“

          „Habe Kontakt zu Real“

          Zwar mochte Schuster, der zur Zeit den Madrider Vorortverein FC Getafe trainiert, nicht bestätigen, dass es einen Vorvertrag gebe, der ihm bei Nichteinhaltung von Seiten Reals eine Entschädigung von einer Million Euro garantiere. Doch die Korrektur klang nicht nach einem Dementi. „Einen solchen Vorvertrag hätte ich gerne in den Händen“, sagte Schuster der „Bild“-Zeitung, „aber es ist richtig, dass ich über Dritte Kontakt zu Real habe.“ Er stehe bereit, „wenn sie mich wollen“, sagte der Trainer des diesjährigen spanischen Pokalfinalisten, der am kommenden Samstag im Bernabéu-Stadion gegen den FC Sevilla antritt. „Es wird in den nächsten Tagen einiges passieren. Ich bin gespannt.“ Was bedeuten könnte: Warten wir das Spiel vom Samstag ab, dann können wir reden.

          Madrids mächtiger Mann: Ramon Calderon

          Dass die vor einem Jahr geschlossene Verbindung zwischen Fabio Capello und Real Madrid zu Ende geht, darauf deuten alle öffentlichen Gesten hin. Der Italiener und Real-Präsident Ramón Calderón gingen sich bei der Meisterschaftsfeier und den Festakten der Stadt Madrid geflissentlich aus dem Weg. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich große Rückendeckung habe“, sagte Capello. „Ob ich weitermache, hängt nicht von mir ab, sondern vom Präsidenten.“ In einer Unterredung in der vergangenen Woche soll Calderón seinem Coach zwar die Fortsetzung der Arbeit angeboten, doch die Erfüllung des Dreijahresvertrags mit der Forderung nach attraktiverem Fußball verbunden haben. Ein Hin und Her ohne Ergebnis, denn Capello blieb Capello: „Ich wurde verpflichtet, um Ordnung zu schaffen und die Meisterschaft zu gewinnen. Das habe ich getan. Wenn Calderón mich nicht haben wollte, hätte er es mir vorher sagen sollen.“

          Nichts Extravagantes oder Unberechenbares

          Bernd Schuster wäre der achte Cheftrainer von Real Madrid in den letzten 48 Monaten. Allein diese Zahl verrät, dass die erfolgreichste Mannschaft der Jahrtausendwende seit langem konzeptlos herumrudert. Nach der Entlassung von Vicente del Bosque im Sommer 2003, der ebenfalls einen frischen Meistertitel vorweisen konnte, ist nie Ruhe eingekehrt. Die Fans haben die Verpflichtung Bernd Schusters schon öfter gefordert. Er selbst nennt Real seinen Traumklub. Dem Image des Augsburgers haftet in Spanien nichts Extravagantes oder Unberechenbares an. Man achtet ihn als mutigen, äußerst konsequenten Trainer, der eher seinen Hut nimmt, als vor dem Vereinspräsidenten einzuknicken. Ob mit dem Zweitligaklub Xerez CD, vor drei Jahren mit Levante oder jetzt mit dem FC Getafe, Schusters Mannschaften zeichnen sich stets durch Kompaktheit und Angriffswillen aus.

          Als Spieler stand Schuster nacheinander beim FC Barcelona, Real Madrid und Atlético Madrid in Diensten, und seine Sympathien für die Katalanen sind bekannt. Der sensationelle 4:0-Sieg allerdings, mit dem sein FC Getafe im vergangenen Monat ein 2:5 aus dem Hinspiel umdrehte und Barça mit furiosem Engagement aus dem Vereinspokal warf, hat Schusters Image als Motivationskünstler heller erstrahlen lassen als je zuvor. So einen wünschen sich die Real-Anhänger, mit so einem könnten sie auch wieder an die Champions League glauben. Bernd Schuster hat das Zeug, in Madrid auch als Trainer zum Helden zu werden.

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