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Protokoll einer Pokalnacht : Alarmstufe Rot! Fußball in Gefahr

  • -Aktualisiert am

Höllenspektakel der Roten Teufel: Nach eingehender Einlasskontrolle sorgen die Kaiserslauterner Fans für das, was sie unter guter Stimmung verstehen Bild: dapd

Eruptive Gewalt, Bedrohung durch Wurfgeschosse und Pyrotechnik. Wenige Täter gefährden die Masse. Die Polizei kämpft mit großem Aufwand für und gegen Fans.

          Der Sonderzug aus Kaiserslautern hat eine knappe Dreiviertelstunde Verspätung. Er wird schon dringlich erwartet, als er gegen 18.40 Uhr in dem Bahnhof Frankfurt-Stadion einfährt. Von mehreren Hundertschaften Bundespolizei - und von etwa 350 Fans aus der Frankfurter Ultraszene. Die Ordnungshüter sind ungeduldig, weil jede Minute Verzögerung eine größere Abweichung von ihrem minutiös ausgeklügelten Aufmarsch- und Einsatzplan bedeutet, die organisierten Eintracht-Fans, weil sie endlich den Pfälzern demonstrieren wollen, wer in diesem DFB-Pokalspiel zwischen der Frankfurter Eintracht und dem 1. FC Kaiserslautern der Herr im Haus ist.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Insgesamt 3700 Pfälzer Fußballfans reisen an diesem Mittwoch im Oktober gen Frankfurter WM-Stadion, knapp 800 davon in diesem Entlastungszug. Dessen Ankunft gilt als einer der Momente, in denen sich das Feuer entzünden könnte. Der Hass zwischen Eintracht- und Lautern-Fans schwelt schon lange, in den letzten beiden Bundesligaspielen schlugen hohe Flammen. Die Polizei hat die Pokalbegegnung als Risikospiel deklariert und über 1000 Beamte an diesem Mittwoch abgestellt. Genau lässt sich die Zahl nicht benennen. Wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten (Bahngelände gilt als Bundesangelegenheit, alle anderen Flächen obliegen der Länderhoheit) sind Kontingente der Bundes- und der Landespolizei im Einsatz. Und während die Bundespolizei offiziell fünf Hundertschaften meldet, mauert die Landespolizei. Ein Insider verrät irgendwann, dass die hessische Bereitschaftspolizei sicher mehr Beamte herausgeschickt hat als die Kollegen vom Bund.

          Waffen, Pyrotechnik, Flaschen und Dosen

          Die Verspätung rührt von den Sicherheitskontrollen in der Pfalz. Jeder, der den Sonderzug betritt, wird auf Waffen, Pyrotechnik, Flaschen und Dosen gefilzt. Eine Hundertschaft Bundespolizei hat sich auf die acht Waggons verteilt, damit während der Fahrt alles ruhig bleibt und die Bahn nicht noch einen Zug restaurieren muss.

          Als der Zug endlich hält, steigen zuerst drei Polizisten aus, die einen Mann Mitte 20 in Sonderbewachung genommen haben, er wird in einen Einsatzwagen geführt. Dann quillt der Rest auf den Bahnsteig. Die Fans werden sofort von der Polizei eingerahmt, dann setzt sich die Kolonne in Bewegung. In der Unterführung, die den Bahnsteig mit dem Bahnhofsausgang verbindet, klingen die Schlachtrufe mächtig: „Der FCK, der FCK, der FCK ist da.“ Als die Fans im diffusen Licht der Abenddämmerung den Bahnhofsvorplatz erreichen und die vielen zusätzlichen Polizeikräfte sehen, ebben die Gesänge erst ab und verstummen dann ganz. Dafür erschallt die Lautsprecherdurchsage: „Die Polizei heißt sie in Frankfurt willkommen.“

          „Wenn wir nicht hier wären, würde es krachen“

          Nicht nur das, die Polizei nimmt die 800 unter ihre Fittiche - wenn man es positiv ausdrückt. Negativ bewertet, ist die Rundumbetreuung wie eine Freiheitsberaubung. Diese Lauterer Fans dürfen sich nicht außerhalb des Polizeikonvois bewegen. Wenn die Spitze hält, müssen sie halten, wenn die Spitze nach rechts schwenkt müssen sie folgen. So werden sie den guten Kilometer durch den Stadtwald bis zu ihrem gesonderten Stadioneingang geleitet. Der Ausgangspunkt des kurzen Marsches, der Bahnhofsvorplatz, ist abgesperrt. Hier findet die Übergabe der Fans von der Bundespolizei an die nun zuständige Landespolizei statt. Hinter der Barriere warten die Eintrachtfans: „Wir wollen keine Lauterer Schweine!“

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