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Rasen Ball Leipzig : Versprechen einer blühenden Fußball-Landschaft

Michael Kölmel ist der Besitzer des Leipziger Stadions. Er hat seit vielen Jahren in den Leipziger Fußball investiert, aber die rivalisierenden Traditionsklubs FC Sachsen (in der Insolvenz) und Lok Leipzig sind weit entfernt vom Profifußball. Red Bull könnte nun der Partner sein, der dem Leipziger Fußball den entscheidenden Kick gibt. An der Zuverlässigkeit und der langfristigen Ausrichtung der Österreicher hat Kölmel keinen Zweifel. Auch in der Formel 1 hat Red Bull sich über die Jahre nach vorne gearbeitet, in Leipzig ist von Planungszeiten über Generationen die Rede. Der Vertrag über die Namensrechte für das Stadion soll mindestens bis zum Jahr 2030 laufen – mit einer Option auf Verlängerung.

„Wir haben 1000 Fans verloren, aber 20.000 gewonnen“

Schon die Vorarbeiten sprechen für ein nachhaltig angelegtes Projekt. Über drei Jahre hat sich das Unternehmen in Leipzig und Umgebung nach einem Klub umgeschaut. In Markranstädt können sie ihre Vorstellungen umsetzen. Das heißt für Red Bull: „Wir wollen von Beginn an gestalten.“ Beim FC Sachsen war das nicht möglich. Es ist nun viel die Rede von einer offenen Partnerschaft, von der alle profitieren sollen – der Übernahmepartner aus Markranstädt, die Stadt Leipzig, die Menschen in der Region, sogar die Leipziger Fußballkonkurrenz und natürlich Red Bull. Aber schon sind Werbebanden im derzeitigen „Stadion am Bad“ von Markranstädt beschmiert worden von Gegnern der Übernahme. Dem Rasen wurde mit Unkrautbekämpfungsmittel zugesetzt. Die lokalen Widerstände haben die „global player“ jedoch einkalkuliert. Das werde sich beruhigen, glauben sie.

In Salzburg war das einst viel schlimmer. Dort schlossen sie dann gewaltbereite Anhänger nach dem Einstieg aus. „Wir haben 1000 Fans verloren, aber 20.000 gewonnen“, sagt der Sprecher. Da sieht die Sache in Leipzig tatsächlich besser aus. Eine Umfrage der „Leipziger Volkszeitung“ ergab, dass siebzig Prozent den Einstieg von Red Bull begrüßen. Auch Oberbürgermeister Burkhard Jung unterstützt den „dritten Weg“ in Leipzig. Es ist die große Sehnsucht nach Profifußball, die in Leipzig unbedingt gestillt werden will. Die Nachwuchsförderung ist zentraler Bestandteil des Konzepts von Red Bull. Das Nachwuchszentrum des FC Sachsen will der Konzern daher auch erhalten, nicht einfach wegkaufen. Aber wer am Ende bestimmt, wo es langgeht, ist auch in diesem Fall klar: die Jungs, die dem Leipziger Fußball Flügel verleihen wollen.

„Das Verhältnis Österreich - Deutschland ist 1:10

Sie werden das mit der Power ihrer internationalen Aktivitäten tun. Aus den Fußballakademien von Red Bull in Ghana und Brasilien sollen irgendwann junge Spieler integriert werden, sagt der Sprecher. „RB Leipzig ist eine Unterstreichung unseres Fußballengagements.“ Man kann auch sagen: der fehlende Teil einer weltweiten Fußball-Wertschöpfungskette. Bisher gibt es das Kürzel RB noch in Salzburg und New York. Der große europäische Fußballmarkt lässt sich so aber nicht erobern.

Die Europa League ist mit Salzburg zwar eine realistische Vorgabe, die Champions League jedoch ein nicht planbares Ziel, wie der Sprecher zugibt. Aber genau das strebt Red Bull an: planbaren Erfolg auf höchstem Niveau. „Das Verhältnis Österreich – Deutschland ist 1:10. Das gilt für alles“, sagt er. Mit anderen Worten: Mit dem Einstieg in Deutschland ist endlich der Markt gefunden, der auch Red Bull beflügelt. Leipzig als Tor nach Europa. Das ist ein Plan, der wie ein Zaubertrank auf Leipzig und die ganze Region wirken soll.

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