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Fußball-Talentreport (4) : Der neue Maßstab heißt RB Leipzig

Bei RB Leipzig gibt es derzeit eigentlich zwei Jugendabteilungen. Die eine beginnt mit Jahrgang 1997. Das ist der erste Jahrgang, der komplett mit dem Konzept von RB groß geworden ist. Und dann all diejenigen, die älter sind. Diese Jungs wurden vor allem geholt, um die Mannschaften in allen Altersklassen so schnell wie möglich nach oben zu bringen - um dann von dort mit anderen Spielern mit dem eigentlichen System von RB zu starten. „Wir haben damit im Jahrgang ’97 angefangen. Diese Spieler sind jetzt im jüngeren A-Jugendjahrgang. Dann wird man die Entwicklung sehen“, sagt Albeck. „Dann werden wir auch die Durchlässigkeit deutlich erhöhen können. Die anderen Spieler waren einfach noch nicht so darauf vorbereitet - und deswegen mussten wir noch bessere Spieler dazuholen, die die Form des Trainings und des Spiels gewohnt waren.“

Sportdirektor Rangnick schwärmt von der Leipziger Idee

Die ersten Jahrgänge, die keine große Aussicht auf eine Karriere im Profifußball besitzen, sind der Preis für eine bessere RB-Welt, die es aber noch nicht gibt. Es liegt vermutlich auch an diesen beiden Welten - der realen und der erhofften -, weshalb die Konkurrenz den Klub so heftig kritisiert. Und die RB-Macher das vielleicht wirklich nicht verstehen. Die Kritiker sehen die aktuelle Wirklichkeit, in der ihnen die besten jungen Spieler abspenstig gemacht werden - aber kaum einer von ihnen den Sprung in den Profifußball geschafft hat. Schrof, Albeck und Sportdirektor Rangnick jedoch denken ihr Projekt vom Ende her. In ihren Köpfen existiert schon die bessere Fußballwelt, die in Leipzig erst noch entstehen soll.

Es scheint bei RB keinen Zweifel zu geben, dass sich ihr System irgendwann als das überlegene System erweisen wird. Sportdirektor Rangnick schwärmt schon von der Idee, Profifußball mit universitärer Bildung in Leipzig zu verbinden. Man will Neuland betreten, mal wieder. „Als ich im März 2011 zum zweiten Mal Trainer beim FC Schalke 04 wurde, war Julian Draxler auf Initiative von Felix Magath gerade drauf und dran, die Schule abzubrechen.

RB Leipzig soll Maßstäbe in der Nachwuchsarbeit setzen: Sportdirektor Ralf Rangnick

Das konnten wir damals gerade noch verhindern, und er hat im Jahr darauf dann auch sein Fachabitur gemacht“, sagt Rangnick. RB Leipzig dagegen will irgendwann seine Spieler nicht nur in dem Wunsch unterstützen, wenn sie selbst neben dem Profifußball studieren wollen - oder eine duale Berufsausbildung anstreben. Der Klub will den jungen Leuten diese Möglichkeiten sogar ganz aktiv anbieten. Der erhoffte Effekt: Die Spieler würde dann etwas Vernünftiges in ihrer Freizeit machen - und der Übergang zum normalen Leben würde harmonischer verlaufen. Aber das ist in Leipzig bisher nur Vision.

Ganz sicher ist sich der Klub dagegen, dass die jungen Spieler wenigstens physisch wie psychisch das extrem anstrengende Pressing-Spiel verkraften. Dass sie nicht, wie Kritiker mahnen, zu schnell und zu früh verbraucht werden in einem System, das immer neue und frische Spieler fordere. „Je früher ich das mache, desto mehr Spieler sind das gewohnt. Wenn wir damit in der U8 beginnen, werden wir in zwei, drei Jahren entsprechend besser vorbereitete Spieler haben. So wird es auch im Profibereich fortgeführt werden. Das hat aber bisher noch niemand so gemacht“, sagt Albeck. Man müsse jedoch dafür sorgen, dass zwischen dieser Reizsetzung mit den hohen Belastungen und den regenerativen Phasen die nötige Ausgewogenheit entstehe. Aber da, so räumt er ein, müsse auch RB Leipzig noch Erfahrung sammeln. „Wir sehen Nachwuchsarbeit als Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Es ist immer eine Frage der Forschung: Wie kann man noch bessere Spieler entwickeln?“ sagt Albeck. „Aber wir sind überzeugt: Unser Weg ist genau der Weg, der die Spieler der Zukunft auf den Markt bringen wird.“

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