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Clásico in Spanien : Warum Barça auch Real Madrid enteilt ist

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Lässt nicht mehr schön, aber erfolgreich spielen: Barcelonas Trainer Ernesto Valverde. Bild: AFP

Der FC Barcelona führt die Tabelle vor dem Clásico in Madrid an – elf Punkte vor Erzrivale Real. Das liegt nicht nur an Lionel Messi und Co., sondern auch an einem, der gar nicht auf dem Rasen steht.

          Im spanischen Film „Montags in der Sonne“ liest der arbeitslose Werftarbeiter Santa seinem Sohn die Fabel von der faulen Zikade vor. Die Zikade ist eine faule Lebenskünstlerin, die unscheinbare Ameise hingegen eine fleißige Arbeiterin. Die Moral von der Geschichte: Im Winter zittert die Zikade vor Kälte, und die Ameise hält ihr vor: „Hättest du wie ich gearbeitet, würdest du jetzt nicht hungern.“

          Fleißige Ameisen finden sich auch im Fußball viele. Ernesto Valverde, seit Beginn dieser Saison Trainer des FC Barcelona, bekam diesen Titel in seiner aktiven Zeit als Stürmer von Espanyol Barcelona von Javier Clemente verliehen. „Txingurri“, das ist Baskisch für Ameise, nannte Clemente ihn. Denn schon damals fand Valverde eher mit Fleiß und Laufpensum die Anerkennung seiner Trainer. Noch heute nennen sie ihn „Txingurri“. Allerdings ist er eine sehr erfolgreiche Ameise: Barça führt die Tabelle mit 42 Punkten an, elf Punkte vor dem Erzrivalen Real Madrid. An diesem Samstag (13.00 Uhr bei DAZN) kommt es zum „Clásico“.

          Niemand hatte Valverde zu Beginn der Saison um seinen Job in Barcelona beneidet. Die Mannschaft hatte sich in der vergangenen Spielzeit schlecht präsentiert, nur den spanischen Pokal gewonnen, während Real Madrid Meister wurde und die Champions League gewann. Die Mannschaft wirkte ausgebrannt, alte Stars wie Iniesta waren oft verletzt, doch die Erneuerung schien auszubleiben. Dann kam auch noch das Sommertheater um Neymar, dessen Ablösesumme für den Wechsel nach Paris von 222 Millionen Euro den Katalanen schwer im Geldbeutel lag. Es ließ sich kein bezahlbarer Ersatz finden. Am Ende überwies Barcelona 105 Millionen Euro nach Dortmund für Ousmane Dembélé, der sich in seinem zweiten Spiel der Liga einen Riss im Oberschenkel zuzog und seither ausfällt. Mit Trainer Ernesto Valverde schien Barça im besten Fall vor einer Übergangssaison zu stehen.

          Denn gleichzeitig sprachen die spanischen Zeitungen von der „Siegesmaschine Real Madrid“, die scheinbar nichts aufhalten konnte. Das Team aus der Hauptstadt gewann die Meisterschaft, die Champions League, den spanischen und den Uefa-Supercup und die Fifa-Club-WM. Den Meister des Erfolgs haben die Medien schnell ausgemacht: Zinédine Zidane schien alles richtig zu machen, überzeugte den alternden Star Cristiano Ronaldo vom Sinn der Auszeiten, die er ihm gewährte, und integrierte junge Spieler geschickt. Acht Titel hat er als Trainer mit Real gewonnen, seit er vor zwei Jahren den Job antrat.

          Doch Ernesto Valverde ist nicht umsonst „Txingurri“, die Ameise. Der 53-Jährige ließ Barça unauffällig auftreten. Um für mehr Stabilität zu sorgen, verzichtete er auf einen dritten Stürmer und greift im Mittelfeld auch zur für die unter vielen Fans geradezu als Mord am ästhetischen Spiel verachtete Doppelsechs. Barcelona wurde stabiler und nach Ansicht der spanischen Sportpresse auch deutlich langweiliger. Doch der Erfolg kehrte zurück: Vorne macht Messi die Tore (14 in den Ligaspielen dieser Saison), hinten hält der deutsche Schlussmann ter Stegen alles, was seine Vorderleute noch zulassen. Barça hat sechs Punkte Vorsprung vor dem Zweitplazierten Atlético Madrid und schon elf Punkte Vorsprung vor Real, das allerdings ein Spiel gegen Leganés noch nachholen muss. Auch in der Vorrunde der Champions League hatte der FC Barcelona keine Probleme und schloss die Gruppenphase mit dem ersten Platz der Gruppe D ab.

          Bei Real Madrid hingegen trifft Cristiano Ronaldo nicht mehr wie gewohnt. Nur vier Tore hat er bislang in der spanischen Liga erzielt, neun hingegen in der Champions League, wo sein Team dennoch nicht brilliert hat. Der graue Ligaalltag scheint die Mannschaft, die schon alles gewonnen hat, zu langweilen. Es sei manchmal schwer, sich nach einem Titelgewinn zu motivieren, sagt Mittelfeldstar Toni Kroos, den die Fans lange Zeit als den „besten Passgeber Europas“ gefeiert haben, von dem sie sich gelegentlich aber auch mehr entscheidende SpieliImpulse wünschen. Real Madrid wirkt ein wenig wie die Zikade in der Kinderfabel – zu schön für die mühselige Schufterei in der Liga.

          Vor allem aber fehlt Real die zweite Reihe, die die Mannschaft in der vergangenen Saison so stark gemacht hat, Spieler wie Morata, James, Pepe oder Danilo konnte Zidane seinerzeit ohne Bedenken einsetzen. Doch wer ohne weiteres in jeder anderen Mannschaft spielen würde, setzt sich eben nicht gerne ausgerechnet bei den Highlights der Saison auf die Bank, um für die Stars Platz zu machen. So sind diese Spieler inzwischen abgewandert. Während der deutlich stabilere FC Barcelona also mit einem glänzend aufgelegten Messi nach Madrid reist, spielt Real eine eher unstete Saison. Ob sich dies im „Clásico“ ändert, ist nun die große Frage.

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