https://www.faz.net/-gtl-77x4n

Rassismus beim Fußball : Onukogus Sperre aufgehoben

Ende eines Spiels: Der Schiedsrichter bricht die Partie ab, Ikenna Onukogu geht, gegnerische Spieler schalten sich ein Bild: WAZ FotoPool

Im Rassismus-Fall am Niederrhein gibt es eine neue Entwicklung. Der Fußballverband Niederrhein hebt die vorläufige Sperre gegen den Nigerianer Ikenna Onukogu auf. Doch die Diskussionen gehen weiter

          Der Fußballverband Niederrhein hat die vorläufige Sperre gegen den Nigerianer Ikenna Onukogu aufgehoben. Der Torhüter des Bezirksligaklubs Hertha Hamborn war nach einem Spielabbruch, dem rassistische Beleidigungen durch Zuschauer und nach dessen eigenen Angaben auch ein Flaschenwurf vorausgegangen waren, vom Verband mit einer Sperre „zur Sicherung des Sportverkehrs“ bis zur Verhandlung am 4. April belegt worden. „Aufgrund der nunmehr nachträglich bekanntgewordenen Begleitumstände hat der Bezirksspruchkammervorsitzende die vorläufige Sperre gegen Ikenna Onukogu aufgehoben“, teilte der Verband in einer Stellungnahme auf seiner Homepage mit.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Über den Fall war in regionalen Medien schon vor der vom Verband ausgesprochenen Sperre berichtet worden, aber erst danach sorgte der Vorfall auch bundesweit für Aufmerksamkeit. Am Sonntag durfte Onukogu im Derby gegen den TSV Bruckhausen wieder spielen. Das Präsidium des Verbands hat zudem ein Verfahren bei der Bezirksspruchkammer gegen den gastgebenden Verein Dostlukspor Bottrop eingeleitet, dessen Zuschauer für die rassistischen Beleidigungen verantwortlich gemacht werden. Der Schiedsrichter hatte in seinem Sonderbericht zum Spielabbruch keine rassistischen Äußerungen erwähnt. Das Verfahren wegen des Spielabbruchs werde „damit die gesamten Umstände zu verhandeln haben, die zum Abbruch geführt haben“, einschließlich des Vorwurfs des Rassismus, so der Verband.

          Der Vorsitzende von Dostlukspor, Nuh Arslan, hat unterdessen auf dem Portal „Auf’m Platz“ bestritten, dass es bei dem Spiel zu rassistischen Äußerungen gekommen sei. „Es gibt keine Beweise dafür, dass rassistische Äußerungen gefallen sind. Und wenn es ein Zuschauer gewesen sein sollte, gibt es keinerlei Anzeichen, dass er zu unserem Verein gehört. Sollte es jemals vorkommen, dass ein Mitglied unseres Vereins jemanden rassistisch beleidigt, dann fliegt er hochkant aus unserem Verein“, sagte Arslan. Er sehe nicht ein, dass sein Klub, der viel soziales Engagement betreibe, in den Schmutz gezogen werde.

          Der Vorsitzende widersprach damit auch den Äußerungen seines Trainers, der in einer ersten Stellungnahme gegenüber Medien erklärt hatte, er sei „schockiert über die Dinge, die sich während dieser Begegnung abgespielt haben“. Vom Verhalten der eigenen Zuschauer distanziere er sich. „Leider ist es nicht das erste Mal, dass so etwas im Umfeld dieses Vereins passiert. Diese Unverbesserlichen machen die gesamte Arbeit kaputt.“ Er wolle den Verein zum Saisonende verlassen. Torhüter Onukogu sagte, die Behauptung, es habe keine rassistischen Äußerungen gegeben, sei ein Witz. Der Präsident von Hertha Hamborn, Birken, kündigte an, mit der gesamten Mannschaft und einigen Zuschauern als Zeugen neben den ohnehin geladenen Personen bei der Verhandlung zu erscheinen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Diese Demonstranten am Stuttgarter Flughafen wollen die Menschen vom Fliegen abhalten.

          Klimaschutz : Vertraut nicht den Verboten!

          Im Kampf um das Klima gibt es viele Einzelideen. Sie versperren den Blick auf das Notwendige: ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dafür gilt: Lieber gründlich als überhastet.
          Formiert sich gerade eine breite politische Front gegen Salvini? Der italienische Innenminister strebt weiter Neuwahlen an.

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.