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Rassismus in der Champions League : „Ich bin richtig sauer“

  • Aktualisiert am

Yaya Toure von Manchester City beschwert sich über Rassismus in Moskau Bild: AP

Nach rassistischen Attacken gegen Kapitän Yaya Touré beim Champions-League-Spiel in Moskau beschwert sich Manchester City offiziell bei der Uefa. Fremdenfeindlichkeit gilt im Land des WM-Gastgebers von 2018 seit längerem als Problem.

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          Die Uefa-Botschaft „Nein zum Rassismus“ auf seiner Kapitänsbinde wirkte für Yaya Touré wie eine hohle Losung. Wütend beschwerte sich der Mittelfeldstar von Manchester City während des Champions-League-Spiels in der Moskauer Chimki-Arena beim Schiedsrichter über Affenlaute und Beschimpfungen aus dem Publikum.

          Und das mitten in der Anti-Rassismus-Aktionswoche, die gemeinsam von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und dem Netzwerk Fare ausgerufen worden war. „Ich bin nicht nur enttäuscht, ich bin richtig sauer“, sagte der Nationalspieler der Elfenbeinküste.

          „Es ist immer das Gleiche, das ist sehr traurig“, klagte Touré nach dem 2:1-Sieg des Gruppengegners des FC Bayern München bei ZSKA Moskau am Mittwochabend. Direkt nach Schlusspfiff protestierten Offizielle von ManCity wegen der Vorkommnisse bei den Uefa-Delegierten. Noch am Donnerstag wollte der Premier-League-Verein auch schriftlich beim Dachverband Beschwerde einlegen. ZSKA wies die Vorwürfe dagegen als unbegründet zurück. Am Abend vermeldete dann der britische Fernsehsender Sky Sport, dass die Uefa ermitteln werde. Der Kontroll- und Disziplinarausschuss soll sich am 30. Oktober mit der Angelegenheit befassen.

          Referee Ovidiu Hategan nahm die Vorfälle in seinen Spielbericht auf, der an die Uefa-Disziplinarkommission geht. Weil der Rumäne das Spiel zuvor trotz Tourés Beschwerde weder unterbrochen noch eine Durchsage im Stadion veranlasste hatte, forderte das englische Anti-Rassismus-Projekt „Kick it out“ am Donnerstag Konsequenzen. „Dieser Referee sollte kein Spiel mehr leiten. Er hat seine Pflicht nicht erfüllt, mit dieser Sache sollte sich die Uefa befassen“, erklärte „Kick it out“-Präsident Lord Herman Ouseley dem BBC-Radio.

          „Sie müssen jetzt reagieren“

          Die Profivereinigung Fifpro schloss sich der Kritik an. „Wir sind sehr enttäuscht, dass klar festgelegte Abläufe, die im Umgang mit diesen Situationen vorgesehen sind, nicht in Gang gesetzt wurden“, sagte Fifpro-Europachef Bobby Barnes am Donnerstag in Ljubljana.

          Fifpro, „Kick it out“ und Fare lobten Touré dafür, dass er direkt zum Schiedsrichter gegangen war. ZSKA müsse von der Uefa bestraft werden. Möglich sei zumindest ein Teilausschluss des Publikums. Touré forderte ein hartes Durchgreifen der Uefa: „Sie müssen jetzt reagieren, sie müssen das stoppen. Vielleicht müssen sie das Stadion für ein paar Spiele oder sogar ein paar Jahre sperren.“

          „Er hat wohl etwas überreagiert“

          Manchesters Trainer Manuel Pellegrini fühlte mit seinem Schützling. „Es ist schade, dass jemand solche dummen Sachen macht. Es ist schade für Yaya, schade für diese Stadt“, meinte der Chilene. Die Moskauer hingegen wehrten sich und erklärten, beim intensiven Studium der Videobilder von der Partie „keine rassistischen Beleidigungen von ZSKA-Fans gegen die Gäste feststellen“ zu können.

          Die Pfiffe, Buhrufe und andere Laute aus dem Publikum hätten lediglich darauf abgezielt, die Spieler des Gegners zu verunsichern. Es sei unklar, warum Touré dies persönlich genommen habe. ZSKA-Profi Seydou Doumbia, der ebenfalls von der Elfenbeinküste stammt, wurde mit den Worten zitiert: „Mein ivorischer Nationalmannschaftskollege hat offenbar etwas überreagiert.“

          Geisterspiel und Geldstrafe

          Bei internationalen Sportfunktionären gilt die verbreitete Fremdenfeindlichkeit im Gastgeberland der WM 2018 und der Olympischen Winterspiele 2014 allerdings seit längerem als Problem. Immer wieder gibt es rassistische Vorfälle wie Bananenwürfe gegen dunkelhäutige Fußballer. Bei Hetzjagden auf Migranten sind oft Fußball-Hooligans beteiligt. „Der russische Verband und die Regierung müssen sicherstellen, dass diese Zwischenfälle aufhören. Das passiert zu häufig“, sagte Jim Boyce, Vizepräsident des Weltverbands Fifa.

          Die Uefa hatte erst im Mai härtere Sanktionen im Kampf gegen Rassismus beschlossen. Als Konsequenz für Rassismus auf den Tribünen wurden zuletzt mehrere Klubs zu Geisterspielen oder saftigen Geldstrafen verurteilt.

          „Wir haben alle genug gesagt“

          Vor den Europapokal-Spielen dieser Woche gewährte die Uefa der Anti-Rassismus-Kampagne von Fare eine Plattform. Die Spieler zeigten vor Anpfiff Kärtchen mit der Aufschrift „Kein Rassismus“, großflächig wurde das Wort „Respekt“ in den Stadien plakatiert. „Blablabla“, schimpfte Touré im ersten Zorn in Moskau. Der verletzte City-Kapitän Vincent Kompany, den Touré in der Chimki-Arena vertrat, twitterte an die Adresse der Uefa: „Wir haben alle genug gesagt.“

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