https://www.faz.net/-gtl-9xgsh

Klopp und die Corona-Pause : „Heute ist Fußball nicht mehr wichtig“

  • -Aktualisiert am

„Wenn dies dazu beiträgt, dass eine Person gesund bleibt – nur eine –, werden keine Fragen gestellt“; Jürgen Klopp zur Saisonunterbrechung. Bild: AFP

Zwei Klubs aus der Premier League melden Ansteckungen mit Corona. Daher setzt die englische Liga den Spielbetrieb vorerst aus. Liverpool-Trainer Jürgen Klopp bewertet die Entscheidung mit einem deutlichen Statement.

          2 Min.

          Die Premier League hat den Spielbetrieb wegen der Coronavirus-Pandemie bis mindestens zum 3. April ausgesetzt. Das bestätigte die Liga am Freitag nach einem Krisengespräch per Videokonferenz mit Vertretern der 20 Klubs in Englands höchster Fußballspielklasse. Die Zwangspause gilt auch für die English Football League (EFL), unter deren Dach die Ligen zwei bis vier ausgetragen werden, sowie für die Frauen-Profiliga Women’s Super League und Begegnungen im Nachwuchsbereich. Zuvor hatte es geheißen, dass der Spielbetrieb in England fortgesetzt werden solle. Noch am Donnerstag hatte die Regierung von Großbritanniens konservativem Premierminister Boris Johnson davon abgeraten, Großveranstaltungen wie Fußballspiele wegen der Pandemie abzusagen, weil es dafür aus medizinischer Sicht angeblich keine Veranlassung gebe. Seitdem hat sich die Lage jedoch weiter verschärft.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Vor dem Gipfel am Freitagvormittag hatten zwei Premier-League-Klubs Ansteckungen mit dem Virus gemeldet: Arsenal-Trainer Mikel Arteta und Chelsea-Stürmer Callum Hudson-Odoi befinden sich in Quarantäne; das gilt auch für zahlreiche Mannschaftskollegen und Betreuer beider Klubs. Das Spiel von Arsenal am Wochenende gegen Brighton & Hove Albion war deshalb bereits verschoben worden. Weil der europäische Fußballverband die für kommende Woche angesetzten Spiele in den kontinentalen Klubwettbewerben verschoben hat, wird Chelsea am Mittwoch auch nicht zum Achtelfinal-Rückspiel beim FC Bayern München anreisen. Von den Isolationsmaßnahmen beim FC Arsenal sind auch die deutschen Profis Mesut Özil, Shkodran Mustafi und Bernd Leno betroffen.

          Ebenfalls in Quarantäne befinden sich Spieler von Leicester City, außerdem haben es Bournemouth, Everton, Manchester City, Watford und West Ham mit ersten Fällen zu tun – teilweise jedoch „nur“ im Familien- oder Bekanntenkreis von Spielern oder Funktionären oder als reine Vorsichtsmaßnahme wegen vorangegangener Kontakte mit infizierten Personen. In einer Mitteilung der Premier League hieß es, die Entscheidung, den Spielbetrieb sofort zu unterbrechen, sei einstimmig gefallen. Ob am Samstag, den 4. April, wieder Spiele stattfinden könnten, werde man kurz vorher auf Basis der dann aktuellen Situation und medizinischen Empfehlungen entscheiden. Der Chef der Premier League, Richard Masters, wird in dem Schreiben zitiert: „Vor allem wünschen wir Mikel Arteta und Callum Hudson-Odoi schnelle Genesung, ebenso allen anderen, die von Covid-19 betroffen sind.“ Das Wohlbefinden der Spieler, Klubangestellten und Fans habe in dieser „beispiellosen Situation“ Priorität.

          Der schottische Fußballverband hat unterdessen alle Spiele unter seinem Dach mit sofortiger Wirkung auf unbestimmte Zeit abgesagt. Somit fällt das für Sonntag angesetzte „Old Firm“ zwischen den Glasgow Rangers und Celtic Glasgow aus, aber auch sämtliche Spiele bis hinunter in den Amateurbereich. Auch die anstehenden Freundschaftsländerspiele der englischen Nationalmannschaft in Wembley sind laut FA abgesagt worden. Ende März waren Spiele gegen Italien und Dänemark geplant. Auch die U-Nationalmannschaften werden nicht spielen. Der walisische Verband hatte die Begegnungen mit den Vereinigten Staaten und Österreich bereits vorher abgesagt.

          Vor den offiziellen Bestätigungen am Freitag hatte unter anderem der „Guardian“ mit Bezug auf einen Insider berichtet, dass sogar ein ersatzloser Abbruch der Premier-League-Saison zur Debatte stand. Dazu wird es nun aber nach aktuellem Stand der Dinge nicht kommen. In der Premier League steht der deutsche Trainer Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool auf Platz eins der Tabelle, der Vorsprung beträgt wenige Spieltage vor Ende der Saison 25 Punkte. Klopp wandte sich in einem Statement auf der Homepage des „Reds“ an die Fans: „Ich habe bereits gesagt, dass Fußball immer das Wichtigste unter den unwichtigen Dingen ist. Heute sind Fußball und Fußballspiele überhaupt nicht mehr wichtig“, sagte Klopp. „Natürlich möchten wir nicht vor einem leeren Stadion spielen, und wir möchten nicht, dass Spiele oder Wettbewerbe ausgesetzt werden. Wenn dies jedoch dazu beiträgt, dass eine Person gesund bleibt – nur eine –, werden keine Fragen gestellt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump und die Wahrheit : Der Lügenpräsident

          Verzerrungen, Halbwahrheiten, Übertreibungen: Ein Team der „Washington Post“ hat Donald Trumps Falschaussagen seit seiner Amtseinführung dokumentiert. Es kommt zu einem erschütternden Befund.
          Eine Gay-Pride-Parade in Tel Aviv am 28. Juni.

          LGBT in Israel : Wie politisch darf Sesampaste sein?

          Dass eine bekannte Lebensmittelfirma ein Hilfstelefon unterstützt, das sich speziell an arabische LGBT-Personen richtet, hat heftige Reaktionen unter Israels Arabern hervorgerufen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.