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Rangnick wird Manchester-Coach : „Einer der am höchsten respektierten Trainer Europas“

  • -Aktualisiert am

Soll eine bislang verkorkste Saison in der englischen Liga retten: Ralf Rangnick übernimmt bei Manchester United. Bild: EPA

Hoffen auf den Innovator: Ralf Rangnick wird Interimstrainer beim kriselnden Premier-League-Klub Manchester United. Die Erwartungen in England an den Deutschen sind enorm – doch es gibt auch Zweifel.

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          Eine Überraschung war es natürlich nicht mehr. An diesem Montag hat Manchester United bestätigt: Ralf Rangnick wird Interimstrainer bis zum Ende der laufenden Saison und anschließend für mindestens zwei weitere Jahre in einer beratenden Funktion bei dem Premier-League-Klub weiterarbeiten. Laut Mitteilung steht die Arbeitserlaubnis des 63-Jährigen in Großbritannien noch aus. Sollte sie bis dahin vorliegen, könnte Rangnick am kommenden Donnerstag beim Ligaspiel gegen den FC Arsenal zum ersten Mal auf der Bank seines neuen Vereins sitzen.

          Erst im Sommer hatte Rangnick einen Vertrag als Geschäftsführer Sport und Kommunikation bei Lokomotive Moskau unterschrieben. Der Kontrakt ist nun aufgelöst worden. Ob United eine Ablöse bezahlt hat, ist nicht bekannt. In einer Art Vorstellungsgespräch soll Rangnick die Entscheidungsträger im Old Trafford mit seiner Vision restlos überzeugt haben: Für den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Ed Woodward, den Fußballdirektor John Murtough und den Technischen Direktor Darren Fletcher war er Berichten zufolge erste Wahl – trotz angeblich namhafterer Anwärter für den Posten.

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          „Ralf ist einer der am höchsten respektierten Trainer und Innovatoren im europäischen Fußball“, ließ sich Murtough in der Bestätigung von Rangnicks Verpflichtung zitieren: „Er war unser Nummer-eins-Kandidat als Interimstrainer.“ Berichten zufolge bringt Rangnick einen kleinen Kreis von Assistenten mit nach Manchester, er wird vor Ort aber auch mit dem bestehenden Stab zusammenarbeiten – unter anderem mit Michael Carrick, dem früheren Ko-Trainer des entlassenen Ole Gunnar Solskjaer, der aktuell die Mannschaft betreut.

          Er freue sich auf seine neue Aufgabe bei Manchester United und sei voll darauf konzentriert, diese Saison erfolgreich zu beenden, sagte Rangnick: „Der Kader ist voller Talent und hat eine tolle Balance zwischen Jugend und Erfahrung.“ Sein Job in den nächsten sechs Monaten werde darin bestehen, den Spielern dabei zu helfen, ihr volles Potential abzurufen – „individuell und, am allerwichtigsten, als Team“.

          Was passiert mit Ronaldo?

          United hat vor der Saison umgerechnet rund 140 Millionen Euro für Zugänge ausgegeben. Jadon Sancho kam von Borussia Dortmund, Raphaël Varane von Real Ma­drid, Weltstar Cristiano Ronaldo von Juventus Turin. Einige der am besten bezahlten Premier-League-Profis stehen bei United unter Vertrag. Trotzdem steht Englands seit Jahren taumelnder Rekordmeister nach 13 Spielen nur auf dem achten Tabellenplatz – der Punkte-Abstand zum Tabellenführer Chelsea ist größer als der zum FC Burnley auf dem ersten Abstiegsplatz.

          In der Champions-League-Gruppe F ist United dagegen Erster – maßgeblich wegen der Tore von Ronaldo. Kritiker sehen in ihm trotzdem ein Hemmnis, weil sich Uniteds Spiel zu sehr um ihn drehe. Es wird spannend sein zu beobachten, welche Rolle Ronaldo in Rangnicks Plänen spielt.

          Als ausgewiesener Fußball-Fachmann ist Rangnick das genaue Gegenteil seines Vorgängers Solskjaer, der wegen seiner Verdienste als United-Spieler vor allem eine emotionale Besetzung war. Die Fans werden deshalb hoffen, dass Rangnick in der Lage ist, eine ganz und gar verkorkste Saison zu verhindern. Deutsche Trainer haben in England einen guten Ruf: Jürgen Klopp beim FC Liverpool und Thomas Tuchel beim FC Chelsea dürften den Herren Woodward, Murtough und Fletcher durchaus als Inspiration gedient haben.

          Sowohl Klopp als auch Tuchel äußerten in diesen Tagen ihren Respekt vor Rangnick, dem der Ruf als taktischer Modernisierer anhaftet. Allerdings gibt es auch Zweifel, ob Rangnick als eher langfristig orientierter Planer der Richtige ist, um als Interimstrainer auf die Schnelle eine Verbesserung zu bewirken – zumal das Team nicht unbedingt zu seinem auf Pressing ausgelegten Stil passt. „Er hat eine Menge Arbeit vor sich“, schrieb die BBC in einer Analyse: „So viel ist sicher.“

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