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RB-Geschäftsführer Mintzlaff : „Wie krank ist das eigentlich?“

  • Aktualisiert am

Oliver Mintzlaff ist bedrückt. Bild: dpa

Oliver Mintzlaff weist die Vorwürfe zurück, dass man sich in Leipzig nicht für einen Boykott des Spiels gegen Spartak Moskau eingesetzt hat. Markus Gisdol tritt als Trainer von Lokomotive Moskau zurück.

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          Geschäftsführer Oliver Mintzlaff von RB Leipzig hat hochemotional auf die Kritik an Rasenballsport im Zuge der Debatte um das abgesetzte Achtelfinale in der Europa League gegen Spartak Moskau reagiert. „Da wird dann auch immer schnell geschossen. Und dann ist für mich die Frage: Was will ich denn damit bezwecken? Will ich damit das Klischee bedienen, dass RB Leipzig ja nur ein Konstrukt ist und nur Geld verdienen will? Und nur seine Marke pushen will. Da kann ich dann halt nur mit dem Kopf schütteln“, sagte Mintzlaff am Dienstag.

          Europa League

          Im Laufe der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwoch (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, sowie bei Sport1 und Sky) beim Zweitligaklub Hannover 96 schossen dem 46-Jährigen die Tränen in die Augen. „Uns hat das hier auch alles betroffen. Uns hat das auch extrem beschäftigt. Und ich bin auch emotional angegriffen. Und wenn man dann natürlich so viel Scheiße liest, dann ist das manchmal schon so, dass man sich fragt: Wie krank ist das eigentlich?"

          Mintzlaffs Klub war zuletzt in die Kritik geraten, nachdem sich RB bis dato nicht öffentlich für einen Boykott der Partien gegen Moskau ausgesprochen hatte. Am Montag hatte die Europäische Fußball-Union (UEFA) wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine alle Mannschaften des Riesenreichs von ihren Wettbewerben ausgeschlossen. Folglich wurden auch die für 10. und 17. März geplanten Achtelfinalspiele Leipzigs abgesagt, Rasenballsport steht kampflos im Viertelfinale.

          Anfrage bei der UEFA

          Dass sich die Leipziger erst jetzt zu Wort meldeten, erklärte Mintzlaff mit dem gemeinsamen Vorgehen mit der UEFA. So habe Mintzlaff nach der Auslosung am vergangenen Freitag mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin Kontakt aufgenommen. Jener habe dem Geschäftsführer von Rasenballsport Leipzig mitgeteilt, dass die UEFA selbst als Ausrichter der Europa League die Entscheidung treffen wolle.

          Mintzlaff habe danach, so sagte er, schon auf eine Entscheidung am Sonntag gedrängt, wobei Ceferin auf die Sitzung des Exekutivkomitees am Montag verwiesen habe. Ferner betonte Mintzlaff, „dass wir natürlich mit Aleksander Ceferin gesprochen haben und gesagt haben: ‚Unter den Voraussetzungen können wir nicht spielen. Und wir bitten jetzt die UEFA, uns hier zu unterstützen.‘ Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätten wir natürlich auch selber unsere Entscheidung getroffen“.

          Zudem habe Mintzlaff sein Vorgehen auch mit Donata Hopfen, der neuen Geschäftsführerin der Deutschen Fußball Liga (DFL), abgestimmt. „Wir haben auch mit der DFL darüber gesprochen. Und die DFL hat auch gesagt: ‚Das ist der völlig richtige Weg. Geht den mit der UEFA und Aleksander Ceferin.’ Das hat sich für uns gut angefühlt und das fühlt sich auch retroperspektivisch gut an. Sonst könnte ich hier auch sitzen und sagen: ‚Ne, das war richtig scheiße, was wir hier gemacht haben.‘ Und das sehen wir nicht so.“

          Nach dem Gegenwind für RB Leipzig kritisierte Mintzlaff auch die Medien. „Wenn ich Journalist wäre, hätte ich mal gefragt: Warum findet dann überhaupt noch ein Fußballspiel statt, wenn Krieg ist? Das ist doch mal die Frage“, sagte er: „Warum findet dies statt und jenes statt? Das sind doch mal Fragen, die könnten wir uns doch auch eher nochmal alle stellen. Ob wir in der jetzigen Situation überhaupt Fußballspiele spielen können.“

          Auch Markus Gisdol, bisheriger Trainer von Lokomotive Moskau, ist nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine zurückgetreten. „Fußballtrainer ist für mich der schönste Job der Welt. Ich kann meiner Berufung aber nicht in einem Land nachgehen, dessen Staatsführer einen Angriffskrieg mitten in Europa verantwortet“, sagte der 52-Jährige der Bild: „Das geht mit meinen Werten nicht überein.“

          Der langjährige Bundesligatrainer hatten den Posten beim Tabellensiebten erst im Oktober angetreten. „Ich kann nicht in Moskau auf dem Trainingsplatz stehen, die Spieler trainieren, Professionalität einfordern und ein paar Kilometer weiter werden Befehle erteilt, die großes Leid über ein gesamtes Volk bringen. Das ist meine persönliche Entscheidung und hiervon bin ich absolut überzeugt“, sagte Gisdol. Als Interimstrainer soll nun der frühere Bundesliga-Profi Marvin Compper das Team auf die Spiele in der russischen Premjer Liga und im Pokal betreuen, kündigte der Hauptstadtkub in einer dreizeiligen Mitteilung an.

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