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Rapper Marteria : „Es steckt so viel Wahnsinn im Fußball“

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„Beim Fußball agiert man in einem System, das ist viel einfacher”: Rapper Marteria Bild: Four Music

Der Rapper Marteria war Jugend-Nationalspieler und hatte das Zeug zum Profi. Dann gab der Rostocker einen Traum für einen anderen auf. Er entschied sich für die Musik. Ein Gespräch über große und kleine Bühnen, über Gewalt und über die Liebe der Fans zu ihrem Verein.

          Fußball, Modeln, Rappen, Schauspielen - auf welcher Bühne ist der Kick am größten?

          Beim Musikmachen. Wenn so viele Leute kommen, um einen zu sehen, wenn man mit etwas Eigenem Menschen berührt, Gefühle freisetzt. Beim Fußball geht es weniger um den Einzelnen, mehr um das Team, um den Stolz der Mannschaft. Beim Modeln bist du nur eine Marionette, das hat mit Emotionen nicht viel zu tun.

          Man geht raus auf die Bühne und raus auf den Platz - ist das vergleichbar?

          Beim Fußball bist du am Anfang wahnsinnig konzentriert und wahnsinnig aufgeregt. Das ist ähnlich wie auf der Bühne, aber das legst du schnell ab. Wenn ich als Musiker auf der Bühne einen Fehler mache, ist das nicht schlimm. Wenn ich mich versinge, verrappe, akzeptieren meine Fans diese Schwäche, diesen Fehler. Viel schlimmer ist es bei der Schauspielerei. Je weniger Zuschauer, desto schwieriger wird es. Wenn in einem kleinen Theater fünfzig Leute sitzen und du zweieinhalb Stunden Faust spielst und diesen Textwahnsinn im Kopf hast, immer aufpassen musst, dass du keinen Fehler machst, und dann siehst du noch deine Mutti da sitzen, dann bist du hundertmal aufgeregter als in einem Stadion. Beim Fußball agiert man in einem System, das ist viel einfacher.

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          Mit 28 sind Sie im besten Fußballeralter. Bedauern Sie, dass Sie heute nicht bei einem großen Klub spielen? Sie galten in der Jugend als Riesentalent, waren Hansa-Kapitän, haben gegen Arsenal und Manchester gespielt und gewonnen, waren U-17-Nationalspieler.

          Es gab Zeiten, in denen ich meine Entscheidung bereut habe. Das war, als ich den Traum vom Fußball aufgegeben hatte, um in New York zu modeln - und dann gemerkt habe, das ist nichts für mich.

          Von Rostock nach Manhattan - wie ist es dazu gekommen?

          Ich war 17 und habe meine Schwester in New York besucht, sie war dort Aupair, am ersten Tag wurde ich auf der Straße von einem Modelscout angesprochen, und dann hat man mir einen Vertrag angeboten. Die haben gesagt, wir schicken dich durch die Welt, dann war die Frage: Kann ich das ablehnen? Es war eine große Entscheidung, die schwerste meines Lebens. Ich kam ja aus einem Rostocker Plattenbau, mein Leben war immer gleich gewesen, alles drehte sich immer um Fußball, und dann das Angebot: New York, Manhattan. Ich wusste: Lehne ich das ab, werde ich es mir ein Leben lang vorwerfen.

          Sie haben einen Traum für einen anderen aufgegeben?

          Ja, ich bin mein Leben lang Fußballer gewesen. Mit sechs habe ich bei Hansa angefangen, habe meine ganze Kindheit bei dem Verein verbracht. Ich war in der Sportförderschule, wir haben zweimal am Tag trainiert, alles hatte nur ein Ziel: Fußballprofi werden. Heute weiß ich, dass es auch einen anderen Grund hatte, dass ich damals mit dem Fußball aufhörte. Ich war nicht wirklich frei. Alles war sehr leistungsorientiert, sehr mechanisch, man musste funktionieren.

          Sie wollten nicht mehr funktionieren?

          Das war nicht mein Problem. Ich war einer von denen, die funktionierten. Ich bin damit klargekommen, aber es hat mich nicht befriedigt. Es war zu abgestumpft, zu sehr nur auf Fußball konzentriert. Für den, der über den Tellerrand hinausblickte, wurde es schon eng. Aber letztlich war es einfach so: Ich wollte nach New York, ich wollte dieses Angebot nicht ausschlagen.

          Hat es sich gelohnt?

          Die Lust für etwas lässt sich nicht kalkulieren, sie steckt in einem oder nicht. Ich habe nach drei, vier Wochen gemerkt, dass das nicht mein Ding war, und mich dann
          ein Jahr durchgekämpft. Modeln ist wahnsinnig dumm, wahnsinnig oberflächlich. Es ist das komplette Gegenteil dessen, was ich immer machen wollte. Nach einem Jahr bin ich zurück nach Rostock und dann nach Berlin auf die Schauspielschule. Dreieinhalb Jahre, mit Abschluss. Ich wollte endlich etwas beenden. In Rostock hatte ich während meiner Hansa-Zeit eine Lehre als Industriekaufmann angefangen, aber es ist nichts für mich gewesen, an diesem Computer zu sitzen, gegenüber eine Frau, die den Job schon ihr halbes Leben macht und von ihrem Schrebergarten erzählt und davon, wie schlimm doch alles ist. Ich musste da raus, musste mich bewegen, atmen, mich entfalten.

          Hatten Sie als Fußballer das Zeug zum Profi?

          Es gibt ja viele, die in Jugendmannschaften sehr stark sind, dann aber wegbrechen. Oft setzen sich nicht die durch, die anfangs vorn sind, sondern die, die eine gesunde Entwicklung nehmen, die sich Jahr für Jahr verbessern, die dann da sind, wenn es drauf ankommt. Talent ist wichtig im Fußball, aber am Ende zählt es, ähnlich wie bei anderen Sachen, doch nur 50 Prozent. Der Einsatz, der Wille haben bei mir gestimmt. Ich spielte rechts hinten in der Viererkette, ich mochte Zweikämpfe, ich hatte Power in der Defensive und Zug nach vorn. Ich glaube schon, dass ich es geschafft hätte.

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