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Uli Hoeneß über Özil-Rücktritt : „Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist“

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NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU), die selbst türkische Wurzeln hat, sagte dem Blatt, Verbundenheit mit dem Heimatland der Eltern und Kritik an der Regierung würden sich nicht ausschließen. „Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben.“ Diesen Punkt scheine Özil aber „nicht verstanden zu haben“. „Die Einladung eines Autokraten auszuschlagen wäre nicht respektlos gewesen. Es hätte Haltung gezeigt“, sagte sie mit Blick auf das Treffen mit Erdogan. Özils Rechtfertigung zeige, „wie nötig eine echte Wertedebatte ist“.

Paul Ziemiak (CDU), Vorsitzender der Jungen Union, warf Özil vor allem politische Naivität vor. „Niemand Vernünftiges will, dass Mesut Özil seine Herkunft verleugnet. Aber zu behaupten, dass ein Foto mit Erdogan – mitten im türkischen Wahlkampf – ohne politische Absichten entstanden sei, ist naiv“, sagte er der „Bild“.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte, es sei gut, dass sich Özil endlich erklärt habe. „Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln“, müssten sich Spieler der Fußballnationalmannschaft aber auch „Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben“. Diese berechtigte Kritik dürfe aber „nicht in eine pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen“.

Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang  Bosbach hat die Kritik des zurückgetretenen Fußball-Nationalspielers Mesut Özil am DFB noch entschiedener zurückgewiesen. Der Rassismus-Vorwurf sei unverständlich, sagte Bosbach am Montag  im Inforadio vom rbb. Er kenne DFB-Präsident Reinhard Grindel seit  langem, dieser sei kein Rassist. Bosbach betonte, Özil habe mit seinem Foto mit dem türkischen  Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Wahlkampfhilfe für einen autoritären Politiker geleistet. „Jetzt versucht er, aufgrund der massiven Kritik wegen seines Treffens [...] und der Huldigung für Erdogan, sich als  Opfer des DFB darzustellen – oder der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland. Das ist doch wirklich grober Unfug.“ Abgesehen von dem Auftritt mit Erdogan sei Özil auch wegen seiner  Leistungen bei der WM in Russland kritisiert worden. Das habe nichts  mit seiner Herkunft zu tun. Bosbach: „Man muss doch einen Sportler  [...] kritisieren können, völlig unabhängig von Hautfarbe, Religion  oder seiner Herkunft. [...] Das hat doch nichts mit Rassismus zu  tun.“

Rassismus-Kritik: Parallelen zwischen Özil, Lukaku und Benzema

Mit seinem Gefühl, ein Opfer von Rassismus zu sein, steht Özil in der internationalen Fußballszene nicht alleine da – andere Stars mit Migrationshintergrund empfinden ähnlich. So schrieb der belgische Nationalspieler und WM-Teilnehmer Romelu Lukaku in einem Gastbeitrag für das Sportportal „The Players' Tribune“: „Wenn es gut lief, las ich Zeitungsartikel und sie nannten mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer. Wenn es nicht gut lief, nannten sie mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer kongolesischer Herkunft.“

Der französische Nationalstürmer Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, fasste seine Rassismus-Kritik ganz ähnlich zusammen: „Treffe ich, bin ich Franzose. Treffe ich nicht, bin ich Araber.“

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