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Aufregung in Spanien : Barcelona wittert Verschwörung im Videokeller

  • -Aktualisiert am

Sergio Ramos und Real Madrid sind auf dem Weg zum Titel in Spanien. Bild: Reuters

Hartnäckig hält sich die Legende, Real Madrid gewinne seine Titel mit Hilfe der Schiedsrichter. Nun entscheidet der Videoreferee mehrfach für die Königlichen. Die Gegner schimpfen. Dafür erhält Real unerwartete Rückendeckung.

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          Gerard Piqué dominiert als Innenverteidiger beim FC Barcelona nicht nur den eigenen Strafraum, sondern auch das Spiel neben dem Rasen. Zum Beispiel in den sozialen Netzwerken. „Diese Liga zu gewinnen wird schwierig. Die anderen verlieren wenig Punkte“, erklärte der Katalane Mitte Juni auf Twitter. Tatsächlich ist die spanische Liga vier Spieltage vor dem Saisonende spannend wie schon seit Jahren nicht mehr. Real Madrid und der FC Barcelona liefern sich einen harten Schlagabtausch. Zu Beginn der Wiederaufnahme der Saison nach der Corona-Zwangspause lag Barcelona zwei Punkte vor Real, doch nach drei Unentschieden der Katalanen liegt nun Real vier Punkte vorne. Denn Real hat seit Mitte Juni alle seine sieben Partien gewonnen.

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          Piqué ging es aber gar nicht um die Bewertung des harten Wettbewerbs. Vielmehr spielte er auf die hartnäckige Legende an, Real gewinne seine Titel mit Hilfe der Schiedsrichter. Als der Katalane den Giftpfeil in Richtung Madrid abschoss, hatte das Team von Zinédine Zidane gerade ziemlich brillant 3:0 gegen den FC Valencia gewonnen. Doch das erste Tor dieser Begegnung hatte Rodrigo Moreno aus Valencia erzielt. Der Videoassistent meldete Abseits, der Schiedsrichter konsultierte die Zeitlupe und entschied nach langem Zögern, das Tor nicht zu geben.

          Tatsächlich hat es solche Korrekturen nach der Wiederaufnahme der Spiele in Spanien im Juni mehrmals gegeben. In den zurückliegenden sieben Spieltagen haben die Schiedsrichter dreimal ihre Entscheidungen zugunsten von Real Madrid revidiert. Und tatsächlich werden sich Fans, die Fußball bislang auch als körperbetonten Kontaktsport verstanden haben, bei manchen Szenen ärgern, dass das Spiel nicht einfach weiterläuft. Doch wenn die Schiedsrichter nun schon die Zeitlupe als Entscheidungshilfe zur Verfügung haben, müssen ihre Entscheidungen oft zwangsläufig kleinlich wirken.

          So geschah es auch wieder am Wochenende beim Gastspiel Reals bei Athletic Club de Bilbao. Da stellte sich Bilbaos Dani García im Kampf um den Ball auf den Fuß von Marcelo, der Brasilianer fiel, Bilbao begann mit dem Spielaufbau. Erst nach dem Hinweis des Videoassistenten betrachtete sich Schiedsrichter González die Szene dann noch einmal und entschied auf Strafstoß. Real-Kapitän Sergio Ramos nutzte ihn gewohnt sicher zu seinem zehnten Saisontreffer.

          Als Ramos später im eigenen Strafraum allerdings Bilbaos Raúl García auf dem Fuß stand, blieben die Konsultationen am Monitor hingegen aus. Es war kein wirklicher Zweikampf, zu einer möglichen Flanke war es gar nicht gekommen, es hätte sich daraus keine Torszene entwickeln können wie auf der Gegenseite.

          Die Proteste waren trotz der Mittagshitze um die 40 Grad Celsius kurz. Wie sollen sich die Gemüter auch erhitzen, wenn die sonst von den Fans besetzten Ränge leer sind und sich die Kommentare der Auswechselspieler im sonst leeren Stadion verlieren? So verlagern sich die leidenschaftlichen Emotionen in die sozialen Netzwerke. Dort versuchen Akteure wie Piqué oder auch Barças Präsident Josep Maria Bartomeu, Druck auf den Tabellenführer aufzubauen. Das System des Videoassistenten begünstige immer dieselben Teams, statt den Schiedsrichtern zu helfen, polterte Bartomeu. Doch solche Attacken wirken auch hilflos und durchschaubar. Schließlich kann Barcelona auf dem Rasen aus eigener Kraft nicht mehr Meister werden. Und Bartomeus Kaderplanung steht schon lange in der Kritik.

          Real-Trainer Zinédine Zidane sagt, er werde sich „an diesem anderen Fußball“ nicht beteiligen. Dies sei nicht sein Stil. Stattdessen fordert der Franzose Respekt vor den Leistungen seines Teams. Und tatsächlich ist Madrid erstaunlich gut aus der Zwangspause gekommen. Zidane ändert seine Startaufstellung in jedem Spiel, und bis auf Bale wirkt niemand wie ein Fremdkörper. Statt des so lange beschriebenen Teams der Galaktischen scheint Real Madrid plötzlich zum Kollektiv mutiert.

          In Bilbao saßen Toni Kroos und Vinicius auf der Bank und wurden erst in der Endphase eingewechselt. Dafür spielte Asensio, der seit Beginn der Saison verletzt war, und zirkelte eine Flanke nach der anderen mit seinem linken Fuß in den Strafraum. Nur mit Pech segelte Benzema daran regelmäßig vorbei. Von Asensio kam auch der Pass auf Marcelo, der zum Strafstoß führte.

          Unerwartete Rückendeckung bekommt Real Madrid ausgerechnet vom Stadtrivalen Atlético. Der Videoassistent sei immer gerechter mit jenen, die gewinnen, sagte Diego Simeone. „Wenn Teams wie Real Madrid mehr Elfmeter zugesprochen bekommen, liegt das daran, dass sie mehr stürmen“, erklärte der argentinische Trainer. Ganz dem Geschmack des Defensivkünstlers dürfte aber auch die Verteidigungsleistung der Elf von Zidane entsprechen. Ganze 21 Treffer hat Real Madrid in dieser Saison hingenommen, so wenige wie keine andere Mannschaft in der Liga.

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