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Ralf Rangnick zum Finale : „Im Normalfall gewinnt Bayern“

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Ralf Rangnick war Bundesligatrainer in Stuttgart, Hannover, Schalke und Hoffenheim und ist derzeit Sportdirektor von Red Bull Salzburg und RB Leipzig Bild: dpa

Der ehemalige Bundesligatrainer Ralf Rangnick schreibt, was Borussia Dortmund im Champions-League-Finale für einen Sieg tun muss und was Bayern München derzeit so stark macht. Er selbst würde seit Studententagen in England immer auf den Außenseiter tippen.

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          Jedem, der wetten mag, empfehle ich, auf Borussia Dortmund zu setzen. Nicht, dass für mich der BVB bessere Siegchancen als Bayern München im Finale der Champions League hätte. Aber als junger Student in England habe ich bei den Pferderennen dort gelernt, setze dein Geld auf Außenseiter, die realistische Gewinnchancen haben. Diese Wetten hätten - relativ gesehen - die günstigeren Quoten. Mit Favoritensiegen sei nicht viel zu verdienen, aber viel zu verlieren, wenn sie ausbleiben.

          Und die Bayern sind Favorit. Das diskutieren sie selbst nicht weg. Und ich denke, die Dortmunder haben damit auch kein Problem. Wenn die Bayern in einer Serie zehnmal nacheinander gegen den BVB spielen würden, würden sie wohl sechs- oder siebenmal gewinnen. Aber in einer einzigen Begegnung ist alles möglich, daran ändert auch der Ausfall von Mario Götze nichts. Allein die Tatsache, dass der BVB alles versucht hat, um ihn rechtzeitig fit zu bekommen, zeigt, wie wichtig der Spieler für die Mannschaft ist und welchen Stellenwert er besitzt. Dennoch: In solch einem Spiel ist es sicherlich besser, auf einen zu hundert Prozent fitten Mann zu setzen. Und die Dortmunder haben auch schon ohne Götze viele gute Spiele abgeliefert.

          Die Bayern haben genau hingeschaut

          Die Spielweisen beider Teams sind in dieser Saison sehr ähnlich geworden, aber wenn man sich die einzelnen Spieler anschaut, dann würden wahrscheinlich nur vier Dortmunder in der Münchner Startformation auflaufen: Hummels, Götze, Reus und Lewandowski. Daraus ergibt sich, dass die Bayern auf sieben - nach Götzes Verletzung auf acht - Positionen individuell besser besetzt sind. Die besseren Einzelspieler hatten die Bayern jedoch auch schon in den beiden Jahren, in denen sie dem BVB jeweils die Meisterschaft überlassen mussten und das DFB-Pokal-Finale chancenlos 2:5 verloren. Danach haben die Münchner die Lage analysiert und sich die richtigen Fragen gestellt: Was hat Dortmund stark gemacht, wo haben wir Nachholbedarf? Und sie zogen die Konsequenzen aus den Antworten. Die Diskussion, ob es sich um ein Abkupfern handelt oder nicht, halte ich für unsinnig. In jeder Branche orientiert man sich an den Besten.

          „Es ist besser, nur hundert Prozent fitte Spieler einzusetzen. Götze ist wichtig, aber der BVB hat auch ohne ihn gute Spiele abgeliefert“, meint Ralf Rangnick

          Was das Umschaltspiel und das Spiel gegen den Ball angeht, haben die Bayern ganz genau hingeschaut. Bei gegnerischem Ballbesitz sind sie in der Regel alle sehr kompakt hinter dem Ball, stehen nicht mehr so weit auseinander wie noch vor einem Jahr. Der Hauptunterschied ist, dass sich jetzt wirklich alle Spieler daran beteiligen, wenn es darum geht, den Ball zu erobern oder nach Verlust zurückzuerobern. Auch Robben, Ribéry und Kroos (als er noch nicht verletzt war), die zuvor nicht gerade als große Nachsetzer und Balleroberer bekannt waren, haben diese Dinge mittlerweile als elementare Bestandteile ihres Spiels verinnerlicht. Die Borussia entwickelt ihr Spiel vornehmlich aus dem Ballbesitz des Gegners heraus, seitdem der Trainer Jürgen Klopp heißt. Klopp hat bei einem Vortrag an der Sporthochschule Köln bestätigt, noch immer 80 Prozent der taktischen Trainingsarbeit unter das Motto zu stellen: Was passiert bei Ballbesitz des Gegners?

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