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Englischer Profifußball : Heiße Ware von der Insel

Alles ein bisschen größer: Die Premier League ist auch für Mesut Özil (hinten) eine Herausforderung Bild: AFP

Auch wenn Bayern München am Abend in der Champions League den FC Arsenal (20.45 Uhr) ausschalten sollte: Die Premier League ist in dieser Saison so stark aufgestellt wie nie zuvor - allen Krisenszenarien zum Trotz

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          In der Londoner Zentrale der Premier League am Hyde Park horchen die Angestellten auf, wenn Besuch aus Deutschland kommt. „Euer Özil ist Weltklasse. Aber er lässt den Kopf schnell hängen. Die Leute hier merken, wenn jemand nicht 100 Prozent Einsatz gibt“, heißt es von einem Angestellten zur Begrüßung. Seit Wochen wird an den schwankenden Leistungen des 50-Millionen-Einkaufs vom FC Arsenal herumgenörgelt. Im Stadion springen die Fans von ihren Sitzen und versuchen den Mittelfeldstar zu unterstützen, wenn er sich nach einer misslungenen Aktion allzu lange Zeit lässt mit dem Weiterkämpfen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Man kann Mesut Özil zugutehalten, dass er sich nach seinem Wechsel erst an die neuen Spielbedingungen in England gewöhnen muss. Doch die schwierige Anpassung hat vor allem einen Grund: Selten zuvor war die wirtschaftlich stärkste Liga der Welt sportlich so erbarmungslos fordernd. „Ein packender Wettbewerb“, rühmt sich Premier-League-Chef Richard Scudamore.

          Mächtiger Mann

          Er ist einer der mächtigsten Männer des Fußballs. Scudamore wird mitreden, ob die umstrittene WM im Jahr 2022 am Ende wirklich in Qatar stattfindet. Aber zuallererst treibt er die Expansion der Premier League voran. Nachdem sich in den vergangenen Jahren der Eindruck ergab, dass selbst das Kraftwerk des Fußballs durch hochverschuldete Klubs, fortschreitende Kommerzialisierung und fragwürdige Investoren nicht unangreifbar ist, zeigt sich die Premier League in dieser Saison so stark aufgestellt wie nie zuvor.

          Das globale Fußballunterhaltungsprogramm von der Insel scheint unabhängig zu sein von Krisen, auch vom andauernden Misserfolg der englischen Nationalmannschaft und selbst dem mageren Abschneiden der eigenen Teams in der Champions League. Arsenal nach dem 0:2 im Hinspiel gegen Bayern München (Rückspiel 20.45 Uhr/ live im Sky und F.A.Z.-Liveticker) und die beiden Klubs aus Manchester könnten diesmal schon im Achtelfinale der europäischen Königsklasse ausscheiden. Der eigene Laden brummt trotzdem. Wenn Scudamore über seine Weltliga spricht, klingt das selbstgewiss: „Wir entwickeln internationales Spielertalent. In unseren Vereinen sind Profis aus 71 Ländern. Wir sind einzigartig“, sagt der Herr der Premier League.

          Ein Milliardengeschäft

          Mehr als drei Milliarden Euro Umsatz machen die englischen Klubs pro Jahr. Zwei Drittel dieser Summe bringen die Fernsehverträge ein. 800 Millionen Euro fließen aus der TV-Vermarktung im Ausland. Das Geld, das hier allein aus Singapur kommt, entspricht ungefähr dem Betrag, den die Bundesliga derzeit bei der Auslandsvermarktung insgesamt erwirtschaftet (75 Millionen). Die deutsche Liga macht eine Milliarde Euro weniger Umsatz, und so warnte Ligachef Christian Seifert alle, die glauben, die boomende Bundesliga könnte jetzt angreifen. „Sie sind uns um Lichtjahre voraus“, sagte Seifert.

          Die Leute vom britischen Bezahlsender Sky, an dem Medienmogul Murdoch beteiligt ist, kennen diese Schwungkraft. Der größte britische Pay-TV-Anbieter ist mit der Premier League gewachsen. Das Areal in der Nähe des Flughafens Heathrow vergrößert sich ständig. 8000 Leute arbeiten dort. Überall Studios, Redaktionen, Gebäude, Technik und Menschen, die sich mit medialen Verwertungsketten beschäftigen. Ein Milliardengeschäft.

          Auslastung der Stadien bei 94 Prozent

          Die Premier League ist das Kernstück. Der Sender hat über zehn Millionen Abonnenten, mindestens sechs Millionen mehr als sein deutsches Partnerunternehmen, und ist dazu noch profitabel. Fußballchef Garry Hughes lehnt sich entspannt ins Sofa, wenn er anfängt, über diese Saison zu erzählen. Er spricht über den harten Konkurrenzkampf an der Spitze, weist auf das Comeback des FC Liverpool, die neuen Trainer, den Powerfußball und Stars wie Özil hin, was zusammen den Kitzel ausmache. Ein Spitzenspiel jagt das nächste. „Hier geht’s brutal ab wie noch nie“, sagt Hughes und stellt dann die rhetorische Frage zur Bundesliga: „Und wie ist das bei euch - nur mit Bayern München?“

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