https://www.faz.net/-gtl-a5ws6

Pressestimmen zu Maradonas Tod : Er steckt in jeder Nummer 10

  • Aktualisiert am

Die ewige Nummer 10: Diego Maradona ist tot. Bild: dpa

Als Spieler wirkte er wie ein Zauberer. Aber jenseits des Fußballplatz erschien er als tragische Figur. Die internationale Presse würdigt das Gesamtkunstwerk Diego Armando Maradona.

          3 Min.

          Die Fußballwelt trauert um Diego Maradona und mit ihr die Medien, für die der widersprüchliche argentinische Star viel mehr als nur ein Sportler war. Die Pressestimmen:

          GROSSBRITANNIEN

          The Guardian: „Maradona war eine perfekte Darstellung der menschlichen Fähigkeit, widersprüchlich zu sein, hässlich und schön zugleich zu vermitteln (...). Ohne Frage begabt und ein Genie nach jeder Definition des Begriffs, entwickelte Maradona eine fast übermenschliche Fähigkeit, mit dem Ball das zu tun, was große Künstler mit einem Pinsel oder Komponisten mit Musik machen.“

          The Telegraph: „Als Spieler, geschweige denn als Mann, der ein düsteres Lebensepos lebte, war er sui generis und beschwor einen Zauber herauf, den niemand übertreffen konnte. Es ist zwar verlockend, Parallelen über Generationen hinweg zu ziehen, aber am besten kann Maradona als flammende Besonderheit gefeiert werden.“

          ITALIEN

          Gazzetta dello Sport: „Maradona ist tot: Der Fußball weint um den Größten von allen.“

          La Repubblica: „Diego Armando Maradona hatte ein absolutes Talent für zwei Dinge: den Fußball und die Selbstzerstörung. Lange er hat beides gleichzeitig gespielt, dann hörte er mit dem ersten auf und machte das zweite weiter, bis zum erwarteten Schlusspfiff zum Sechzigsten.“

          SPANIEN

          La Vanguardia: „Maradonas sportliche Erfolge wurden durch sein wildes Privatleben, seine Drogenabhängigkeit und Alkoholsucht, seine Arroganz und Überheblichkeit oft verdeckt. Aber selbst dann noch erhielt er weiter großen Beifall. Vielleicht, weil er unwissentlich in und außerhalb der Fußballstadien und der Fernsehwelt nicht nur ein großer Fußballer war, sondern auch der Star einer Reality-Show, die ihn begleitete, wohin er auch ging.“

          FRANKREICH

          Libération: „Er war ein wahrer Fußballvirtuose: In seinen besten Momenten konnte Diego Maradona uns an den Regeln der Physik, ja an unserem eigenen Tod zweifeln lassen. Seine Dribblings, seine Täuschungsmanöver und seine Slaloms versetzten die Gegenspieler in Angst und Schrecken.“

          SCHWEIZ

          Blick: „Fußball ist Kunst. Nicht Taktik. Keiner verkörperte das besser als Maradona. Unabhängig davon, ob er oder Pelé oder Messi oder Ronaldo der beste Fußballer aller Zeiten ist. Der Sport ist am 25. November 2020 ärmer geworden. Und die Welt trauert. Um einen grandiosen Fußballer, dem dieser Sport unendlich viel zu verdanken hat. Wegen Menschen wie Maradona ist der Fußball zum populärsten Sport auf der Welt geworden. Man wünscht sich, dass es im Himmel einen Ball für ihn gibt.“

          SCHWEDEN

          SVT: „Ein kleiner Junge aus dem Slum mit einem ungeheuerlichen Talent und dem Glück, dass dieses von jemandem gesehen wurde – das war Diego Armando Maradona. Ein Spieler, der eine ganze Nation in Ekstase versetzt hat, als Argentinien 1986 die Fußball-WM gewonnen hat. Maradona stirbt nicht – er steckt in jeder 10.“

          NORWEGEN

          NRK: „Für eine „normale“ Person ist es früh, im Alter von 60 Jahren zu sterben. Diego Maradona jedoch lebte im Grunde sechs Leben in einem. Die argentinische Legende war nicht nur einer der besten Spieler aller Zeiten. Er war Trainer, Kommentator, Botschafter und politischer Unterstützer. Für viele war er auch Gott. Niemand hat dem Fußball so viel gegeben wie er. Nun ist das außergewöhnlichste Leben in der Geschichte des Fußballs vorbei.“

          DÄNEMARK

          DR: „El Diez“ – der Zehner – ist von uns gegangen. Er wird vermutlich für immer der größte argentinische Fußballstar aller Zeiten sein – und das in einem Land, das Namen wie Messi, Di Stefano, Kempes und andere hervorgebracht hat. Aber Maradonas Größe lässt sich nicht bloß in seiner großartigen Fußballtechnik bemessen. Die hat ihm einem Platz in der Arena der Größten eingebracht, aber er hat noch eine viel tiefgründigere und größere Bedeutung für Argentinien als nur den umstrittenen Status als bester Spieler der Welt. Es geht um viel mehr als Fußball, es geht um das argentinische Selbstverständnis. Jetzt ist die Hand Gottes im Himmel.“

          Vereinigte Staaten

          Los Angeles Times: „Wie der andere berühmte argentinische Export, der Tango, brachte Maradona Flair, Leidenschaft und ein unbestreitbares Gefühl von Finsternis in seinen Sport und sein Leben. Auf dem Platz konnten nur wenige mit seiner Kunst, seinen Fähigkeiten und seiner Kreativität mithalten, aber er konnte auch ein verschlagener, zorniger Spieler sein. Abseits des Platzes war er ein schwankender Mann mit gewaltigem Appetit, dessen Exzesse ihn oft ins Krankenhaus brachten.“

          New York Times: „An Maradonas Fuß schien der Ball zu folgen wie ein Haustier. Es hieß, er könne mit einer Orange, was andere nur mit einem Ball zustande brachten. Und er spielte mit einer Art brillanten Tarnung, scheinbar schläfrig über weite Strecken, nur um sich dann in wichtigen Momenten mit faszinierenden Dribblings, verblüffenden Pässen oder erstechenden Schüssen zu behaupten.“

          ESPN: „So massiv das Maradona-Vermächtnis auf dem Feld ist – und das beinhaltet Titel in drei verschiedenen Ländern ebenso wie Argentinien als Kapitän zum Sieg bei der WM 1986 geführt zu haben – sein Charisma und sein Echo abseits des Platzes ist womöglich noch größer.“

          Weitere Themen

          Olympiasiegerin Chloe Kim zurück im Wettkampf Video-Seite öffnen

          Snowboard Weltcup : Olympiasiegerin Chloe Kim zurück im Wettkampf

          Der 20-jährigen Amerikanerin Chloe Kim ist es gelungen nach rund zwei Jahren Pause mit einem Sieg im schweizerischen Laax wieder in die Wettkampfwelt zurückzukehren. Sie hatte im Vorfeld eine Pause eingelegt, um ihr Studium an der Princeton University voranzubringen.

          Topmeldungen

          Donald und Melania Trump am vorigen Mittwoch in Washington

          Trumps Impeachment-Prozess : Mehr Zeit für neue Skandale

          Der Impeachment-Prozess gegen Donald Trump soll erst am 9. Februar eröffnet werden. Bis dahin hoffen die Demokraten auf neue Skandale, die der Anklage weitere Munition liefern.
          Mehr Unterstützung aus Washington: Amerikanische Forscher von Regeneron arbeiten am experimentellen Antikörper-Medikament.

          Antikörper-Medikament : Was auch bei Trumps Genesung half

          Ein amerikanisches Antikörper-Präparat erhält eine Notzulassung, 200.000 Dosen kauft die Bundesregierung. Deutsche Wissenschaftler vermissen Unterstützung bei ihrer Forschung – so würden Chancen verpasst, kritisieren sie.
          Verrammelt und verriegelt: Das Lamb & Flag in London (Symbolbild)

          Großbritannien : 10.000 Pubs und Restaurants schließen

          Großbritanniens Gastronomie ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Während große Ketten sich frisches Kapital beschaffen, gehen die Kleinen unter.
          Aggressiv, schamlos, schnell gekränkt, selbstverliebt: Besaß Trump die Reife für sein Amt?

          Egozentrisch und rücksichtslos : Wenn der Partner ein Narzisst ist

          Narzissten wollen immer heller strahlen als ihr Gegenüber. Dafür ist ihnen meist jedes Mittel recht: Manipulation, Beschimpfungen und dreiste Lügen. Woran merkt man, dass einem das in der eigenen Beziehung widerfährt – und wie geht man damit um?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.