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Premier League : Kalte und heiße Fritten im Spitzenspiel

  • -Aktualisiert am

James Milner (rechts) hat seine Mühe mit Citys Phil Foden. Bild: AFP

Einer erlebt eine Tortur, ein anderer trifft wie Messi: Die „Reds“ aus Liverpool und Manchester City liefern sich ein packendes Spitzenspiel, an dessen Ende keiner gewinnt.

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          Nach dem Schlusspfiff des Premier-League-Spitzenspiels zwischen dem FC Liverpool und Manchester City am Sonntagabend wurden Citys Trainer Pep Guardiola und Liverpools erfahrener Profi James Milner in den Fluren des Anfield-Stadions bei einem freundschaftlichen Plausch beobachtet. Warum auch nicht: Das Spiel war 2:2 ausgegangen, mit dem Ergebnis konnten beide Seiten nach einem packenden und hochklassigen Duell leben.

          Doch wenige Minuten zuvor hätte Guardiola Milner vermutlich am liebsten persönlich am Kragen gepackt und vom Spielfeld gezerrt. Denn der Liverpooler hätte nach einem Foul die Gelb-Rote Karte sehen müssen, durfte aber weiterspielen – sehr zum Ärger von Guardiola, der für sein Gezeter vom Schiedsrichter verwarnt wurde.

          Milner, mit 35 Jahren einer der erfahrensten Spieler im Kader von Jürgen Klopp, ersetzte gegen City abermals den verletzten Trent Alexander-Arnold auf der rechten Abwehrseite. Seine eigentliche Position ist das zentrale beziehungsweise defensive Mittelfeld, aber schon bei Liverpools 3:0 gegen Crystal Palace und beim 5:1 gegen Porto in der Champions League half der Routinier in der Viererkette aus.

          Milner wie im Zombiefilm

          Milner ist ein Musterprofi und auch im gehobenen Fußballer-Alter noch topfit, doch gegen Citys 21 Jahre alten Linksaußen Phil Foden stieß er an seine Grenzen. Foden war durchgehend gefährlich, schoss das Tor zum 1:1, war in die Entstehung des Treffers zum 2:2 involviert – und hätte wohl weitere Vorlagen beigesteuert, wenn seine Mitspieler mit seinen Zuspielen besser umgegangen wären oder Guardiola einen echten Mittelstürmer aufgeboten hätte. Immer wieder entwischte er Milner und zwang ihn so zu einer ganzen Reihe von Fouls. Der Platzverweis nach einem Foul an Bernardo Silva eine Viertelstunde vor dem Spielende wäre gerecht gewesen.

          Die BBC deutete Milners entspanntes Lächeln im Gespräch mit Guardiola als Zeichen der Erleichterung, weil die „entsetzliche Tortur“ vorüber war, die er gegen Foden durchmachen musste. Milner habe mehrfach versucht, den flinken Foden in die Werbebande zu rempeln und sei selbst daran meist gescheitert, schrieb der Guardian – und fühlte sich von Milner gar an einen Zombiefilm erinnert: „Der schwerfällige Gang, die ausgestreckten Arme, die hilflos nach dem jugendlichen Opfer greifen.“

          Klopp vergleicht Salah mit Messi

          Der Vergleich wird Milner nicht gerecht, der auch mit 35 Jahren noch seinen Beitrag zum Erfolg der Mannschaft leistet. „Milly“ habe seine Sache gut gemacht, beschützte ihn Klopp nach dem Spiel: „Es ist nicht einfach, gegen diese Jungs zu verteidigen.“ Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es für Alexander-Arnold im Kader keinen adäquaten Ersatz gibt, wenn er wie jetzt ausfällt. Schon in der vergangenen Saison war Liverpool wegen der Verletzungen der Innenverteidiger Virgil van Dijk und Joe Gomez in Schwierigkeiten geraten.

          Besonders in der ersten Halbzeit fand Liverpool im eigenen Stadion nicht ins Spiel. Die Fans erzeugten vom Anpfiff weg eine großartige Stimmung, aber die Mannschaft habe ihnen nur „kalte Fritten“ serviert, sagte Klopp. In der zweiten Halbzeit lief es besser, weil Mohamed Salah jetzt zur Höchstform auflief. Das Tor zum 1:0 durch Sadio Mané bereitete er mit einem perfekten Pass in dessen Lauf vor, das 2:1 erzielte der Ägypter höchstpersönlich: In Citys Strafraum ließ er die halbe Abwehr durch zwei, drei Körpertäuschungen und virtuose Ballbehandlung ins Leere purzeln und schoss den Ball dann aus spitzem Winkel ins lange Toreck.

          Klopp verglich den Stürmer mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi: „Nur die besten Spieler der Welt schießen solche Tore.“ Salah werde in Liverpool in die Geschichte eingehen. „Die Leute werden noch lange über dieses Tor sprechen. Noch in 50 oder 60 Jahren werden sie sich daran erinnern.“ Es war Klopps Art, sich bei dem Mann zu bedanken, dessen individuelle Klasse Liverpool zu einem glücklichen Punkt verholfen hatte.

          Klopp räumte denn auch ein, wegen der schwachen Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit mit dem Punkt zufrieden zu sein. Auch Guardiola wirkte nicht unzufrieden, auch wenn aus seiner Sicht mehr drin war; er lobte vor allem den Charakter seiner Spieler, die im tosenden Anfield zweimal einen Rückstand aufgeholt hatten. Mehr als Milners Fouls dürften den Trainer jedoch die Chancen geärgert haben, die seine Mannschaft speziell in der ersten Halbzeit nicht genutzt hatte. Denn das Unentschieden zwischen Liverpool und Manchester City bedeutet auch: Tabellenführer nach sieben Spielen ist der FC Chelsea.

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