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Profiboxen : Der Millionen-Bluff

Angriff auf den deutschen Markt oder nur Bluff? Don King ersteigert einen Kampf Bild: ddp

Don King hat Marco Hucks WM-Kampf ersteigert. Niemand weiß, was der Amerikaner will. Der Boxstall Sauerland könnte zum großen Verlierer werden.

          2 Min.

          Er boxt . . . Er boxt nicht . . . Er boxt. Marco Huck trainiert, wie sich das gehört, seit Wochen für seinen WM-Kampf gegen den Briten Ola Afolabi, doch wann und wo er seinem Gegner im Ring gegenüberstehen wird, weiß niemand. Es ist eine Geschichte, wie sie zum Profiboxen passt, einem verwinkelten Gewerbe, in dem Promoter und Verbände ihre Spielchen um Kämpfe und Millionen treiben. Das aktuelle Theater um Huck, den Weltmeister im Cruisergewicht nach Version des Weltverbandes WBO, und seinen Herausforderer Afolabi ist selbst für Profiboxverhältnisse haarsträubend.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Es begann Mitte Februar bei der „Purse Bid“ in Miami, der offiziellen Versteigerung des Kampfes. Nicht Hucks Promoter Sauerland aus Berlin bekam wie erwartet den Zuschlag für das Höchstgebot, sondern der legendäre, mittlerweile 81 Jahre alte Amerikaner Don King, der Mann mit der Elektrofrisur, der schon 1974 den unvergessenen Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman in Kinshasa veranstaltete.

          King vertritt weder Huck noch Afolabi, er stand nicht auf der Rechnung für diesen Kampf, um so größer war die Überraschung, als in Miami die Gebote geöffnet und die Veranstaltungsrechte vergeben wurden. Platz drei belegte mit 375.000 Dollar Afolabis Management K2, ein Unternehmen der Klitschko-Brüder. Platz zwei ging an den verdutzten Sauerland-Stall (914 444 Dollar), der Sieg an Don King, dessen Gebot mit 1,5 Millionen Dollar eine Höhe hatte, die keinen Zweifel daran ließ, dass King diesen Kampf unbedingt ersteigern wollte, koste es, was es wolle.

          Debakel für Sauerland und die ARD

          Die Berliner hatten über Nacht ein Problem, mit dem sie nie gerechnet hatten. Sie halten die Fäden des WM-Kampfes nicht wie geplant in den Händen. Stattdessen spielt King mit ihnen. Am 25. Mai in Halle/Westfalen wolle der Amerikaner boxen lassen, hieß es zunächst, dann am 11. Mai in Hannover. Nirgendwo ist bisher eine Halle gebucht, der Amerikaner hat zwar die Kampfverträge geschickt, seither aber lässt er die Beteiligten zappeln. Promoter Kalle Sauerland hat in der Zwischenzeit einmal mit King telefoniert, ohne Ergebnis. Er hofft nun darauf, dass King geblufft hat, sich nicht weiter rührt und dass die WBO den Kampf dem zweithöchsten Gebot, also Sauerland, zuschlägt. King hätte dann die 150.000 Dollar Kaution, die er hinterlegen musste, verloren.

          Versteigert: Eine Posse um Marco Hucks Kampf

          Bleibt King im Rennen, hätte der größte deutsche Boxstall ein richtiges Problem. Sauerland finanziert sich in der Hauptsache über einen mit einem zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr dotierten Fernsehvertrag mit der ARD, wobei den Öffentlich-Rechtlichen pro Jahr zehn Kampfabende garantiert sind - und natürlich will der Vertragspartner die besten Kämpfer ins Bild setzen.

          Wenn nun aber plötzlich einer der Allerbesten, Marco Huck, von King einem anderen deutschen Sender angeboten würde, wäre dies ein Debakel, auch deshalb, weil Sauerland (und der ARD) die Attraktionen allmählich ausgehen: Arthur Abraham hat seinen WM-Titel gerade verloren, Pablo Hernandez ist verletzt - und der Rest kaum tauglich für Samstagabend. Sauerland aber muss liefern, sein Vertrag mit der ARD läuft 2014 aus, und wird er nicht verlängert, droht den Berlinern ein Schicksal wie der einst ähnlich renommierten Hamburger Universum-Boxpromotion, die nach dem Absprung des ZDF umgehend k.o. ging.

          In wessen Auftrag

          Was bezweckt King? „Wir suchen seit sechs Wochen eine Erklärung, die Licht ins Dunkel, Klarheit über die Hintergründe und Hintermänner bringt“, sagt Sauerland, „aber wir haben sie noch nicht gefunden. Klar ist, dass King im Auftrag handelt. In wessen, wissen wir noch nicht.“ Auch Huck, der als Titelverteidiger 80 Prozent der gebotenen Börse bekäme, spielt eine undurchsichtige Rolle.

          Sein Vertrag bei Sauerland läuft Ende 2013 aus, auch er sitzt mit am Pokertisch. Die Frage ist, wer die besten Karten hat. Oder den besten Bluff. Im Augenblick sieht Sauerland wie der Verlierer aus. Aber das kann sich schnell ändern, noch liegen nicht alle Karten auf dem Tisch.

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