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Uli Hoeneß über Özil-Rücktritt : „Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist“

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Kritisiert Özil: Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß

Bundesjustizministerin Katarina Barley sieht die Rassismus-Vorwürfe des zurückgetretenen Fußball-Nationalspielers Özil gegen den Deutschen Fußball-Bund als Signal für ein tieferliegendes gesellschaftliches Problem. „Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt“, schrieb die SPD-Politikerin am Sonntagabend auf Twitter.

Ein Bild, das Geschichte schreibt: Bundestrainer Joachim Löw, Mesut Özil, DFB-Präsident Reinhard Grindel, Nationalspieler Ilkay Gündogan und Teammanager Oliver Bierhoff beim Krisentreffen im Mai 2018

Mit beispiellosen Rassismus-Vorwürfen gegen Verbandschef Reinhard Grindel und andere DFB-Funktionäre hatte sich Özil zuvor aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurückgezogen. In drei via Twitter verbreiteten Stellungnahmen vom Sonntag schrieb der gebürtige Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln unter anderem: „In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren.“ Özils Forderung: „Leute mit rassistisch diskriminierendem Hintergrund sollten nicht länger im größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen, der viele Spieler aus Familien verschiedener Herkunft hat.“

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, er sei tieftraurig über Özils Entscheidung. Der DFB habe es vor der WM nicht geschafft, den Konflikt durch Gespräche schnell zu lösen. „Durch Fehler in der Kommunikation ist etwas passiert, das bei Migranten nie passieren darf: Sie dürfen sich nie als Deutsche zweiter Klasse fühlen“, bedauert Zwanziger. „Der Rücktritt von Mesut Özil ist für die Integrationsbemühungen in unserem Land über den Fußball hinaus ein schwerer Rückschlag.“

Türkischer Justizminister: „das schönste Tor gegen den faschistischen Virus“

Unterdessen haben sich türkische Regierungspolitiker auf die Seite des Fußballers geschlagen. Sportminister Mehmet Kasapoglu schrieb am Sonntagabend auf Twitter: „Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen.“ Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte dem gebürtigen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln, weil dieser mit seinem Rücktritt das „schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen“ habe.

Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten wieder treffen würde: „Ein herausragender Fußballer hat eine völlig überzeugende Begründung für sein Treffen mit Präsident Erdogan geliefert.„ Weiter schrieb er auf Twitter: „Aber stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war. Wo sind Höflichkeit, Toleranz, Pluralismus geblieben...?!“

Zuvor hatte der Spielmacher des FC Arsenal die im Mai entstandenen Fotos mit Erdogan, die seither hitzig debattiert werden, vehement gegen alle Kritik verteidigt.

Unionspolitiker: klares Bekenntnis zu Werten nötig

Politiker der Union haben ein Bekenntnis Özils zur freiheitlichen Ordnung gefordert. „Niemand muss oder soll Wurzeln verleugnen, freilich wünsche ich mir schon auch ein deutliches Bekenntnis für das neue Heimatland, sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) der „Bild“-Zeitung. Er wünsche sich „ein klares Bekenntnis zu unseren Werten… gerade gegenüber jemandem“ wie Recep Tayyip Erdogan, sagte er mit Blick auf das umstrittene Treffen Özils mit dem türkischen Staatschef.

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