https://www.faz.net/-gtl-842fe

Reaktionen zum Rücktritt : „Der Druck wurde zu groß“

  • Aktualisiert am

Das war´s: Joseph Blatter tritt als Fifa-Chef zurück Bild: AFP

DFB-Präsident Niersbach und Uefa-Chef Platini begrüßen die Ankündigung von Joseph Blatter als Vorsitzender des Fußball-Weltverbands zurückzutreten. Damit seien aber längst nicht alle Probleme innerhalb der Fifa gelöst. FAZ.NET hat die Reaktionen gesammelt.

          3 Min.

          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat die Rücktrittsankündigung von Fifa-Chef Josef Blatter begrüßt. „Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes am Dienstag in Berlin. „Es ist eigentlich eine Tragik, warum er es sich selber und uns allen das nicht erspart hat, dass er das früher gemacht hätte.“ Mit dem Rücktritt seien aber nicht „alle Probleme gelöst“.

          Auch Uefa-Präsident Michel Platini hält die überraschende Rücktrittsankündigung für richtig: „Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung“, sagte Platini in einer Stellungnahme am Dienstag. Der Franzose hatte schon vor der Wiederwahl des Schweizers beim Fifa-Kongress am vergangenen Freitag versucht, Blatter zum Rückzug zu bewegen. Für den Fall einer fünften Amtszeit hatte Platini einen Rückzug europäischer Teams aus Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen.

          „Problem der Fifa liegt in seinem System“

          Unterdessen hat Franz Beckenbauer Verständnis für die Entscheidung Blatters gezeigt: „Es war eine vernünftige Entscheidung von Sepp Blatter. Der Druck wurde zu groß. Er wäre nie mehr zur Ruhe gekommen, ob er Schuld an den Skandalen trägt oder nicht. Das Problem der Fifa liegt in seinem System“, sagte Beckenbauer gegenüber der „Bild“-Zeitung. Blatter hatte nur fünf Tage nach seiner Wiederwahl am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt und will sein Amt nur noch bis zur Wahl eines Nachfolgers bei einem außerordentlichen Fifa-Kongress weiterführen.

          Arbeiteten lange zusammen: Beckenbauer und Blatter

          Ebenso zustimmend äußerte sich Ligapräsident Reinhard Rauball „Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball“, sagte Rauball in einem Statement, das die Deutsche Fußball Liga am Dienstagabend veröffentlichte. Blatter habe der Fifa mit seinem Rücktritt einen großen Dienst erwiesen. „Alle, die für eine Reform der Fifa ernsthaft eingetreten sind, sind nun gefordert, mit konstruktiven Vorschlägen zur Einheit des Fußballs beizutragen“, forderte Rauball.

          Glaubwürdigkeit und Transparenz müssten dabei an oberster Stelle stehen. „Es gilt nun, möglichst schnell inhaltlich, strukturell und personell tragfähige Lösungen für die Zeit nach Sepp Blatter zu erarbeiten und auf den Tisch zu legen. Denn klar ist auch: Mit dem Rücktritt alleine sind noch lange nicht alle Probleme gelöst“, sagte Rauball.

          Ähnlich äußerte sich auch der ehemalige brasilianische Stürmerstar und Senator Romário: Der Rücktritt von Blatter sei die „beste Nachricht“ der vergangenen Zeit. Dies sei der Anfang einer neuen Ära im Weltfußball, schrieb der Weltmeister von 1994 via Facebook. Alle korrupten Funktionäre der Verbände, würden ihren Sturz wie einen „Tsunami“ erleben, sagte er voraus. „Ich hoffe jetzt, das Wasser dieser großen Welle reicht aus, um all die Korruption wegzufegen, die von der größten Einheit des Fußballs (Fifa) angeführt wurde“, betonte Romário, der in den letzten Jahren zu den größten Kritikern der Fifa gehörte.

          Der Fußball-Weltverband habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in eine Maschine verwandelt, der es nur noch ums Geld verdienen gegangen sei. „Dieses Interesse ging über die Mission des Fußballs, die Völker zu vereinen, soziale Barrieren einzureißen und Leidenschaften zu wecken. Jetzt ist es Zeit, dass wir diese soziale Mission wieder aufnehmen“, schrieb Romário weiter. Auch an die Adresse des brasilianischen Fußballverbandes CBF sandte der 49-Jährige eine klare Botschaft: „Ich hoffe ernsthaft, dass auch CBF-Präsident Marco Polo Del Nero zurücktritt.“

          Hussein lässt Neu-Kandidatur offen

          Auch Prinz Ali bin al-Hussein hat die Rücktrittsankündigung von Joseph Blatter als „richtigen Schritt“ bezeichnet. Ob der jordanische Verbandspräsident bei der Wahl auf einem außerordentlichen Kongress des Fußball-Weltverbandes abermals für das Amt des Fifa-Präsidenten bewerben wird, ließ Al-Hussein bei einem Gespräch mit dem Sender CNN offen. Der 39 Jahre alte Prinz hatte nach dem ersten Wahlgang am vergangenen Freitag seine Kandidatur zurückgezogen, Blatter hatte daraufhin seine fünfte Amtszeit antreten können.

          Ebenfalls positiv zum dem Rücktritt äußerte sich der ehemalige DFB-Präsident: „Die Entscheidung von Herrn Blatter wird dem Fußball helfen. Eine tiefgreifende Spaltung der Fifa konnte abgewendet werden“, sagte Zwanziger der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Zwanziger war bis Ende vergangener Woche als einziger deutscher Vertreter Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Nach Blatters Rücktritt sieht Zwanziger nun die Chance, „eine neue, gemeinsame Grundlage zu finden.“ Domenico Scala sei dafür der richtige Mann. „Allerdings wird es Zeit brauchen. Ich rechne noch mit weiteren Enthüllungen, vor allem zu den umstrittenen WM-Vergaben“, sagte Zwanziger weiter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach den britischen Wahlen : Mehr Blair fürs Volk

          Boris Johnson ist mit voller Wucht gegen die „rote Mauer“ des Labour-Herzlands gefahren und hat große Teile davon zum Einsturz gebracht. Warum fühlt man sich jetzt dennoch an einen früheren Labour-Premier erinnert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.