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Qatar-Kommentar : In den Sand gesetzt

  • -Aktualisiert am

Geben oder nehmen? Jack Warner kann den Ball nicht sauber weiterspielen Bild: dpa

Qatar dürfte schon jetzt nicht mehr viel Vorfreude auf die WM 2022 haben. Zu sehr leider der Ruf des Wüstenstaates - auch jetzt nach den neuesten Verdächtigungen.

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          Die Qatarer werden sich vielleicht irgendwann fragen, wieso sie sich jemals für diese Fußball-WM bewerben konnten. Das Weltereignis im Jahr 2022 hat für das Erscheinungsbild ihres Staates bislang mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht. Eine Umkehrung dieses Trends ist nicht absehbar. Dabei wollte das kleine Emirat am Golf mit einem irrwitzigen Milliardeneinsatz in eine führende Position des Weltsports vordringen. Allen Dollars und noch so vielen hochdotierten PR-Spezialisten, die von den superreichen Scheichs engagiert wurden und werden, zum Trotz, droht dieser ehrgeizige Plan am Fußball zu scheitern: Das WM-Projekt ist schon vor den jüngsten Geschichten in den Sand gesetzt worden.

          Die Geschichte über die möglicherweise korrupte Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 könnte aber nicht nur Qatars Staatsplan Sport sprengen. Sollten die in England veröffentlichten Erkenntnisse der amerikanischen Ermittlungsbehörde FBI stimmen, dann droht viel mehr einzustürzen. Denn über qatarische Firmen soll im großen Stil mindestens der ehemalige Topfunktionär des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Jack Warner, geschmiert worden sein: Damit das von seinen riesigen Erdgasvorkommen profitierende Wüstenemirat weitgehend siegessicher zur Wahl der WM-Ausrichtung 2022 antreten konnte.

          Dann bleibt nur ein Entzug des Turniers

          Warner bezeichnet diese Vorwürfe als „Hexenjagd“ und „Schwachsinn“. Die Fortsetzung der Untersuchungen wird er mit dieser Reaktion nicht verhindern können. Sie ist angesichts des öffentlichen Misstrauens gegen die Fifa nach den Skandalen der vergangenen Jahre auch unerlässlich. Die Frage ist, welches Interesse der Fußball selbst haben kann, Korruption aufzudecken und öffentlich zu bestätigen. Denn dann müsste die mit viel Brimborium eingeführte Ethikkommission der Fifa eingreifen. Falls Qatar die WM-Ausrichtung durch unlautere Mittel und korrupte Funktionäre gewonnen hätte, bliebe nur ein geordneter Rückzug übrig: nämlich der Entzug des Turniers. Die weiteren Folgen für den Weltfußball wären verheerend.

          Vor diesem Hintergrund ist es ein Segen, dass nicht nur ehrenwerte Anti-Korruptionsexperten in Fifa-Gremien um Sauberkeit kämpfen, sondern weitgehend vom Fußball unabhängige Fahnder wie FBI-Beamte nach dem Rechten schauen. Der Sport hat schließlich auf fast allen Ebenen bewiesen, kein guter Fahnder und schon gar kein guter Richter in eigener Sache zu sein. Eine unantastbare Unabhängigkeit aber darf sich der geneigte Freund eines fairen Verhaltens auch von staatlichen Einrichtungen nicht erwarten. Zwar mag in den Vereinigten Staaten die Macht des Fußballs lange nicht so groß sein wie auf allen anderen Kontinenten. Aber es gibt kaum einen Flecken auf diesem Globus, wo die mächtigsten Funktionäre des Spiels aller Spiele ohne Einfluss sind.

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