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Uli Hoeneß über Özil-Rücktritt : „Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist“

  • Aktualisiert am

Mesut Özil am 7. Juli 2016 in Marseille Bild: EPA

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß kritisiert den Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln scharf. Justizministerin Barley ist durch den Rücktritt aus der Nationalelf alarmiert. Türkische Politiker dagegen loben Özil für den Schritt.

          Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hat Mesut Özil nach dessen Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in drastischer Form kritisiert. „Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen“, sagte Hoeneß in einem Kreis von Reportern vor dem Abflug des deutschen Rekordmeisters in die Vereinigten Staaten.

          Die Entwicklung in unserem Land sei, so Hoeneß weiter, „eine Katastrophe. Man muss es mal wieder auf das reduzieren, was es ist: Sport. Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren.“ Vielmehr verstecke Özil „sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto“, sagte Hoeneß: „Seine 35 Millionen Follower-Boys – die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt – kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt.“

          Solidarität erhielt Özil unterdessen von Bayern-Profi Jérôme Boateng: „Es war mir eine Freude, Abi“, schrieb der Abwehrspieler des FC Bayern München am Montag via Twitter und verwendete dabei das türkische Wort für „Bruder“ (Abi). Mit zwei Hashtags erinnerte der 29 Jahre alte Boateng zudem an die Titelgewinne bei der U21-Europameisterschaft 2009 und bei der Weltmeisterschaft 2014, die er gemeinsam mit Özil im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes errungen hatte. Dazu stellte Boateng ein Foto, auf dem er neben einem lächelnden Özil fröhlich die Zunge herausstreckt. Auch das Titelbild seines Profils zeigte die beiden Spieler Arm in Arm vor einem Auftritt mit der DFB-Elf.

          Der Grünen-Politiker Cem Özdemir übte am Montag sowohl Kritik an Özil als auch am Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem internationalen Fußballverband Fifa. Zu Özils Rechtfertigung seines umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor der Weltmeisterschaft sagte Özdemir im Deutschlandfunk: „Für mich war das Foto falsch und es ist nach wie vor falsch.“ Wenn Özil das nun mit Respekt vor der Türkei und Erdogans Amt begründe, so frage er sich, wo der Respekt vor den Opfern von Erdogans Politik bleibe. Allerdings müsse dies auch für andere Vertreter des Fußballgeschäfts gelten. Konkret müssten sich der DFB und noch mehr die Fifa, die mit autoritären Herrschern wie Russlands Präsident Wladimir Putin Geschäfte machten, dieser Frage stellen. Wenn Özil sich beklage, dass in seinem Falle mit zweierlei Maß gemessen werde, „dann hat er recht“, sagte Özdemir.

          Rassismus „never ever“

          Zuvor hate der Bundestagsabgeordnete bereits der „Berliner Zeitung“ gesagt: „Es ist fatal, wenn junge Deutsch-Türken jetzt den Eindruck bekommen, sie hätten keinen Platz in der deutschen Nationalelf. Leistung gibt es nur in Vielfalt, nicht in Einfalt. So sind wir 2014 Weltmeister geworden. Und Frankreich jetzt.“ Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel dankte derweil Özil auf Twitter für dessen Leistungen im Nationalteam und ergänzte: „Und weil es um mehr geht: An alle Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Wurzeln: Wir gehören zusammen und wir akzeptieren Rassismus never ever.“

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