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Bundesliga-Kommentar : Die Menschen hinter den Millionen

  • -Aktualisiert am

Leipzigs Aufstieg belegt, wie komplex die Leistungssportplanung ist und wie populistisch das Geldargument benutzt wird. Bild: AFP

Die Bayern sind nicht der Jungbrunnen für eine spannende Bundesliga. Diesen Job hat ein anderer Verein übernommen – und der könnte schaffen, woran andere zuletzt scheiterten.

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          Dortmund von den Bayern abgezogen, als wär’s ein Trainingsspiel. Das mag eine überzogene Einschätzung sein. Aber das sogenannte Top-Match der Bundesliga erfüllte – fast wie erwartet – nicht die hohen Ansprüche der Fußball-Ästheten an beide Teams. Dortmund hat es nicht geschafft, in der Umbruchphase mit seinem gegenwärtig gebeutelten „Jugendkader“ auf Augenhöhe zu bleiben, die hohe Kunst der kontinuierlichen Spitzenklasse zu pflegen. Das Einzige, was vorerst von diesem so fesselnden, funkensprühenden Klassiker vergangener Tage übrig bleibt, ist der klassische Leitsatz der Bundesliga: Wo die Bayern stehen, ist oben.

          Der Blick auf Haben und Soll als Erklärung für die Leistungsdifferenz über Jahrzehnte ermüdet. Die Bayern haben sich ihre Position als Krösus erarbeitet und scheinen offenbar in der Lage, mit dem Vermögen gewinnbringender umgehen zu können als andere. Dazu gehört wohl auch das Feingefühl, den älteren Herren des Spielgeschäfts ein wohliges Umfeld für einen zweiten Frühling zu schaffen. Wird der ewige Robben mit dem ewig gleichen, leichtfüßigen wie spritzigen Zug von rechts nach innen bis zum Treffer eigentlich gar nicht älter in dieser Knochenmühle?

          Die Bayern sind nicht der Jungbrunnen für eine spannende Bundesliga. Das ist auch nicht ihre Aufgabe. Diesen Job hat Leipzig von Dortmund übernommen, na klar, die Neureichen, gepäppelt vom Brause-Millardär Dietrich Mateschitz. Der wehrt sich gegen diesen abschätzigen Stempel in der „Vorarlberger Tageszeitung“ mit einem bissigen Kommentar: „Unser eigentliches Verbrechen besteht nicht darin, dass wir Fußball spielen, sondern darin, dass wir Erfolg haben.“

          Und zwar mit „Rekruten“ gegen „römische Söldner“, mit einem „günstigeren Team“ gegen die Etablierten unterhalb der Münchener Extraklasse. Leipzig wird wohl Kronprinz werden in dieser Saison, in der kommenden Champions League spielen. Und in zwei Jahren? Vielleicht den Bayern Paroli bieten, das schaffen, woran andere mit höherem Budget zuletzt scheiterten: der Bundesliga Spannung im Kampf um den Titel verschaffen.

          Leipzigs Aufstieg belegt, wie komplex die Leistungssportplanung ist und wie populistisch das Geldargument benutzt wird. Die Kritik an solchen Aufsteigern geht einher mit einer Respektlosigkeit gegenüber Trainern und Managern, die ihre Ressourcen intelligent und geschickt nutzen. Dass ein Millionenüberschuss nicht immer ausreicht, eine Dominanz zu halten, wird just ausgerechnet in der Formel 1 bewiesen. Ferrari ist mit einem geringeren Etat der Sprung auf das Niveau von Mercedes gelungen.

          Und das in einer Branche, in der die Freiheiten, Geld einzunehmen, (noch) grenzenlos gelten. Während die Formel 1 an einer Budgetdeckelung arbeitet, treibt die Bundesliga der Auflösung der 50+1-Regel zu, also auf die Zulassung von vereinsfremden Mehrheitseignern. Der Spielraum für die kreativen Gestalter des Fußballs würde zunächst erweitert. Und mit ihm das Risiko, ganz wie in jedem Wettbewerb auf höchstem Niveau. Grandios gescheitert trotz viel Geld in den Händen wird ja heute schon, zum Beispiel in Wolfsburg. Gestern noch von der Champions League geträumt, heute schon im Kampf gegen den Abstieg. Das ist ein Klassiker des Sports.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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