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Fußball-Slapstick in Paris : „Was für ein unglaubliches Missgeschick“

„Es tut mir leid“: Eric Maxim Choupo-Moting verhindert ein Tor der eigenen Mannschaft auf kuriose Weise. Bild: Picture-Alliance

Der Fußball ist reich an kuriosen Geschichten. Nun verhindert Eric Maxim Choupo-Moting von Paris St. Germain auf der Torlinie in Slapstick-Manier ein Tor der eigenen Elf. Die Mitspieler können es kaum glauben. Was war da nur los?

          Eric Maxim Choupo-Moting hat seinen Platz im großen Buch der Fußball-Kuriositäten längst sicher. Der Deutsch-Kameruner, der in Hamburg geboren wurde, sollte zu Beginn des Jahres 2011 vom HSV zum 1. FC Köln wechseln. Der Transfer war mit heißer Nadel gestrickt. Choupo-Motings Vater und Berater schickte den fertigen Vertrag per Fax an den Klub im Rheinland. Doch weil das Gerät defekt war, kam zunächst nur eine Seite an. Das Papier mit der Unterschrift trudelte erst um 18.00 Uhr ein. Als der Klub die Unterlagen an die Deutsche Fußball Liga weiterleitete, war es schon zu spät. 13 Minuten nach dem Ablaufen der Frist war erst alles in Frankfurt. Auch die Hoffnung auf Gnade half nicht. Der Wechsel war geplatzt. Und immer, wenn es in die heiße Phase auf dem Transfermarkt geht, wird die Anekdote genüsslich erzählt.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Inzwischen ist Choupo-Moting 30 Jahre alt und spielt für Paris St. Germain. Das verwundert ein wenig. Nach seiner Zeit in der Bundesliga beim HSV, in Nürnberg, Mainz und Schalke zog es ihn 2017 zu Stoke City in die englische Premier League. Dort erzielte er fünf Tore in einer Saison – und wurde vom neureichen französischen Meister verpflichtet. Trainer Thomas Tuchel wollte einen Ersatz für das Sturmtrio Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappe haben, der eine gewisse Qualität hat, aber auch die Rolle hinter den drei Stars klaglos hinnimmt. Choupo-Moting macht das, spricht zudem fließend Französisch und springt immer dann ein, wenn er gebraucht wird. In dieser Saison war er bislang immerhin schon in 27 Partien gefragt. Dabei erzielte er drei Tore in der französischen Liga.

          Gesprochen wird seit Sonntagabend aber nur noch über eine Szene. Mit einer unglaublichen Slapstick-Aktion verhinderte der Angreifer einen Treffer der eigenen Mannschaft im Heimspiel gegen Racing Straßburg. Was war passiert? Es läuft die 28. Minute im Prinzenpark-Stadion. Beim Spielstand von 1:1 wird Christopher Nkunku freigespielt. Elegant hebt er den Ball über den herausstürmenden Straßburger Torwart Matz Sels, der auch von einem grätschenden Verteidiger nicht mehr erwischt wird. Und dann kommt Choupo-Moting ins Spiel. Anstatt den Ball ins leere Tor trudeln zu lassen, stoppt der Stürmer ihn mit dem linken Fuß. Von dort prallt er gegen den Innenpfosten und bleibt auf der Torlinie liegen, ehe die Straßburger, obwohl völlig verdutzt von der unerwarteten Hilfe des Gegners, klären können.

          Nicht nur die Mitspieler und Fans waren fassungslos. Die Fernsehkamera fängt Weltmeister Mbappe ein, der auf der Bank ein völlig ungläubiges Gesicht macht zu der skurrilen Szene. „Dieses unglaubliche Missgeschick geht in die Geschichte ein“, schrieb die französische Sportzeitung L'Equipe und packte ein Foto dazu auf die Titelseite. „Diese Sequenz bleibt ein Mysterium.“ Sie werde Choupo-Moting „bis ans Ende seiner Karriere verfolgen“. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass es Choupo-Moting war, der Paris zuvor mit 1:0 in Führung gebracht hatte (13. Minute). Joia Nuno da Costa (26.) glich dann aus, Anthony Goncalves sorgte gar für das 1:2, ehe der eingewechselte deutsche Nationalspieler Thilo Kehrer mit seinem ersten Tor für Paris noch zum Ausgleich traf (82.) – auf Vorlage von Landsmann Julian Draxler.

          Auf eine Titelfeier musste Spitzenreiter PSG am Sonntagabend allerdings noch verzichten, auch wenn die Meisterschaft bei einem Vorsprung von zwanzig Punkten nur noch eine Frage der Zeit ist. Für den vorzeitigen Gewinn des Titels aber wäre ein Sieg nötig gewesen. Den verhinderte Choupo-Moting durch seinen unfassbaren Blackout. Immerhin versuchte er die Situation zu erklären. „Ich habe die Bilder gesehen, es tut mir leid“, sagte er im Gespräch mit Journalisten. „Christophers Schuss wäre reingegangen. Zuerst dachte ich, dass er zu mir passt. Aber dann hat er geschossen. Ich glaubte, der Verteidiger kommt noch dran, daher habe ich gezögert“, schildert er die Szene weiter. „Ich wollte hingehen und den Ball ins Netz schießen. Es ist vielleicht nicht einfach zu verstehen, das das spielt sich alles sehr schnell ab.“

          Er habe sich zudem gefragt, ob er im Abseits stehe und ob der Ball überhaupt alleine reingehen würde. „Ich habe falsch reagiert und den Ball berührt. Dann bleibt er auf der Linie und streift den Pfosten. Diese Gelegenheit habe ich zunichte gemacht.“ Vorwürfe von den Kollegen, auch von Nkunku gab es nicht. Aber natürlich blühte der Flachs mit den Mitspielern, denn solch eine Situation haben die meisten von ihnen auch noch nie erlebt. Übermäßig kritisch war letztlich auch sein Trainer nicht. „Das war die Möglichkeit zum 2:1, und dann hat er das getan. Ich weiß nicht, warum. Das war wohl Murphys Gesetz“, sagte Tuchel.

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