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Public Viewing : Fußball-Party bei 35 Grad

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35 Grad in Hannover - da kommt eine Dusche gerade recht Bild: dpa

Nach dem 4:0-Triumph gegen Argentinien reibt sich Deutschland die Augen: Nur noch zwei Siege trennen die deutsche Fußball-Nationalelf vom WM-Titel in Südafrika. Hierzulande hielt sich der Ansturm auf den Partyzonen allerdings in Grenzen.

          Die Kanzlerin hüpfte, das Land bebte: Zum deutschen Tor-Festival von Kapstadt gegen Argentinien (4:0) haben Millionen Menschen im ganzen Land den Vorstoß der Nationalelf in das WM-Halbfinale gefeiert. Ob Angela Merkel im Stadion oder die Hunderttausenden auf den Fanmeilen - der Freudentaumel nach dem Triumph im Viertelfinale rückt den WM-Titel einen riesigen Schritt näher.

          „Das ist ein Traum, einfach ein Traum“, sagte die Kanzlerin. Nach der beschwerten politischen Woche in Berlin könne sie nun in Südafrika „einfach als Fan“ mit der Mannschaft von Jogi Löw und den Landesleuten feiern. Besonders beeindruckt sei sie, „wie abgeklärt“ das Team Löw gespielt habe. „Beim 4:0 war mir gut ums Herz“, sagte die CDU-Politikerin.

          Sofort nach dem Schlusspfiff brachen allerorts Hupkonzerte aus, die Menschen setzten sich wie in den Großstädten Nordrhein-Westfalens überall in ihre Autos zum Fahnenschwenken im Schritttempo. In Berlin, wo rund 300.000 Menschen zur größten Fanmeile strömten, setzten die Triumphfahrten die Innenstadt matt. Ob rund um den gesperrten Kurfürstendamm, der zur Fußgängerzone wurde, oder in Kreuzberg - die Menschen lehnten sich aus ihren Autofenstern mit Fahnen in Schwarz-Rot-Gold oder auch türkischen Flaggen.

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          Rindfleisch und argentinisches Bier

          Kontrastprogramm im Berliner Restaurant „Paracas“: Hier hatten sich rund 100 in der Hauptstadt lebende Argentinier zum gemeinsamen Maradona-Gucken versammelt. Doch das viele Rindfleisch und das argentinische Bier konnten die Trauer nicht überdecken: „Ich habe keine Worte. Vielleicht hätte Maradona früher Spieler auswechseln sollen. Die Deutschen haben gut gespielt und den Sieg verdient“, sagte Roberto Núñez, der eine etwas welke argentinische Fahne in Händen hielt.

          Bei Temperaturen von bis zu 38 Grad waren diesmal nicht so viele Menschen in die gesperrten Party-Zonen geströmt wie beim Achtelfinal-Spiel gegen England (4:1). Die Tropenhitze und die sengende Sonne schreckten offenbar viele Fans ab.

          Blitz und Donner nicht nur in Dortmund

          Die meisten Veranstalter hielten wegen drohender Unwetter Kontakt zu Meteorologen, mussten aber nicht abbrechen. Vielerorts startete die Übertragung trotz Blitz und Donners. Auf dem Dortmunder Friedensplatz schützten sich 7.500 Fans mit Schwarz-Rot-Gold-Fahnen vor dem Regen. Glück hatten mehrere zehntausend Fußballfreunde, die sich einen Platz in den Arenen in Köln, Gelsenkirchen, Dortmund oder Düsseldorf gesichert hatten. In Pulheim nahe Köln konnten nach einem Stromausfall viele Zuschauer nur noch im Autoradio die Reportage des Spiels verfolgen. In Berlin musste das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in 62 Fällen Nothilfe leisten, sechs Fans kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Das DRK hatte davor gewarnt, sich ohne ausreichenden Schutz und genügender Flüssigkeit in den Public-Viewing-Zonen unter freiem Himmel aufzuhalten.

          In Hamburg strömten bei 33 Grad tausende Menschen auf das Heiligengeistfeld. In München waren viele Plätze in Biergärten und anderen Gaststätten besetzt. Beim Public-Viewing im Olympiastadion - mit einer Kapazität für 60.000 Zuschauer - drängten Tausende in bunter WM-Pracht ins Stadion.

          Feuerwehren sorgen für Abkühlung

          Auf der Straße des 17. Juni an der Berliner Siegessäule wurde die von der früheren Love Parade bekannte Riesendusche wieder in Betrieb genommen. Auch auf anderen großen Fanmeilen und in kleineren Städten wie Heilbronn oder Konstanz wurden die erhitzten Fans mit Wassernebel und Nieselregen abgekühlt werden. In Bitterfeld-Wolfen bei Halle/Saale hieß es: „Die Feuerwehr wird vorher den Platz schön nass machen und auch später die Spritze in die Menge halten.“

          Die Live-Übertragung wurde in Deutschland auf etwa 2.000 öffentlichen Fan-Partys gezeigt. Der Fußball-Weltverband Fifa hat am Samstag ein positives Fazit seiner offiziellen Fan-Meilen gezogen. Zu den Festen in Sydney, San Francisco, Mexiko-Stadt, Paris, London und Berlin seien bisher rund 4,1 Millionen Besucher gekommen.

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