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Reaktionen auf Coming-out : „Ich find’s Hammer“

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Hitzlsperger schoss in 52 Länderspielen sechs Tore

Auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) nahm das Coming-out von Hitzlsperger positiv auf. „Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen, insbesondere für junge schwule Fußballer, dass sie sich zu ihrer Identität bekennen können und kein Versteckspiel führen müssen“, sagte stellvertretend Jörg Steinert, der Geschäftsführer vom LSVD Berlin-Brandenburg der Nachrichtenagentur dpa. Steinerts Landesverband widmet sich im LSVD traditionell besonders dem Thema Homophobie im Fußball.

Steinert betonte, es gehe darum, dass sich junge Männer in einem oft als schwulenfeindlich empfundenen Umfeld wohlfühlen könnten und nicht verstellen oder gar lügen müssten. LSVD-Sprecher Axel Hochrein sagte laut Mitteilung: „Offene Worte, Flanke und Treffer: Für uns das Tor des Monats! Das öffentliche Bekenntnis Hitzlpergers zu seiner Homosexualität rüttelt an einem der größten Tabus im Profifußball. Es ist ein sehr wichtiger Schritt, um die Diskussion zu beleben und wird für die nächste Generation von Fußballern von großer Bedeutung sein.“

Mit der Nationalelf stand er im EM-Endspiel 2008

Der Chefredakteur des Schwulenmagazins „Männer“ und katholische Theologe David Berger sieht im Coming-out von Hitzlsperger nur einen Anfang. „Das Coming-out erfolgte erst nach seiner Karriere als aktiver Profi-Fußballer - das Coming-out eines aktiven Profi-Fußballers steht noch aus“, gab Berger zu bedenken. Fußball sei nach wie vor eine Domäne, „in der die typischen ungerechten und falschen Vorurteile gegen Schwule wuchern: Unmännlichkeit, Schwäche, fehlendes Durchsetzungsvermögen.“

Nun bröckelten diese Vorurteile, erklärter Berger, der bis zu seinem Coming-out als katholischer Spitzentheologe an einer päpstlichen Akademie in Rom lehrte. „Wichtig ist jetzt, dass sich der DFB klar hinter Hitzlsperger stellt.“ Nur dann könne er zum Vorbild für junge Fußballer werden. Außerdem betonte Berger: „Man kann schwul und - nicht trotzdem, sondern gerade deshalb, weil man schwul ist und dazu mutig und selbstbewusst steht -, ein guter Fußballer sein.“

Die erfolgreichste Zeit in der Bundesliga hatte Hitzlsperger in Stuttgart

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gratulierte. „Er setzt mit seiner Sichtbarkeit ein Zeichen, auf das viele Menschen gewartet haben. Ein Zeichen, dass schwule und lesbische Sportlerinnen und Sportler auf allen Ebenen des Sports aktiv sind - auch im Profisport“, sagte Jörg Litwinschuh, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung, laut Mitteilung. Litwinschuh betonte: „Von den öffentlichen Reaktionen wird es abhängen, ob nun weitere Spieler und Spielerinnen - auch in anderen Sportarten - den Weg wagen, zu dem ich sie ermutigen möchte.“

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld wurde im Sinne eines kollektiven Ausgleichs für homosexuelle Opfer in der deutschen Geschichte gegründet. Sie soll mit interdisziplinärer Forschung und Bildung der Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen entgegenwirken. Benannt ist sie nach dem Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung, der 1935 im französischen Exil starb. Die Stiftung war auch Initiatorin der „Berliner Erklärung vom 17. Juli 2013. Gemeinsam gegen Homophobie, für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz im Sport“.

Mit dem VfB gewann er 2007 die deutsche Meisterschaft

Der frühere Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) lobte Hitzlsperger. „Dieser Mut verdient größten Respekt“, sagte Westerwelle „Zeit online“. Er fügte hinzu: „Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist.“ Westerwelle sagte, er erhoffe sich von Hitzlspergers Entscheidung, seine Homosexualität öffentlich zu machen, „Ermutigung, Respekt und Anerkennung für die vielen, die im Hinblick auf ihre gleichgeschlechtliche Orientierung noch mit sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft ringen“. Westerwelle hatte seine Homosexualität bereits vor Jahren bekanntgemacht.

Der Grünen-Politiker Volker Beck lobte Hitzlsperger ebenfalls für sein Outing. „Ich habe großen Respekt“, sagte Beck, der selbst einer der ersten bekennenden Schwulen im Bundestag war, am Mittwoch in Berlin. Im männlichen Profi-Fußball sei Homosexualität leider immer noch ein Tabu. „Ich hoffe, dass Hitzlspergers mutiger Schritt dazu beiträgt, dass dieses Tabu endlich fällt. Es ist jetzt Aufgabe des DFB, aktiven Spielern Mut zu machen!“ Schade sei allerdings, dass das Outing erst nach Beendigung von Hitzlspergers aktiver Karriere möglich gewesen sei.

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