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Ärger bei PSG-Trainer Tuchel : „Es ist meine Schuld“

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„Wir waren mental nie bereit für dieses Spiel, wir waren am Ende“: Thomas Tuchel Bild: Reuters

Paris Saint-Germain erlebt einen schlimmen Abend. Nach dem 0:1 gegen Lyon ist die Tabellenführung weg. Trainer Thomas Tuchel hadert – mit sich. Und dann ist da noch die Verletzung von Neymar, der vor Schmerzen weint.

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          Neymar weinte vor Schmerz, als ihn die Sanitäter auf der Trage abtransportierten. Schon wieder. Momente wie diesen erlebte Brasiliens Fußball-Star zu häufig in seiner Karriere. In Verbindung mit seinem Klub Paris St. Germain hat dieses Bild fast Symbolcharakter: Der Begeisterung folgt die Tristesse. Und an diesem Abend war es für Neymar und PSG trist. Mit der 0:1 (0:1)-Heimniederlage im Spitzenspiel der Ligue 1 gegen Olympique Lyon verlor Frankreichs vermeintlicher Klassenprimus nicht nur ein Fußballspiel. Sondern auch Neymar, die Tabellenführung und den Frohsinn, wie es schien. „Wir waren mental nie bereit für dieses Spiel, wir waren am Ende“, sagte der deutsche PSG-Trainer Thomas Tuchel: „Das war ein großer Rückschlag nach den letzten Spielen.“

          Eigentlich hätten Lyons Siegtreffer durch Tino Kadewere (35.) und der Absturz auf Tabellenplatz drei schon gereicht, um Tuchel zur Verzweiflung zu treiben, aber da war noch die siebte Minute der Nachspielzeit. Olympique-Profi Thiago Mendes fuhr Neymar im Dribbling etwas ungestüm, aber eher nicht böswillig, in die Beine. Der Zauberfuß, er knackte. Mendes sah die Rote Karte, nachdem sich der Schiedsrichter die Szene am Videoschirm nochmal angesehen hatte. Zuvor hatte der Referee nur die Gelbe Karte gezückt.

          Wie schlimm es wirklich um Neymar steht, ist noch nicht ganz klar. Die Ergebnisse der ersten Untersuchung am Montag bezeichnete der Klub offiziell als „beruhigend“ und sprach von einer „Verstauchung des Knöchels“. Neymar selbst betonte bei Instagram: „Es hätte schlimmer kommen können.“ Weitere Tests sollen in den kommenden 48 Stunden folgen. Der Vater des Ballkünstlers äußerte sich derweil etwas martialisch in den sozialen Medien. „Wir haben so viel darüber geredet, über die Gewalt“, postete Neymar Santos Sr. auf Instagram: „Lasst uns so weitermachen und der Fußball wird viel verlieren.“

          Er erinnert sich nur zu gut an die etlichen Male, die Neymar verletzt rausmusste. Es vergeht so gut wie keine Saison ohne längere Pause für den 28-Jährigen, der so oft wie kaum ein anderer gefoult wird. „Übeltäter“ Mendes gab sich unterdessen reumütig: „Fehler passieren. Aber ich entschuldige mich aufrichtig bei Neymar“, schrieb er bei Instagram. Kaufen können sich weder Tuchel noch Neymar viel davon. Für beide – und damit auch für Paris insgesamt – lief es zuletzt wieder besser. Nach dem Rassismus-Skandal in der Vorwoche zog PSG in der Champions League durch das 5:1 gegen Basaksehir Istanbul ins Achtelfinale ein. Auch dank drei Neymar-Toren.

          Das scheint nach der Pleite gegen Lyon aber schon wieder weit weg. Das Hochgefühl ist dem Unmut gewichen. Und der ist in dieser Spielzeit Tuchel ständiger Begleiter. Nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Bayern München im August waren die Erwartungen an ihn hoch. Der Gewinn der Königsklasse war ja immer schon der große Traum der Bosse aus Qatar, der nationale Erfolg lief quasi so nebenbei. Doch aktuell steht sogar dieses Minimalziel zur Debatte. Schon jetzt kommt das Tuchel-Team auf eine Niederlage mehr als in der wegen Corona abgebrochenen Vorsaison, in der es dreimal verlor.

          Tuchel, dessen Vertrag nach Saisonende ausläuft und dessen Verbleib alles andere als sicher ist, sah sich für die Lage in der Verantwortung. „Es ist meine Schuld“, sagte er nach der Lyon-Pleite. Er habe die Müdigkeit seiner Profis, die unter dem eng getakteten Spielplan leiden, nicht richtig eingeschätzt. Er hätte „drei, vier, fünf oder sechs“ Spieler im Vergleich zum Istanbul-Spiel ausgetauscht, wenn es ihm aufgefallen wäre. Rückblickend hätte es ihm womöglich auch Neymar gedankt.

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