https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/protest-aktion-nach-hopp-schmaehungen-eklat-mit-ansage-17267493.html

Hopp-Schmähungen : Eklat mit Ansage

  • Aktualisiert am

Das Plakat des Anstoßes beim Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und Bayern München. Bild: dpa

Eine ZDF-Dokumentation belegt: Verantwortliche der Bayern und von Hoffenheim planten ihre Protest-Aktion nach Hopp-Schmähungen, weil sie schon vorher wussten, was passiert.

          2 Min.

          Der Eklat um Schmäh-Plakate gegen Dietmar Hopp, den Mehrheitseigner der TSG Hoffenheim, erscheint laut einer Dokumentation des ZDF in einem neuen Licht. Reporter Jochen Breyer, der den 45-Minuten-Beitrag zusammen mit Jürn Kruse erstellt hatte, berichtete im taz-Interview, dass die publikumswirksamen Reaktionen vonseiten der Klubs bei dem Bundesligaspiel zwischen Hoffenheim und Bayern München (0:6) am 29. Februar 2020 in Sinsheim offenbar inszeniert waren. „Was mich am meisten überrascht hat: Dass vor dem Spiel in Sinsheim offenbar fast alle Bescheid wussten, was passieren würde, die TSG Hoffenheim, der FC Bayern und der DFB“, sagte Breyer. Er habe sich um eine vielschichtige Aufbereitung der damaligen Geschehnisse bemüht.

          Man dürfe zwar nicht vergessen, dass am Anfang des Ganzen ja immer noch die Schmähungen der Fans standen, doch Breyer skizzierte: „Dass die Reaktionen der Verantwortlichen offenbar auch geplant waren und dass dabei an der einen oder anderen Stelle überzogen wurde, das veränderte meinen Blick auf diesen Tag und diesen Konflikt.“ Die Hoffenheimer und Münchner Spieler waren aufgrund beleidigender Plakate gegen Hopp von Schiedsrichter Christian Dingert in die Kabine geschickt worden, das Spiel wurde zwar fortgesetzt – allerdings lediglich mit unambitioniertem Ballgeschiebe der Spieler beider Teams.

          Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Hopp hatten sich nach dem Abpfiff im strömenden Regen auf den Platz begeben und demonstrativ den Hoffenheim-Fans applaudiert, die sich gegen die Schmähungen gewandt hatten. „Das war das hässliche Gesicht von Bayern München. Dafür gibt es keine Entschuldigung“, sagte Rummenigge damals. DFB-Präsident Fritz Keller ergänzte abends im Aktuellen Sportstudio des ZDF: „Wir sind am Tiefpunkt angekommen.“

          Nun wurde bekannt: Die Bayern-Fangruppierung „Schickeria“ hatte zwei Tage vor dem Spiel in Sinsheim Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß über die Pläne im Hoffenheim-Spiel eingeweiht. Sie waren als Reaktion auf eine Kollektiv-Strafe gegen den Ligakonkurrenten Borussia Dortmund gedacht, der zwei Jahre lang ohne eigene Fans wegen wiederholten Schmähungen gegen Hopp in Hoffenheim antreten muss. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich das überhaupt nicht akzeptieren kann“, sagte Hoeneß in der Doku im Zweiten. Auch Hopp, Hoffenheim und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seien vorab informiert worden, berichtete das ZDF.

          Hoeneß betonte in der Doku nochmals, dass man Täter und Opfer nicht verwechseln dürfe: „Es gibt nur ein Opfer und nur eine Gruppe, die schuldig ist.“ Hopp wollte sich in der Doku nicht mehr zu den damaligen Vorkommnissen äußern. Reporter Breyer gab sich bei Twitter selbstkritisch, was ein Hopp-Interview im Aktuellen Sportstudio im ZDF fünf Wochen nach dem Bayern-Spiel im Jahr 2020 anbelangt. Dieses sei zu Recht von einigen Fanszenen kritisiert worden.

          Weitere Themen

          Der Abend der fünften Plätze

          Leichtathletik-EM : Der Abend der fünften Plätze

          Für gleich fünf deutschen Leichtathleten fehlt nicht viel zum Medaillenglück. Die EM-Party steigt dennoch. Eine besondere Geschichte gehört zur Siegerin im Dreisprung.

          Topmeldungen

          Bundeskanzler Olaf Scholz bei seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss in Hamburg.

          Cum-ex-Affäre : Die Glaubwürdigkeit des Kanzlers

          Am Ende wird Scholz die Affäre selbst wohl kaum gefährlich werden. Aber wem zu entscheidenden Vorgängen die Erinnerung fehlt, dessen Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.
          Eine junge Demonstrantin mit der Zahl «43» auf ihrer rot gefärbten Hand nimmt an einer Kundgebung nach der Entführung der 43 Studenten teil. (Archiv)

          43 vermisste Studenten : Mexikos Ex-Generalstaatsanwalt festgenommen

          Der Fall der 2014 verschleppten und ermordeten Lehramtsstudenten hatte Mexiko erschüttert. Es gilt heute als „Staatsverbrechen“. Jesús Murillo Karam war damals für die Ermittlungen verantwortlich. Nun wird ihm Verschwindenlassen und Folter vorgeworfen.
          Rohre der Nord Stream 1 Gaspipeline in Lupmin

          Ab Ende August : Russland klemmt Nord Stream 1 für drei Tage ab

          Durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 fließt seit Wochen ein Fünftel so viel Gas wie eigentlich könnte. Nun soll sie für drei Tage stillstehen – der Konzern begründet dies mit Wartungsarbeiten an einer Turbine.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.