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Protokoll einer Pokalnacht : Alarmstufe Rot! Fußball in Gefahr

  • -Aktualisiert am
Die 800 Pfälzer Fans, die mit dem Sonderzug anreisten, grüßen friedlich, als sie aus der Bahnhofsunterführung kommen

Das Gebrüll der etwa 350 klingt martialisch, aber die Barriere wird nicht angegriffen. Einer der „Capo“ genannten Anführer unterhält sich sogar ganz gelassen mit einem Polizisten. Die Antwort der Pfälzer Fans ist kaum wahrnehmbar. Sie spazieren zwischen den Polizisten. Ein paar Familienväter mit ihren Kindern sind darunter, ein paar Senioren, die meisten sind Männer zwischen 16 und 55. In der Einsatzbesprechung am Nachmittag rechnete die Leitung mit 150 Problemfans (gewaltbereit oder gewaltsuchend) aus der Pfalz; wie viele mit dem Sonderzug anreisen würden, wusste sie nicht. Wenn welche darunter sind, so verhalten sie sich ruhig. Die Frankfurter wirken aggressiver. Ein paar Böller werden gezündet, zwei, drei Bengalos geworfen. Ansonsten belassen es die Frankfurter bei den Schmährufen. Man könnte meinen: Wieso dieser Sicherheitsaufwand? Einer der Polizisten antwortet: „Wenn wir nicht hier wären, würde es schon richtig krachen.“

Der Spuk ist schnell vorbei

15 Minuten oder einen Kilometer später lösen sich die Zweifel an dieser Lagebeurteilung ohrenbetäubend auf. Die Lauterer Kolonne hat sich dem Stadion genähert. Die Frankfurter Fans und die Pfälzer werden lediglich durch einen Zaun getrennt. Innerhalb sind die Eintrachtler, die schon die Eingänge passiert haben, außerhalb die FCK-Anhänger, die noch zu ihrem separaten Eingang, weit ab vom Schuss, geführt werden. Zehn, zwanzig Meter liegen zwischen den Gruppen, es ist ein Leichtes, die Distanz zu überwinden. Böller und Wurfgeschosse fliegen über den Zaun auf den Pfälzer Trupp. Der Krach ist infernalisch. Ein paar Frankfurter rütteln am Maschendraht und stoßen Verwünschungen gegen die Feinde aus. Sekunden nach der Attacke ist die im Stadion postierte Polizei zur Stelle und verjagt die Frankfurter. Der Spuk ist nach kaum einer Minute beendet.

Der polizeiliche Begleitschutz hat seine Pfälzer Schäfchen schnell vom Zaun weggeführt. Die Gruppe wirkt insgesamt nicht verschreckt und überhaupt nicht aggressiv. Einzelne schütteln jedoch mit dem Kopf, als hätten sie den Glauben an die Menschheit verloren.

Die Polizei hält die Eintracht-Fans zurück - in diesem Fall ohne Probleme

Ein paar hundert Meter weiter kommt der Tross zum reservierten Stadioneingang. Einige Fans kaufen am einsamsten Kassenhäuschen der Arena noch ihre Eintrittskarten und trotten dann zur Durchgangskontrolle. Wieder werden sie von einer freundlichen Lautsprecherdurchsage empfangen. „Sie haben sich bisher vorbildlich verhalten, vielen Dank für Ihre Kooperation, weiter so.“ Als sich die Leibesvisitationen hinziehen und ganz leichtes Murren entsteht, reagiert der Polizeisprecher sofort über Mikrophon: „Leider dauert es ein wenig, weil sie so viele sind. Aber wir garantieren Ihnen, dass sie den Anstoß miterleben werden, live und in Farbe.“

Grellrote Leuchtfeuer

Daraufhin entspannen sich alle wieder. Die Geduld und Opferbereitschaft der 800 sind bewundernswert: Nach einer weiteren halben Stunde sind die Sonderzugreisenden endlich im Lauterer Fanblock angekommen, mit den rund 3000 anderen Pfälzern vereint. Das Spiel währt keine Minute, da leuchtet die Tribüne grellrot im Leuchtfeuerlicht. Sind die Kontrollen wirkungslos? Ein Polizist gibt zu bedenken, dass strenge Durchsuchungen wie am Flughafen sehr zeitaufwendig, personalintensiv und teuer wären.

Der Ordnungsdienst macht keine Angaben, wie viel er gefunden hat. Was er nicht gefunden hat, wird weithin sichtbar. Mehrere Bengalos brennen, die Szenerie wirkt nicht nur gespenstisch, die Lage ist auch gefährlich. Aber an diesem Abend erleidet dadurch niemand Verletzungen.

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